Würenlos
Fall des Sexdating-Lehrers zeigt: Ein Restrisiko bei gesperrten Internetseiten bleibt

Der Fall des Sexdating-Lehrers in Würenlos zeigt: Es gibt keinen 100-prozentigen Schutz vor problematischen Seiten im Netz.

Sabina Galbiati
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Internetfilter sollen Schüler vor problematischen Seiten schützen.Symbolbild/Key

Internetfilter sollen Schüler vor problematischen Seiten schützen.Symbolbild/Key

KEYSTONE

Nachdem in Würenlos ein Lehrer entlassen wurde, weil seine Schüler ihn im Klassenzimmer beim Surfen auf einer Sexdating-Seite erwischt hatten, drängt sich die Frage auf, warum eine solche Seite in der Schule überhaupt geöffnet werden kann. Zumal insbesondere Schüler an den Schulcomputern keinen Zugriff auf pornografische Internetseiten haben sollten.

In einer Mitteilung weist die Schule Würenlos darauf hin, dass sie den Internetzugang im Rahmen des Projekts «Schulen ans Internet» von Swisscom bezieht.

Die Swisscom stellt allen Kindergärten, Schulen der Primar- bis und mit Sekundarstufe II einen kostenlosen Internetzugang zur Verfügung.

Dieser beinhaltet einen Inhaltsfilter, der unter anderem pornografische, gewaltverherrlichende oder extremistische Seiten sperrt und Schüler vor dem unbedarften Zugriff auf ungeeignete Seiten schützt.

Das Projekt läuft über das kantonale Bildungsdepartement (BKS). Rund 400 Aargauer Schulen nutzen dieses Angebot.

Heinz Kaufmann von der Kantonalen Koordinationsstelle «Schulen ans Internet» sagt jedoch, «einen 100-prozentigen Schutz gibt es nie».

Solche Filter für «verbotene» Internetseiten funktionieren nach Kategorien, welche durch ein weltweites Scanning automatisch nachgeführt werden.

Die Swisscom führt in ihrem Angebot zahlreiche dieser Kategorien, die gesperrt werden können.

Das BKS nutzt dieses Angebot seit rund 15 Jahren. Aus dem Pool hat es die Kategorien Pornografie, Soziale Netzwerke für Erwachsene, Extremismus, Gewaltverherrlichung und weitere sperren lassen.

«Ein technischer Filter verhindert, dass die Nutzer des Internetanschlusses auf Seiten zugreifen können, die vom Filter erkannt und entsprechend kategorisiert sind», erklärt Kaufmann.

Das BKS als Schnittstelle zwischen Schulen und Swisscom kann melden, wenn Seiten zugänglich sind, die eigentlich gesperrt sein sollten.

Kaufmann: «Wir haben dafür eine ‹Schwarze Liste›: Im Fall von Würenlos war die Seite tatsächlich zugänglich, hätte es aber nicht sein dürfen.»

Man habe die Seite bei der Swisscom gemeldet, die wiederum dafür gesorgt hat, dass die Seite gesperrt wird.

«Das geschieht in der Regel innerhalb von wenigen Stunden», sagt Kaufmann. Nebst dem Angebot «Schulen ans Internet» haben Schulen aber weitere Möglichkeiten: Sie können in Eigenregie zusätzliche Schutzfilter einsetzen oder mehrere Internetanschlüsse nutzen, sodass Lehrer und Schulverwaltung auf Seiten zugreifen können, die für Schüler gesperrt bleiben.

Ein Restrisiko wird aber immer bleiben. «Anbieter von verbotenen Seiten wollen im Grunde nicht gesperrt werden und ändern ihre Adressen, wodurch der technische Filter sie nicht mehr erkennt», sagt Kaufmann.

Kommt hinzu, dass täglich neue Seiten online gehen, die dann zuerst wieder vom Filter erkannt werden müssen. «Es ist wie beim Katz-und-Maus-Spiel», vergleicht Kaufmann.

Allerdings: «Insgesamt funktionieren die Filter sehr gut. Wir hatten in den vergangenen 15 Jahren 5 Meldungen, bei denen anschliessend eine Seite auf die ‹Schwarze Liste› kam, sowie 18 Seiten, die gesperrt waren und freigegeben werden mussten. Sie wurden auf die sogenannte ‹Weisse Liste› gesetzt.»

Im Fall von Würenlos hätten die Schüler genau richtig reagiert, indem sie die Seite der Schulleitung meldeten, sagt Kaufmann. Nach dem Vorfall will die Schule Würenlos prüfen, ob zusätzliche Filter noch mehr Sicherheit gewährleisten.

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