Region Baden
Familien haben mehr Chancen auf einen Krippenplatz

Die neue Strategie des Krippenpools gilt ab 2014. Für die Gemeinden wird es teurer. Alleinerziehende und Familien haben aber grössere Chancen, einen subventionierten Krippenplatz zu finden.

Andrea Ebneter
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Die Koordinationsgruppe Krippenpool (v.l.): Geschäftsstellenleiterin Brigitte Häberle mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden Yvonne Feri, Therese Schneider, Beni Paul-Marti und Daniela Berger. ZVG

Die Koordinationsgruppe Krippenpool (v.l.): Geschäftsstellenleiterin Brigitte Häberle mit den Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden Yvonne Feri, Therese Schneider, Beni Paul-Marti und Daniela Berger. ZVG

Im Dezember letzten Jahres haben die vier Poolgemeinden Wettingen, Baden, Ennetbaden und Obersiggenthal über die neue Strategie des Krippenpools entschieden. Die Legislativen aller vier Gemeinden haben teils einstimmig, teils mit vereinzelten Gegenstimmen zugestimmt. Die Strategie soll ab 2014 in Kraft treten – doch was genau wird für Eltern, Krippen und Gemeinden neu?

Neun Poolkrippen Ende 2011

Brigitte Häberle ist Leiterin der Geschäftsstelle Krippenpool. «Die Kontingentierung der subventionierten Plätze fällt ab 2014 weg», sagt sie. Alle Krippen mit Standort in den Poolgemeinden, die eine Vereinbarung unterzeichnet haben, können dann subventionierte Plätze anbieten. Ende 2011 waren von 24 Krippen neun Poolkrippen. Diese boten zusammen 112 Plätze an, die von den Poolgemeinden subventioniert wurden. Die Poolgemeinden kauften bei den Krippen diese Anzahl Plätze ein. Dass mit dem Wegfall der Kontingentierung auf die Gemeinden Mehrkosten zukommen werden, seien sich die Gemeinden bewusst, sagt Häberle. «Wir haben eine Kostenschätzung für die nächsten Jahre aufgestellt (siehe Tabelle). Die Einwohnerräte und die Gemeindeversammlung haben dieser zugestimmt.»

So berechnen Sie den Krippenplatz-Beitrag

Auf der Internetseite des Krippenpools können Eltern ihren Beitrag für einen subventionierten Krippenplatz berechnen. Ein Fallbeispiel:
Die fiktive Familie Vogel wohnt in Ennetbaden. Sie besteht aus Mutter Anna, Vater Marc und ihrer kleinen Tochter Lara. Annas steuerbares Einkommen pro Jahr liegt bei 35 000 Franken, das von ihrem Mann Marc bei 45'000 Franken - ergibt zusammen 80'000 Franken. Ausserdem besitzen sie ein steuerbares Vermögen von 40 000 Franken. Vom steuerbaren Vermögen werden 10 Prozent dazugezählt, somit besteht das massgebende Gesamteinkommen aus 84'000 Franken.
Laut krippenpool.ch wird davon pro Haushalt ein Basisabzug von 12 000 einberechnet, plus je 7000 für Anna und Marc und 4000 für Lara. Somit entsteht ein Gesamtabzug von 30 000 Franken. Das Gesamteinkommen minus das Total der Abzüge ergibt den massgebenden Betrag zur Berechnung des Elterntarifs. Im Fall der Familie Vogel liegt dieser bei 54'000 Franken.

Lara geht einen Tag pro Woche zur Krippe in Baden. Mithilfe eines Rechnungsschlüssels berechnen die Krippen - ab 2014 eine zentrale Stelle - den Preis für den voll betreuten Krippentag von Lara.
Der Preis liegt für die Familie Vogel bei Fr. 71.70. Angenommen, die Krippe verlangt 110 Franken für den Betreuungstag, stellt die Krippe der Familie Vogel die Fr. 71.70 in Rechnung; die Gemeinde Ennetbaden bezahlt als Wohngemeinde der Familie der Krippe die Differenz. Das heisst, die Familie wird mit Fr. 38.30 von der Gemeinde unterstützt, also subventioniert. (aeb)

Tarifberechner auf www.krippenpool.ch

Für die Eltern gilt noch bis Ende 2013: Wer laut Elternbeitragsreglement berechtigt ist, einen subventionierten Platz zu beziehen, erhält einen Platz, sofern das Kontingent noch nicht ausgeschöpft ist. «Die Krippen mussten nur darauf achten, ob Anspruch auf einen subventionierten Platz besteht.» Eltern, die auf Subventionen angewiesen waren, mussten einen Platz in einer der neun Poolkrippen finden. Da neu die Anzahl subventionierte Plätze nicht mehr limitiert ist, steigt die Chance, einen Platz zu finden – wovon insbesondere Familien oder Alleinerziehende mit mittlerem oder tiefem Einkommen profitieren.

Neue Tarifordnung

Um den Elternbeitrag für einen Krippenplatz zu ermitteln, dient neu die Tarifordnung. Die Tarifordnung basiert auf dem bisherigen Elternbeitragsreglement und der Verordnung. «Die Tarifordnung legt den minimalen und den maximalen Elternbeitrag fest», sagt Häberle. «Darin ist festgehalten, dass unterstützungsberechtigte Eltern je nach Einkommen zwischen 13.90, der Minimalbetrag, oder 100 Franken, der Maximalbetrag, für einen subventionierten Platz bezahlen.» (siehe Fallbeispiel) In der neuen Strategie wurde mit 110 Franken pro Betreuungstag und Platz kalkuliert.

Eltern, die nach der neuen Tarifordnung Anspruch auf einen subventionierten Platz haben, müssen ab 2014 neu noch den Nachweis erbringen, dass sie einen Beruf oder eine Ausbildung ausüben oder auf einen Betreuungsplatz angewiesen sind. Bis heute haben die Krippen die Elternbeiträge selbst ausgerechnet. «Dafür gibt es ab 2014 eine zentrale Stelle», sagt Häberle. «So werden die Krippen entlastet und die Beiträge werden einheitlich berechnet.»

Seit 2002 gibt es den Krippenpool. «Baden, Ennetbaden, Wettingen und Obersiggenthal sind von Anfang an dabei», sagt Häberle. «Die vier Gemeinden kamen zum Schluss, dass sie für sich alleine zu klein sind, um innerhalb der Gemeinde solch eine Fachkompetenz aufbauen zu können, wie es für den Krippenpool nötig ist.» Der Vorteil am Krippenpool ist, dass Eltern innerhalb der Poolgemeinden, aber ausserhalb ihrer Wohngemeinde die Möglichkeit haben, an einen subventionierten Platz zu kommen. «Die Krippen sind sehr ungleich verteilt», so Häberle. «Während in Baden total
15 Krippen existieren, ist es in Obersiggenthal gerade mal eine.» (siehe Tabelle). Den Gemeinden sei es ein Anliegen, den Eltern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Sind die Krippen in der Wohngemeinde stark besetzt, gibt es Ausweichmöglichkeiten in die Poolgemeinden.