Fislisbach
Familienvater mit Bankräuber verwechselt

Fortunato Ciliberto geriet ins Visier der Polizei - er wurde für einen Bankräuber gehalten. Er ärgert sich über das Vorgehen der Polizei und ist überzeugt, dass ihn jemand angeschwärzt haben muss.

Maja Sommerhalder
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Filmreife Szene in Fislisbach: Vier Polizisten standen vor zwei Wochen frühmorgens vor Fortunato Cilibertos Tür: «Einer zeigte mir einen Zettel, auf dem ‹Untersuchungsbefehl› stand. Ich dachte, ich träume.» Doch der 42-jährige Fislisbacher träumte nicht, denn die Patrouille durchsuchte tatsächlich seine Wohnung.

Besonders schockiert hat ihn, dass sie eine schusssichere Weste trugen und mit einer Pistole und einem Schlagstock bewaffnet waren. «Sie durchwühlten sämtliche Schränke und Schubladen. Schlimm war, dass meine 4-jährige Tochter zusehen musste», erzählt er Tele M1. Die Polizei beschlagnahmte seine Sonnenbrille und verhörte Fortunato Ciliberto auf dem Posten.

Bald erfuhr er den Grund: Er wurde verdächtigt, die Fislisbacher UBS-Filiale überfallen zu haben. Nur sechs Tage zuvor am 30. September forderte dort ein vermummter Mann in gebrochenem Englisch von der Bankangestellten Geld. Als die Frau sich weigerte, brach der bewaffnete Bankräuber sein Vorhaben ab – ohne Beute suchte er das Weite. Auf den Bildern der Überwachungskamera der UBS war ein schlanker Mann zu sehen. Er war vermummt, trug eine Sonnenbrille und ist etwa 50 Jahre alt.

«Das ist so ungerecht»

«Auf dem Foto sieht doch ein Blinder, dass ich unmöglich der Bankräuber sein kann», findet Fortunato Ciliberto. So sieht das mittlerweile auch die Polizei: «Zwei Tage nach dem Verhör sagten sie mir, dass ich nicht mehr unter Verdacht stehe. Auch meine Sonnenbrille gaben sie mir wieder zurück.»

Warum er auf den Posten musste, weiss er bis heute nicht: «Warum ist die Polizei ausgerechnet auf mich gekommen? Ich lebe unauffällig und habe keinen Eintrag im Strafregister.» Sein Verdacht: «Jemand muss mich bei der Polizei angeschwärzt haben.» Er vermutet, dass eine Dorfbewohnerin dahinter- steckt. «Das ist so ungerecht», sagt er und kritisiert die Polizei: «Es ist unglaublich, dass sie ohne konkrete Hinweise dermassen in meine Privatsphäre eingreifen.»

Die Kantonspolizei sieht das anders: «Es gab einen konkreten Verdacht», so Mediensprecher Bernhard Graser. Bei solchen Ermittlungen sei es üblich, dass man den Verdächtigen am Wohnort anhalte und überprüfe: «Natürlich ist das unangenehm für den Betroffenen, aber wir müssen Hinweisen nun mal nachgehen.» Auch andere Personen wurden überprüft, bisher ohne Erfolg. Der UBS-Bankräuber ist noch immer auf der Flucht.