Am Sonntag fand das Animationsfilm-Festival Fantoche zum 17. Mal ein Ende. Dieses gipfelte in der Preisverleihung, die im Zeichen von New York stand. Und so schiffte Kapitän Stephan Stock Freiheitsstatue Jane Mumford im Trafosaal in Baden ein, um danach gemeinsam durch die Veranstaltung zu führen.

Das Festival ist dieses Jahr unter dem Slogan «Schuhe, Hemd und 100 Lire» gestanden und setzte sich mit den verschiedenen Facetten der Migration auseinander. Konnte bei der letztjährigen Durchführung aber noch ein Zuschauerrekord von 27 000 Eintritten vermeldet werden, so blieb man dieses Jahr mit 25 500 leicht darunter. Die Konkurrenz sei mit der 200 Jahr-Feier von Ennetbaden auch gross gewesen, sagte Fantoche-Direktorin Annette Schindler in ihrer Abschlussrede. Das grosse Fest habe ihnen viele Zuschauer abspenstig gemacht, aber immerhin: «Das kommt ja hoffentlich nur alle 200 Jahre vor.»

So wie das Festival dieses Jahr nicht ganz an die Zuschauerzahlen von letztem Jahr kam, so kam auch das Besucheraufkommen im Trafosaal nicht ganz an das bei der Eröffnungsfeier vom Dienstag heran. Nur drei Viertel der Plätze waren besetzt. Einige der 14 Preisträger, in 16 Kategorien, konnten nicht persönlich anwesend sein und hinterliessen eine Videonachricht. Eine der Videonachrichten entpuppte sich dann aber als stehendes Bild, nachdem alle sekundenlang darauf gestarrt und gehofft hatten, dass es sich endlich bewegen würde.

Das passte gut zu der unkonventionellen Abschlussfeier, die genau wie die Eröffnungsfeier skurril und witzig daherkam. Auch einige der Geschehnisse während des Festivals verdienten es, an der Schlussfeier erwähnt zu werden. So erzählte Schindler in ihrer Rede vom Erlebnis des technischen Direktors des Films «Ruben Brandt, Collector», der auf dem Flughafen Kloten von der falschen Person abgeholt worden war. Das hatte man aber erst bei einer Elektronikfirma in Mägenwil festgestellt, wohin dieser gebracht worden war.

Auch die diversen Gewinner hatten sich an das Drehbuch der Schlussfeier angepasst. Besonders hervorzuheben ist der Beginn der Dankesrede von Marjolaine Perreten aus Lausanne, die mit ihrem Animationsfilm «Le dernier jour d’automne» gleich zwei Preise gewann, den Schweizer Publikumspreis und den Preis «Special Mention». Sie entschuldigte sich zuerst einmal für ihre Frisur, bevor sie sich bedankte.

Ebenfalls zwei Preise räumten Frederic Siegel und Benjamin Morard, vom Zürcher «Team Tumult», mit «The Lonely Orbit» ab – in den Kategorien «Fantastic Swiss» und «Swiss Youth Award». Als Morard auf der Bühne stand, neben der achtköpfigen Jugendjury, fand er, dass es schön zu sehen sei, kleiner als alle Jurymitglieder zu sein. Manche der Jurymitglieder wirkten aber nicht mehr ganz so jugendlich, worauf auch Moderatorin Mumford hinwies: «Als ich euch vor einer Woche gesehen habe, da hattet ihr noch keine Bärte», fand sie. «Ihr seid sehr gealtert in nur einer Woche.»

Das Programm der letzten sechs Tage war denn auch ein vollgepacktes. Insgesamt 301 Kurz- und Langfilme wurden gezeigt, darunter 84 Kurzfilme aus 29 Ländern sowie 20 Langfilme. Hinzu kamen Workshops und der weiter ausgebaute Industry Day, eine Begegnungsplattform für Filmemacher aus aller Welt. Dieser habe einmal mehr viele Experten und Filmschaffende angezogen.

Wann das nächste Festival stattfindet, ist auch schon klar: Vom 1. bis 6. September 2020.