Fantoche
Fantoche: Animierte Dokumentarfilme als grosses Highlight

Das Schwergewicht des 9. Internationalen Animationsfilm-Festival Fantoche in Baden AG liegt auf dem animierten Dokumentarfilm. Am Dienstag wurde in Zürich das diesjährige Programm vorgestellt.

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Einmal mehr beschreitet das Animationsfilmfestival Fantoche neue Wege. Erst «Waltz with Bashir» und «Persepolis» brachten den animierten Dokumentarfilm ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit, nun legt Fantoche einen Schwerpunkt darauf. «Vielen ist die lange Tradition dieses Genres nicht bewusst», sagte die künstlerische Leiterin Duscha Kistler an der Medienkonferenz am Dienstag.

Die fünf Minuten, die sie danach aus einer hochaktuellen Produktion präsentierte, machten besonders neugierig: Der in Deutschland lebende Iraner Ali Samadi Ahadi vermischt
in seinem berührenden Film «The Green Wave» Texte aus Blogs, Fernsehbeiträge, Interviews und Handyfilme mit den Mitteln der Animation.

Thema dieser Collage ist die «grüne Revolution» in Iran; der demokratische Widerstand und dessen Niederschlagung im Sommer 2009. «Das Beispiel zeigt, wie Filmemacher arbeiten, wenn einerseits die dokumentarischen Bilder fehlen», erklärte Duscha Kistler, «und dass andererseits künstlerische Bilder vieles ausdrücken können, was Worte und Sprache nicht schaffen.»

Der zweite aktuelle «Anidoc»-Film, der am Fantoche 2011 gezeigt wird, geht in eine ganz andere Richtung. «Tatsumi» von Eric Khoo ist eine poetische Mischung aus Comic-Adaption und Biografie.

In den letzten Jahren hat sich Fantoche als eines der fünf grossen Animationsfilmfestivals weltweit etabliert, und auch 2011 verspricht das Programm internationale Perlen und Entdeckungen. Gleichzeitig wird mit dem Schweizer Wettbewerb auch wie jedes Mal eine Standortbestimmung des hiesigen Animationsfilmschaffens vorgenommen.

217 Kurz- und Langfilme werden gezeigt, ausgewählt aus fast tausend Einreichungen. «Wir erwarten, dass wir den letztjährigen Publikumsrekord von 33 000 Besucherinnen und Besuchern toppen und 35 000 Eintritte erreichen», sagte der kaufmännische Leiter Silvan Rüssli.

Der Erfolg ist dem offenen Blick der Festivalmacher zu verdanken. Zum Beispiel wird in Baden nicht nur eine heterogene, spannende Auswahl an Animationsfilmen gezeigt - es gibt auch Ausstellungen, Talks, und bereits zum dritten Mal richtet Fantoche den Fokus auf den Bruder des Animationsfilms: das Game-Design.

Hier können dieses Jahr erste Früchte geerntet werden. Zusammen mit der Kulturstiftung Pro Helvetia, dem Bundesamt für Kultur und der Suisa lancierte Fantoche 2010 eine Ausschreibung für neue, innovative und ästhetisch herausragende Schweizer Computerspiele.

Heuer werden die Gewinner vorgestellt, und das Publikum hat die Möglichkeit, die Spiele, die Werkbeiträge erhalten, zu testen. Die Freude daran war Duscha Kistler an der Medienkonferenz anzumerken. Es stecke «echte Leidenschaft» hinter diesem Programm, sagte sie. «Die Begegnungen werden immer interessanter.»

Für Kistler wird die neunte Fantoche-Ausgabe ihre letzte als künstlerische Leiterin sein. Nicht nur mit dem fruchtbaren Game-Engagement des Festivals hinterlässt sie ein erfreuliches Erbe - mit dem spannenden Programm macht sie sich selbst ein Abschiedsgeschenk. (az)

Fantoche: 9. Internationales Festival für Animationsfilm Baden, 6. bis 11. September.

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