Es regnet heftig in der Stanzerei in Baden. Der Wind heult durch nackte Bäume, Wildschweine galoppieren im Schnee an den Häusern vorbei und verschwinden im grauen Wald. «Ich hatte wirklich das Gefühl, der Regen prasselt herunter auf meinen Kopf», sagt die junge Frau, die aus der weissen Kuppel hervortritt. Der ab Lautsprecher eingespielte Wind übertönt fast ihre Stimme. Die Kuppel ist eine 360-Grad-Leinwand, die darauf projizierte Animation «Februar» hat der Holländer Maarten Isaäk de Heer von Hand gezeichnet.

«Den Film müsste ich mir drei oder vier Mal anschauen», sagt sie. «Sonst kann ich gar nicht alle Details sehen. Es passiert so vieles gleichzeitig.» Dafür fehle ihr aber die Zeit. «Ich möchte auch noch den Rest der Ausstellung sehen», sagt sie und geht weiter zu einem der neun Computer, setzt sich die Kopfhörer auf und probiert eines der Abenteuer-Games aus. 14 Studenten der Zürcher Hochschule für Künste haben diese Computerspiele entwickelt. An der Ausstellung in Baden stellen sie ihre Semesterarbeiten vor.

Höhlenmenschen in der Lava

Der sechsjährige Gabriel dirigiert zwei Steinzeitmänner im Computerspiel «The Revenge of the Cavemen». Den leichten Höhlenmensch Ugh lässt er auf Felsen klettern. Dem dicken Bobo überlässt er das Zertrümmern von Steinen. Gespannt schaut er dabei auf die virtuelle Steinzeitwelt. Dank einer schwarzen Kiste ist Gabriel gross genug, um den Bildschirm sehen zu können. Den Game-Controller hält er mit beiden Händen fest umklammert.

Plötzlich stehen die beiden Höhlenmenschen vor einem verschlossenen Steintor. «Und jetzt?», fragt Gabriel den Studenten, der ihm über die Schulter blickt. «Du musst drei Schalter auf drei Felsen umlegen, um das Tor zu öffnen», sagt ihm Student Michael Müller.

Zusammen mit David Krummenacher hat er das Spiel entwickelt. Zuerst war da die Idee, verschiedene Aufgaben zu lösen, um den nächsten Level zu erreichen. Dann kam die Geschichte dazu: Aliens haben die Menschen der Steinzeit versklavt. Der kleine, blonde Ugh und der grosse, dicke Bobo sollen sie befreien. Gabriel spielt weiter – da stürzen Ugh und Bobo über einen Felsen in die Lavasuppe. «Oh, jetzt bist du runtergefallen», sagt Michael Müller. «Soll ich für dich den Anfang nochmals spielen?» Gabriel nickt. Gemeinsam erreichen sie das Ende des ersten Levels.

Gabriel beginnt das Spiel wieder von vorne. Doch bevor er mit seinen Spielfiguren wieder in der Lava untergeht, holt ihn seine Mutter ab.