Baden
Fantoche-Festivalleiterin: «Viele tolle Filme von Frauen»

Annette Schindler verrät, warum einige Filmemacher aus Japan den Weg nicht ans Animationsfilm-Festival Fantoche fanden und welches Land 2015 im Zentrum stehen soll.

Stefanie Suter
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Ausschnitt aus dem diesjährigen besten Schweizer Animationsfilm «Oh Wal» von Jana Locher. zvg

Ausschnitt aus dem diesjährigen besten Schweizer Animationsfilm «Oh Wal» von Jana Locher. zvg

Frau Schindler, 2013 war die Rede von 34 000 Besuchern am Fantoche – in diesem Jahr wurden etwas mehr als 21 000 Tickets erhoben. Wo sind die 13 000 Besucher hin?

Fantoche-Festivalleiterin Annette Schindler: «Ein George Clooney würde vermutlich mehr Sponsorengelder anziehen.»

Fantoche-Festivalleiterin Annette Schindler: «Ein George Clooney würde vermutlich mehr Sponsorengelder anziehen.»

zvg

Also keine Einbussen?

Nein, wir haben in diesem Jahr ungefähr gleich viele Tickets verkauft und gleich viele Eintritte gehabt wie in den letzten Jahren.

In diesem Jahr stand Japan als Land im Fokus. Nicht alle der japanischen Filmemacher sprachen Englisch. Ein Problem?

Ein paar der japanischen Regisseure bekundeten Mühe, unsere Schriftzeichen auf den Wegweisern zu entziffern und wussten deshalb nicht, wie sie vom Bahnhof zum Fantoche gelangen. Die meisten wurden direkt vom Flughafen von uns abgeholt, aber einige hat unser Sprecher Adrian Erni zum Glück am Bahnhof gesehen und begleitete sie kurzerhand zum Festival. Ansonsten setzten wir an den Diskussionsrunden Profiübersetzer ein. Beim Mittagessen halfen japanische Kollegen aus, die besser Englisch sprachen. Ich war schon überrascht, dass Animationsfilmemacher, die ihre Filme international zeigen, kaum die englische Sprache beherrschten.

Was waren Ihre Highlights?

Umgehauen haben mich die interaktiven Animationen in der Galerie DoK. Man konnte dort beispielsweise mit einer App auf einem I-Pad die Seiten des Buches «Modern Polaxis» von Stu Campbell animiert betrachten. Ein Highlight für mich war es auch, dass von den 9 Filmpreisen 6 an Frauen gingen. Es ist auffällig, wie viele Frauen tolle Filme eingereicht haben.

Das Fantoche zeigt keine Mainstreamfilme und somit keinen George Clooney auf dem roten Teppich. Ein Nachteil?

Die Sponsorensuche ist sicher schwieriger – ein George Clooney würde mehr Gelder anziehen. Andererseits zeigen wir mit den Animationsfilmen etwas, das die anderen Festivals nicht haben. Das kann auch ein Vorteil sein.

Wie steht es um die finanzielle Situation des Fantoche?

Wir haben fast ausschliesslich Jahresverträge mit unseren Unterstützern, die regelmässig erneuert werden müssen. Das ist jedes Jahr aufwendig für mich und meine Mitarbeiter. Kriegen wir die Mittel nicht zusammen, müssen wir das Programm kürzen. Zum Glück haben wir aber viele Partner, die begeistert sind von Fantoche.

Was darf das Publikum im nächsten Jahr erwarten?

Wir möchten gerne Polen ins Zentrum stellen. Wir hoffen, dass dies im nächsten Jahr stattfinden kann.

Wieso Polen?

Polen hat eine interessante Filmszene mit einer grossen Ausstrahlung. Auffällig viele Filme, die wir im internationalen Wettbewerb zeigen, stammen aus Polen und werden oft auch ausgezeichnet.

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