Fantoche
Fantoche-Freak: «Das Merker-Areal ist fantastisch»

Fernando Galrito (51) aus Lissabon. Filmemacher, Fantoche-Fan und Dozent für Animationsfilm und interdisziplinäre Projekte. Er ist Direktor des Monstra Animationsfilmfestival in Lissabon.

Corinne Rufli
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«Die Atmosphäre hier in Baden gefällt mir gut. Das Merker-Areal ist fantastisch, das Fantoche-Team sehr sympathisch und die Menschen sind nicht gestresst. Die Auswahl der Filme ist gut, Jungfilmer und Experimentalfilmer haben ihren Platz. Wichtig finde ich, dass auch schwierige Geschichten und Techniken gezeigt werden.

Was mich fasziniert am Animationsfilm, ist, dass man alles kreieren kann. Jede Bewegung. Was man oft vergisst: Auch Raum und Zeit kann man neu schaffen. Mir gefallen Filme nicht, die versuchen, eine Bewegung zu erschaffen, die so nahe wie möglich an der Realität ist. Durch neue Ideen kann man die Leute überraschen und in ihnen noch unbekannte Gefühle auslösen. Mit ganz einfachen Mitteln kann man ganz viele Emotionen hervorrufen. Zum Beispiel mit einer Linie, die animiert ist, kann man jemanden zum Weinen bringen.

Freude am Film

Wer einen Film machen will, sollte auch etwas damit sagen wollen und er sollte Freude daran haben. Nur so kommt es auch beim Publikum an. Es geschieht sehr oft, dass man von einem Film berührt ist, aber nicht erklären kann warum. Wenn ich einen Film mache, gibt es immer eine Geschichte. Ich bin ein Geschichtenerzähler. Dennoch will ich den Zuschauern Raum geben für ihre Gedanken. Vor 2 Wochen habe ich meinen neusten Film fertiggestellt. Er heisst «10 para Cem». 10 Minuten für 100 Leute. Darin wird die portugiesische Künstlerszene der Jahre 1910-1925 gezeigt.

Ich habe bisher nur wenige Animationsfilme gemacht. Dafür habe ich sehr früh begonnen. Ich bin an einem Ort aufgewachsen, wo ich schon als kleiner Bub mit Filmen in Berührung kam. Die Charlie-Chaplin-Kurzfilme habe ich sicher schon tausendmal gesehen. Damals kam ich auch mit Experimentalfilmen in Berührung. Als 8-Jähriger durfte ich einen alten Projektor bedienen. Ich habe dann angefangen, auf die leeren Filmstreifen zu malen. Am Schluss hatte ich einen 9-minütigen Film. Später, mit 11, bekam ich meine erste Super-8-Kamera. So produktiv wie damals war ich nie mehr in meinem Leben. Ich versuche immer eine Balance zu finden zwischen den Künsten: Animation, Theater, Tanz, Malen.»