Baden
Fantoche für Anfänger: Wieso man hingehen sollte – was man erwarten darf

Zum 14. Mal findet in Baden das internationale Animationsfilmfestival Fantoche statt. Für alle, die sich nicht auskennen oder einfach nur einen kurzen Überblick brauchen: Die az gibt Ihnen fünf Tipps, damit Sie sich am Festival zurechtfinden.

Barbara Scherer
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Fantoche
5 Bilder
Im Schweizer Wettbewerb 1 zu sehen: «Birdz» von Emilien Davaud.
«The Invisible Elephant» von Anastasiya Sokolova wird im Kinderwettbewerb 1 präsentiert.
Den Kurzfilm «Löss» von Yi Zhao kann man im internationalen Wettbewerb 2 schauen.

Fantoche

ZVG

Schon ab nächsten Dienstag flackern Animationsfilme aus Ländern wie Lettland, Japan, China und Irland über die Leinwand der hiesigen Kinos: Vom 6. bis 11. September verwandelt das Fantoche die Stadt in ein Mekka für Filmliebhaber. Bereits zum 14. Mal findet das internationale Festival für Animationsfilme statt. Gezeigt werden nicht nur Pixar- und Disney-Filme, sondern auch ein breites Spektrum der ausgefallensten Animationsfilme aus aller Welt präsentiert. Eingefleischte Badener kennen das unterhaltsame Spektakel nur zu gut, für alle Fantoche-Anfänger hat die az einen kleinen Fantoche-Guide mit fünf Tipps entworfen:

1. Darum lohnt sich ein Besuch am Fantoche-Festival:

321 Kurzfilme, 17 Langfilme, 24 Künstlerpräsentationen sowie Ausstellungen und Performances aus verschiedenen Ländern der ganzen Welt präsentiert das Filmfestival dieses Jahr. «Es ist das grösste und ambitionierteste Animationsfilmfestival der Schweiz», sagt Festivalleiterin Annette Schindler dazu. Dies sei unter anderem möglich, weil die Stadt Baden das Festival so gut unterstützt.

Annette Schindler, Festivalleiterin Fantoche: «Das Fantoche zeigt die ganze Bandbreite der Animationstechnik.»

Annette Schindler, Festivalleiterin Fantoche: «Das Fantoche zeigt die ganze Bandbreite der Animationstechnik.»

Mario Heller

Wer denkt, er könne Animationsfilme ja auch sonst im Kino sehen, der hat falsch gedacht. Das Fantoche stellt mit völlig andersartigen Filmen eine Alternative zum kommerziellen Kinobetrieb dar. Schindler: «Das Fantoche zeigt die ganze Bandbreite der Animationstechnik.» Zudem kann man Filmemacher am Festival antreffen, wie oft ist das im normalen Kino möglich?

Nun gut, es gibt Menschen, die mögen keine Animationsfilme; da bietet sich eine der Multimedia-Ausstellungen oder der Besuch eines Workshops an. Frischluftfanatiker können nach Feierabend zum Beispiel dem «Projektilvelo» durch Baden folgen: Ein Fahrrad bepackt mit einem Projektor wird überall in der Stadt Fassaden in kunterbunte Animationswelten verwandeln.

Trotzdem: Einen Film sollte sich jeder gönnen, denn die meisten Streifen flackern sonst nie über eine Kinoleinwand. Wer nun denkt, er könne die Filme im Internet streamen, wird es schwer haben: Die meisten Produktionen seien nichts, was man einfach so findet, so Schindler.

2. Das erwartet Sie am Fantoche:

Langjährige Fans kennen sie schon: die Wettbewerbe – der beliebteste Programmpunkt und besonders empfehlenswert für alle Fantoche-Anfänger. Vier internationale und vier Schweizer Wettbewerbe laufen auch dieses Jahr. Dabei werden mehrere Kurzfilme gezeigt und von einer professionellen Jury bewertet. Auch das Publikum darf seine Stimme abgeben.

Neu gibt es in diesem Jahr eine «Jugend-Jury». Wie der Name bereits verrät, setzt sich das Gremium aus Jugendlichen zusammen. «Es handelt sich dabei um Teenager aus den drei grossen Sprachregionen der Schweiz, die selber schon Erfahrung mit Animationsfilmen gesammelt haben», erklärt die Festivalleiterin. Die
Jugend-Jury wird nur die Schweizer Fime bewerten.

Ein neuer Programmpunkt ist der «Hors concours». Während an den Wettbewerben besonders experimentelle und gewagte Kurzfilme gezeigt werden, präsentiert der «Hors concours» die narrativeren und politisierenden Filme. Wer also einen Einblick ins Fantoche haben möchte, aber keine allzu experimentellen Elemente mag, der sollte sich in einen der vier «Hors concours», darunter einer für Kinder, setzen. Für die jüngsten Besucher gibt es auch extra einen Kinderfilm-Wettbewerb.

3. Das sind die Highlights und Geheimtipps:

Unter den Langfilmen sticht die Schweizerproduktion «Ma Vie de Courgette» hervor. Denn: Die Produktion könnte für einen Oskar nominiert werden. Auf eine dialoglose Reise nimmt die Produktion «La Tortue rouge» mit. Das handgemalte Werk kommt ganz ohne Worte aus. Beeindruckend ist die Puppenanimation «Kubo and the two Strings»: Aus 24 Fotografien entsteht eine Sekunde Film. Der norwegische Kinderfilm «Louis und Luca» ist besonders für jüngere Kinder geeignet.

Wer schon immer einmal eine Virtual- Reality(VR)-Brille probieren wollte, kann dies an der Ausstellung «tilt Brush» in der Stanzerei ausprobieren. Dabei kann der Besucher gleich sein eigenes virtuelles Kunstwerk in den Raum stellen. Am Workshop «Filmvertonung mit Piezo» kann gleich selber einen Stummfilm vertonen.

Alle Donald-Duck-Fans dürfen auf keinen Fall den deutschen Synchronsprecher der Kultfigur, Peter Krause, verpassen. Er bietet eine Live-Synchronisation im Kino Sterk an. Passend dazu werden Donald-Duck-Filme aus den 1940er-Jahren im Kino gezeigt. Manch ein Rentner kann hier seine Kindheitserinnerungen aufleben lassen. Besonders lohnt es sich, das «Bagno Popolare» zu entdecken. Versteckt im Bäderquartier kann man Donnerstag bis Samstag im warmen Thermalwasser, ein Gläschen Champagner trinkend, Animationsfilme zum Thema Wasser geniessen. Darum an alle Wasserratten: Badehose nicht vergessen am Fantoche.

4. So finden Sie sich zurecht:

Das A und O am Fantoche ist das Programmheft. Dieses ist im Festivalzentrum vor der Stanzerei erhältlich oder liegt in verschiedenen Geschäften und Beizen in der Stadt auf. Wer aber keine Lust hat, das Heft mitzutragen, dem sei geraten, sich das gratis Fantoche-App herunterzuladen. Dort kann man sich nicht nur das Tagesprogramm ansehen, sondern die Filme auch nach Genre geordnet suchen. Natürlich findet sich auch eine Orientierungskarte auf der App.

Besonders gut fährt, wer ein Programmheft und die App besitzt: Die App-Funktion «Magic Eye» erlaubt es dem Benutzer, im Programmheft Trailer der einzelnen Filme anzusehen. Man hält die Handykamera über das Bild im Programmheft und schon erscheint ein «Play»-Zeichen für den Trailer. Allerdings besitzen nur die Programmpunkte einen Trailer, welche mit einem Auge gekennzeichnet sind.

Familien mit Kindern können sich an den farbigen Punkten im Programmheft orientieren. Ist ein Film mit einem grünen Punkt gekennzeichnet, können auch die jüngsten Familienmitglieder mitkommen. Der rote Punkt weist darauf hin, dass das Programm für Jugendliche geeignet ist, während der blaue Punkt signalisiert, dass der Film nicht jugendfrei ist.

5. Hier bekommen Sie ein Ticket:

Einerseits kann man die Tickets im Festivalzentrum vor der Stanzerei kaufen. «Es gibt aber oft eine lange Schlange an den ersten zwei Tagen», warnt Festivalleiterin Annette Schindler. Es lohnt sich also, Tickets online oder über die App zu kaufen. Einzeltickets und der Multipass können auch an den Kinokassen (Trafo, Sterk und Orient) gekauft werden.

Ticketpreise: 17 Franken für ein Einzelticket; 58 Franken für einen Multipass (vier Filme) und 170 Franken für einen Festivalpass. Alle Preise für Kinder und Jugendliche in Ausbildung sind reduziert.

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