Filmfestival

Fantoche in der eigenen Stube: Direktorin Annette Schindler über Corona und das neue Onlineangebot

Seit neun Jahren ist Annette Schindler die Festivaldirektorin.

Seit neun Jahren ist Annette Schindler die Festivaldirektorin.

Dieses Jahr feiert das internationale Festival für Animationsfilm «Fantoche» Geburtstag: Vor 25 Jahren fand das Badener Festival mit weltweiter Ausstrahlung zum ersten Mal statt. Annette Schindler, Direktorin des Badener Filmfestivals, spricht über Corona, das neue Onlineangebot und ihre «Fantoche»-Höhepunkte.

Zu Beginn trafen sich Fans des Animationsfilms, Filmemacherinnen und Kritiker alle zwei Jahre, ab 2009 stellte das Festival auf den Einjahresrhythmus um. Ob die Jubiläumsausgabe mit 338 Kurzfilmen und 23 Langfilmen an fünf Tagen würde stattfinden können, war lange Zeit unklar: Wegen Corona mussten viele Veranstaltungen abgesagt werden. Das Fantoche ist eines der ersten Filmfestivals in Europa, das ab Dienstag bis Sonntag im fast gewohnten Umfang stattfinden kann.

Frau Schindler, Corona hat die Welt fest im Griff – auch das Fantoche?

Annette Schindler: Wenn es um die Anzahl Filme geht, dann nicht. Wir zeigen etwa gleich viele Filme wie in den Jahren zuvor. Was wir aber spüren: Wegen Corona wurden viele Langfilmproduktionen unterbrochen und Veröffentlichungsdaten nach hinten verschoben. Normalerweise haben wir rund 20 aktuelle Langfilme im Programm, dieses Jahr sind es elf. Mit der Auswahl «After Lockdown Pleasures» zeigen wir aber sieben zusätzliche Langfilme. Wegen Corona reisen zudem weniger Filmemacherinnen und Filmemacher nach Baden.

Sind Sie erleichtert, dass Sie das Festival nicht absagen mussten?

Ich habe zwei Seelen in meiner Brust. Zum einen ist es unglaublich schön, dass das Festival überhaupt stattfindet. Die überschaubare Grösse in Baden ist definitiv ein Vorteil. Zum anderen ist da auch Bedauern, da ein solches Festival während Corona viele Einschränkungen mit sich bringt.

Zum Beispiel?

Wir müssen auf zahlreiche gesellschaftliche Aktivitäten verzichten, haben weniger Workshops, der Kinderworkshop entfällt ganz. So auch die Masterclass, bei der grosse Filmemacherinnen und Filmemacher vertiefte Einblicke in ihre Arbeit geben, alle grossen Apéros und die Abendveranstaltungen im «Royal». Trotz allem können wir das Festival im fast normalen Rahmen durchführen, sodass wir den Leistungsauftrag der öffentlichen Hand erfüllen können. Es schwingt aber auch eine gewisse Nervosität mit, ob alle Schutzmassnahmen uns sicher durch das Festival bringen.

Welche Coronaregeln gelten für die Besucher?

Wir passen uns laufend an die öffentlichen Vorgaben an. Wir stellen Desinfektionsmittel auf, erheben die Besucherdaten und empfehlen dringend, eine Maske zu tragen. In den Kinosälen gilt ausserdem ein Sitz Abstand zwischen den Besuchergruppen.

2019 verkaufte das Fantoche rund 25'500 Eintritte. Erwarten Sie nun wegen Corona Einbussen?

Ja, wir rechnen mit deutlich weniger Eintritten. Zum einen haben wir weniger Vorstellungen und können pro Vorstellung weniger Tickets verkaufen. Zum anderen können wir weniger Besucher in die Ausstellungen lassen.

Aufgrund der Pandemie sind neu online zehn ausgewählte Blöcke aus dem Programm für fünf Franken pro Block verfügbar. Könnte dies die möglichen Einbussen wettmachen?

Ich habe neun Jahre Erfahrung als Festivaldirektorin – aber null Jahre Erfahrung unter diesen Pandemiebedingungen. Eine Vorhersage ist deshalb schwierig.

Ob im Kinosaal oder online zu Hause: Was dürfen die Fantoche-Besucher auf keinen Fall verpassen?

Ich freue mich besonders auf unser Jubiläumsprogramm. Am Serienmarathon am Sonntag von 10 bis etwa 21 Uhr kann man hemmungslos Serien komaglotzen. Beispielsweise «Culottées»: Jede Episode stellt wichtige Frauenfiguren aus der Geschichte dar. Mit dem Fünfliber-Kino öffnen wir die Türen für alle, insbesondere für Familien. Und dann geniesst Trickfilmpionierin Lotte Reiniger eine grosse Präsenz. Wir zeigen unter anderem den ältesten, noch erhaltenen Animationsfilm – live vertont. Das ist ein einmaliges Erlebnis.

Sind unter den über 350 Filmen auch solche von Aargauer oder gar Badener Künstlern?

Nein, leider nicht. Um im Animationsfilm Fuss fassen zu können, ist das richtige Umfeld nötig. Die Studios dafür sind vor allem in Genf und Zürich ansässig. Es wäre natürlich schön, wenn der Aargau einen besseren Boden schaffen könnte, damit sich auch hier Studios ansiedeln könnten.

Dafür sitzen Wettinger in der Jury.

Genau, eine Schülerin und ein Schüler der Kanti Wettingen sitzen in der Youth Jury, die aus Jugendlichen aus den drei grossen Sprachregionen der Schweiz besteht und den Swiss Youth Award für ihren Favoritenfilm vergibt.

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