Baden
Fantoche-Leiterin: «Wir wollen gar nicht grösser werden»

Fantoche-Leiterin Annette Schindler zieht Bilanz. Die Kinderjury hat sie tief beeindruckt. Sorten bereitet ihr dagegen, dass die Kulturbeiträge vom Kanton in Zukunft tiefer ausfallen werden: «Das trifft uns sehr hart.»

Daniel Vizentini
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Vor drei Jahren übernahm Annette Schindler, hier 2012 beim Fantoche-Shop-Container auf dem Merker-Areal, die Leitung des Festivals.Annika Bütschi/az-Archiv

Vor drei Jahren übernahm Annette Schindler, hier 2012 beim Fantoche-Shop-Container auf dem Merker-Areal, die Leitung des Festivals.Annika Bütschi/az-Archiv

Annika Buetschi / AZ

Frau Schindler, mit Veranstaltungen in der Langmatt, der Galerie DoK oder dem Kino Orient war das Fantoche 2015 ein sehr weitläufiges Festival. Wie oft sind Sie zwischen all den Orten gelaufen letzte Woche?

Annette Schindler: Zum Glück kein einziges Mal. Wir hatten fürs Festival Elektrovelos zur Verfügung. Ich bin jeden Tag etwa vier Mal zwischen den Orten hin und her gefahren und kenne jetzt alle Schleichwege in Baden.

Auch dank dem Velokino auf dem Bahnhofplatz war das Festival nun präsenter in der Stadt. Führen derart viele Standorte aber nicht zu einer Verzettelung des Festivals?

Es ist schwierig, die Aufmerksamkeit des Publikums an so viele Orte zu lenken. Ich denke aber, dass uns dies gelungen ist. Die Laufdistanzen sind zumutbar. Das Velokino hat zudem ein neues Publikum ans Fantoche gebracht: die angefressenen Velofahrer.

Könnte man das Fantoche nicht ganz auf das Festivalzentrum im Merker-Areal konzentrieren, dort etwa ein Freiluftkino aufbauen?

Das Merker-Areal ist leider ausgemietet bis auf den letzten Quadratmeter. Freiluftkinos haben wir uns bereits überlegt, aber die Qualität der Vorstellung leidet dann. Mit dem Velokino hatten wir dieses Mal aber ein Open-Air-Kino.

Ist das Trafo, wo die allermeisten Filme gezeigt wurden, nicht eigentlich das wahre Festivalzentrum?

Wir haben schon mal diskutiert, das Festivalzentrum dort aufzubauen. Wir sind dem Merker-Areal aber sehr verbunden. Im Trafo zeigen wir einfach unsere Filme. Und mit den Kinosälen sind wir sehr zufrieden.

Die Festival-Besucher bemängelten aber das Angebot im Trafo: Etwa dass der Popcorn-Kiosk meistens geschlossen war, da er nur jeweils für die normalen Kinovorstellungen öffnete und nicht fürs Fantoche.

Mit dem haben wir nichts zu tun aber wir werden für nächstes Mal beim Trafo fragen, ob längere Öffnungszeiten für sie interessant wären.

Revenge of the Cavemen, das Computerspiel von Michael Müller und David Krummenacher
13 Bilder
Trickfilm-hungrige Zuschauer warten vor dem Trafo-Kino
Man hat das Gefühl, es regnet einem auf den Kopf
In der Stanzerei sind Computerspiele und Installationen ausgestellt
Fantoche ist überall
Eine Szene des Spiels Revenge of the Cavemen
Ein Schiffscontainer als Festivalshop
Die Installation Jolieville
Die Fantoche-Beiz beim Merker-Areal
Die Computerspiele kann man gleich selber ausprobieren
Das Merker-Areal dient als Festivalzentrum
Die 360-Grad-Kuppel 'Februar'
Bis am Sonntag läuft das Fantoche noch

Revenge of the Cavemen, das Computerspiel von Michael Müller und David Krummenacher

Daniel Vinzentini

Der Kanton hat ausgerechnet kurz vor dem Fantoche eine Kürzung der Kulturbeiträge um 15 Prozent angekündigt. Wie hart trifft Sie das?

Das trifft uns sehr hart. Der Bund muss auch sparen, kürzt die Beiträge aber nur um etwa drei Prozent. Das können wir einigermassen ausgleichen. Vom Kanton werden uns aber an die 50 000 Franken fehlen. Das wird man beim nächsten Festival merken.

Dabei gehört das Fantoche international zu den wichtigsten Festivals der Animationsfilm-Branche . . .

Die Festivals in Annecy und Stuttgart sind grösser als wir und gelten als die beiden Wichtigsten. Das Fantoche ist etwas kleiner, unter den Filmemachern aber anerkannt und sehr beliebt. Sie schätzen die familiäre Atmosphäre.

Liegt das auch an Baden an sich?

Ich finde schon. Baden ist eine kleine Stadt mit Charme, sie ist ambitioniert, ohne grossmäulig zu sein.

Dieses Jahr wurden etwa 3000 Eintritte mehr verkauft. Wie gross soll das Festival noch werden?

Wir wollen gar nicht grösser werden. Klar muss es mit dem Geld aufgehen. Wichtig für uns und für die Stadt sind aber die Qualität der Filme und die positive Wahrnehmung des Fantoche.

Fantoche 2015
4 Bilder
Diese von Hand gebaute Kulisse dient als Hintergrund für das Computerspiel.
Im Fantoche-Shop gibt es neben Trickfilmen auch Bücher und Souvenirs.
Das Videospiel «Violet – pale noise» wurde in Stop-Motion aufgezeichnet.

Fantoche 2015

Daniel Vizentini

Die Hälfte der Besucher kommt aus dem Aargau. Will man national nicht anziehender sein?

Die diesjährigen Daten sind noch nicht ausgewertet. Wir haben in den letzten Jahren unsere Kommunikation in vielen Schweizer Städten stark ausgeweitet und sind mit Programmheft, Flyer und Festivaltrailer gut präsent. Ich bin gespannt, wie es sich ausgewirkt hat.

War das Fantoche 2015 für Sie ein speziell schönes Festival?

Sehr. Die 20 Langfilme, die wir zeigen durften, waren ein Genuss. Ich hatte grosse Freude an der Ausstellung der über 100-jährigen Animationsgeräte. Und wie die Kinderjury den besten Kinderfilm erkoren haben mit dem Argument, die anderen Filme seien «zu konventionell», hat mich tief beeindruckt.

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