Fantoche
Fantoche-Mitbegründerin: «Ich wollte Filme sehen, die man sonst nirgends findet»

Suzanne Buchan (51) aus London. Das Gründungsmitglied des Fantoche ist Professorin für Animationsästhetik und Leiterin des Animation Research Centre in London.

Corinne Rufli
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«Was James Joyce mit Sprache machte, kann man auch mit Filmen machen. Im Animationsfilm gibt es keine physikalischen Gesetze. Ein Klumpen kann Witz hervorrufen, indem er komische Formen annimmt. Animationsfilme sind bewegte Kunst. Im Museum schaut man ein Bild an, im Film buchstäblich 24 Bilder pro Sekunde.

Wichtig ist, was im Kopf läuft. Man sieht etwas, das man nicht aussprechen kann. Etwas, das nur in der Vorstellung möglich ist. Ich mag Filme, die eine Aussage über das menschliche Dasein machen. Und eine positive Erlösung vom Alltag ermöglichen. Das gibt einen Zugang zu anderen Wahrnehmungsebenen. Ich habe über 10 000 Filme im Kopf. Lange Zeit habe ich etwa 10 Animationsfilme pro Tag geschaut.

Keine Flucht - vielmehr Alltag

Für mich ist das aber keine Flucht, sondern eine Bereicherung für den Alltag. Das macht die reale Welt interessanter. Als Kind schon schaute ich samstags immer ein Cartoonprogramm von Hollywood im Fernsehen. Ich liebte die Cartoons. Später merkte ich, wie sarkastisch, politisch und anarchistisch sie waren.

Ich bin eine der Mitbegründerinnen des Fantoche. Und das aus egoistischen Gründen: Ich wollte Filme sehen, die man sonst nirgends sieht. Wir haben uns damals schnell für Baden als Austragungsort entschieden, in Zürich wäre das Festival untergegangen. Es freut mich sehr zu sehen, was aus Fantoche heute geworden ist. Fantoche war mein Baby, ich habe es 2004 anderen weitergegeben. Jetzt ist es gewachsen und hat sich positiv verändert. Man spürt die Professionalisierung. Dadurch hat es aber auch ein wenig an Wärme eingebüsst. Man sieht, gerade an der Eröffnungsfeier, viele Leute in Anzügen. Aber das gehört dazu. Die Anerkennung der Wirtschaft ist wichtig. Aber die Stadt Baden gibt diese Wärme wieder zurück.

Das Fantoche ist für mich qualitativ das beste Festival für Animationsfilm der Welt. Es ist mit dem ganzen Rahmenprogramm mehr als nur ein Filmfestival. Ich komme jedes Jahr hierher. Ich sehe so viele alte Freunde wieder und treffe neue Menschen aus der ganzen Welt. Künstler, Grafiker und Filmemacher. Schön, dass auch die ältere Generation vertreten ist. Ich lasse mich hier inspirieren.»