An der Fasnacht wird da und dort betatscht und begrapscht. Meist sind alkoholisierte Männer die Sündenböcke. Bereits vor Jahren, als der Maskenball des FC Badens noch im Casino stattgefunden hatte, waren es einzelne Männer anderer Kulturen, die als neugierige Gäste sich an leicht und närrisch gekleidete Frauen heranmachten. Die Organisatoren hatten dies schnell unter Kontrolle.

Die Fasnachtsveranstalter in Baden wollen keine Ängste schüren, sind jedoch gerüstet: «Durch die Vorfälle in Köln sind wir selbstverständlich sensibilisiert. Innerhalb der Vereinigten Fasnachts-Gruppen Baden (VFGB) wurde das Thema besprochen, und entsprechend werden wir vermehrt aufmerksam sein», erklärt Marco Ruesch, VFGB-Präsident vom OK Badener Fasnacht.

Sein OK-Kollege Beni Schmid, Brödlimeister der Spanischbrödlizunft, sagt ergänzend: «Obwohl in vergangenen Jahren ab und zu einzelne Störfälle an der Fasnacht zu verzeichnen waren, spielt gemäss Aussage der Stadtpolizei die soziale Kontrolle an der Fasnacht so gut, dass eher weniger negative Ereignisse zu verzeichnen sind als an normalen Wochenenden.» Zudem würden an der Fasnacht dieselben Sicherheits- und Vorsichtsregeln wie im Alltag gelten. Eine erhöhte Aufmerksamkeit an solchen Grossanlässen sei sicher angebracht, sagt Schmid.

Das sagen die Asylsuchenden zum Benimmkurs

Luzern bereitet seine Asylsuchenden mit Benimmkursen auf die Fasnacht vor – so reagieren die Teilnehmer darauf.



Was sagen Fasnächtlerinnen?

Isabelle Stilli, von der Schnüffler-Clique hat Verständnis für gewisse Ängste, «man soll sie aber nicht schüren», sagt sie. «Ich bin eher vorsichtig und spätnachts nie allein unterwegs. Und an der Fasnacht bin ich in der Gruppe unterwegs, da ist auf alle Verlass.»
Manuela Knopf, Präsidentin der Rohrdorfer Chessler, einer Frauen-Gugge: «Die Fasnacht ist Schweizer Kulturgut», sagt sie und sieht wenig Grund für solche Ängste.

Sie mache sich das Jahr hindurch mehr Gedanken, wenn sie spät unterwegs sei, als an der Fasnacht. Christina Hertig ist erfahrene Fasnächtlerin und seit manchen Jahren an der Fasnacht dabei. Sie findet, dass solches Gebaren nicht speziell an die Fasnachtstage gebunden sei. «Ich weiss mich gut zu wehren, wenn ich bedrängt werde», erklärt Hertig. Angst sei in diesem Fall ein schlechter Berater.

Polizei ist vermehrt präsent

«Die Geschehnisse in verschiedenen europäischen Städten haben auch die Stadtpolizei betroffen gemacht», sagt deren Kommandant Martin Brönnimann. «Die uniformierte polizeiliche Präsenz wird massvoll erhöht», das sei eine Konsequenz. Doch aufgrund der bisherigen Erfahrungen und der aktuellen Einschätzung der Badener Strassenfasnacht würden sich – nebst grundsätzlich höherer Polizeipräsenz – keine weiteren Massnahmen aufdrängen.
«Die Stadtpolizei arbeitet im Vorfeld und in der Phase der Erteilung der Bewilligungen eng mit den Fasnachtsveranstaltern zusammen», sagt Brönnimann.

Die verantwortlichen Personen seinen bekannt, die Wege in dringenden Fällen sehr kurz. Als Vorsichtsmassnahme rät er zu einer gewissen Zurückhaltung beim Konsum von Genussmitteln. Er mahnt, Getränke nicht unbeaufsichtigt stehen zu lassen.

Was sollen Frauen tun?

«Wir verzeichnen nach den Vorkommnissen in Köln nicht gerade einen Boom, doch verkauften wir im Januar einige Pfeffersprays an Frauen», sagt Christian Lampert von der gleichnamigen Badener Drogerie. Voraussetzung sei, dass sie erwachsen und vertrauenswürdig seien. «Ein Pfefferspray kann ein gutes Abwehrmittel darstellen,» sagt Brönnimann.

Wichtig sei aber, dass deren Einsatz gut instruiert und einmal geübt worden sei. Und wenn eine Frau belästigt wird? «Den Grapscher unmissverständlich zurück- und zurechtweisen und Personen in der Nähe um Hilfe angehen», sagt Brönnimann. Der Beizug der Polizei könne erwogen werden. «Opfern von sexuellen Straftaten wird empfohlen, unverzüglich die Polizei beizuziehen. Damit eine polizeiliche Intervention erfolgreich ist, braucht sie eine möglichst genaue Beschreibung des Täters und der Umstände», fügt der Polizeichef an.