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FC Baden auf dem Weg zur Auferstehung: «Bei der Trainerwahl machten wir einen echten Glücksgriff»

Im April kämpfte der Verein noch um seine Existenz und den Ligaerhalt. Jetzt steht er an der Spitze der 1. Liga – und schreibt schwarze Zahlen. Die wundersame Wende des FC Baden.

Heinz Gassmann sagte im April, als er das Präsidentenamt beim FC Baden übernahm: «Es ist fünf vor zwölf. Es geht um die Existenz des Vereins.» Schulden in Höhe von über 300'000 Franken hatten sich angehäuft. Eine enorme Summe für einen 1.-Ligisten. Jahr für Jahr hatte der Klub rote Zahlen geschrieben. Und auch sportlich war Baden auf einem Tiefpunkt angelangt: Nur wenige Punkte trennten die Mannschaft einige Runden vor Saisonende von einem Abstiegsplatz. Anspruch und Wirklichkeit hätten beim Traditionsklub, der bis Mitte der 1990er-Jahre viele Saisons in der NLB (und 1985 eine Saison in der NLA) spielte, nicht weiter auseinaderklaffen können.

Seither geht es nur noch aufwärts. Unter Interimscoach Fredy Strasser, dessen Engagement von Beginn an bis Ende Saison festgesetzt war, schaffte Baden den Ligaerhalt letztendlich souverän. Im Sommer übernahm Ranko Jakovljevic das Traineramt. Seine Bilanz: Acht Spiele, sieben Siege, ein Unentschieden, Tabellenplatz 1.

Präsident Gassmann: «Bei der Trainerwahl machten wir einen echten Glücksgriff. Er findet den Draht zu den jungen Spielern, treibt sie wenn nötig an. Seine Trainings sind abwechslungsreich. Und er hat Erfolg. Ein Grossteil der Mannschaft war schon in den letzten Jahren dabei, das beweist, dass Ranko Jakovljevic sehr viel aus dem Team herausholt.» Die Saison ist noch lang, und eigentlich sieht der Dreijahresplan des Präsidenten einen Aufstieg in die Promotion League am Ende dieser Zeitspanne vor. «Doch man muss die Früchte ernten, wenn sie reif sind. Falls es so weitergeht, wir die Aufstiegsspiele schaffen und sogar aufsteigen sollten, hätten wir nichts dagegen», sagt Heinz Gassmann.

Ende Jahr fast schuldenfrei

Noch erstaunlicher als die Zahlen in der Tabelle sind die Zahlen zum finanziellen Zustand des FC Baden. Drohte noch vor einem halben Jahr der Kollaps, «können wir bereits jetzt mit Sicherheit verkünden, dass wir das Jahr mit schwarzen Zahlen abschliessen. Es sieht sehr gut aus, dass wir zu Beginn des neuen Jahres einen Grossteil der Schulden abgebaut haben werden», sagt Gassmann. Diese Entwicklung sei nur möglich gewesen dank grosszügiger Sponsoren, die dem Verein seit Jahren die Treue halten, sowie dank des von ihm und Gianmarco Coluccia neu gegründeten Vereins «Freunde des FC Baden». «Viele Unternehmer-Persönlichkeiten aus dem Umfeld der Stadt Baden sind dem Verein beigetreten und unterstützen uns grosszügig», freut sich der Präsident.

Jede Medaille hat ihre Kehrseite – auch der Erfolg bringt Herausforderungen mit sich. Die Leistungen des einen oder anderen Spielers dürften auch Vereinen aus höheren Ligen nicht entgangen sein. Dennoch glaubt Gassmann nicht, dass die Mannschaft im Winter oder im kommenden Sommer auseinanderfallen wird. «Im Team herrscht ein toller Spirit. Und wir sind eine gute Adresse.» Doch liege für einen Spieler ein wirklich gutes Angebot vor, beispielsweise aus der Promotion oder gar der Challenge League, werde der Verein keine Steine in den Weg legen, sagt Gassmann gelassen. Solche Verhandlungen wären für den Präsidenten im Vergleich zu den Herausforderungen der letzten Monate wahrhaftig ein Luxusproblem.

Dankbarkeit bei Spielern

Die finanziellen Probleme des Vereins waren im Frühling auch bei den Spielern ein Thema. Der 22-jährige Stürmer Christopher Teichmann, der zu den Teamstützen zählt, sagt: «Natürlich wussten wir, dass der Verein nahe am Konkurs stand. Das Thema ging nicht spurlos an uns vorbei. Nicht zu wissen, wie die Zukunft des Vereins und von uns Spielern aussieht, hat uns schon beschäftigt und vielleicht auch auf dem Feld ein wenig gehemmt», so Teichmann. «Die ganze Mannschaft ist nun dankbar, dass es finanziell so viel besser aussieht, insbesondere die Spieler, die mit dem Verein seit längerer Zeit verbunden sind», erzählt Teichmann, der in Nussbaumen aufwuchs, schon als Kind für Baden spielte und nun in Birmenstorf wohnt. «Unglaublich, was der Präsident in so kurzer Zeit erreicht hat.» Der frühere Junioren-Nationalspieler, der auch als Profi beim FC Aarau unter Vertrag stand, ist derzeit in glänzender Form: Er schoss diese Saison bereits acht Tore. «Im ganzen Verein herrscht Aufbruchstimmung. Dazu passt, dass wir als Mannschaft sehr gut funktionieren, viel besser als vergangenes Jahr.»

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