Thomas Jent wurde davor gewarnt, das Traineramt beim FC Baden zu übernehmen. «Es hiess, das sei keine einfache Mannschaft.»

Nicht etwa, weil Spieler durch Selbstgefälligkeit oder Überheblichkeit aufgefallen wären, «ganz im Gegenteil: Die Mannschaft stellt extrem hohe Ansprüche an sich selber, wie ich es noch nirgendwo erlebt habe. Wegen des riesigen Ehrgeizes fehlte es der Mannschaft aber oft an Lockerheit», sagt Jent.

Dies hat sich unter dem 44-Jährigen offenbar geändert. In der 1.-Liga-Tabelle liegt Baden auf dem 2. Platz, die letzte Niederlage datiert von Mitte August, zuletzt blieb das Team fünfmal in Folge ohne Gegentreffer. Gleichzeitig schiesst keine Mannschaft in der Liga so viele Tore wie Baden. «Wir sind alle überzeugt, dass wir unser Saisonziel, den Aufstieg in die Promotion League, erreichen werden.» Die Stimmung sei derzeit enorm gut. «Früher gingen nach dem Training alle sofort unter die Dusche und ab nach Hause. Heute sitzt die Mannschaft nach dem Training oft zusammen. Es hat sich eine positive Eigendynamik entwickelt, die auch auf dem Feld in Form von Solidarität spürbar ist.»

Jent war viele Jahre als Nachwuchstrainer tätig, vor fünf Jahren auch in Baden. Diesen Winter wurde er zurück ins Esp geholt, als eine Art Sportchef. Sein Auftrag: Er sollte ein Team zusammenstellen, das den Aufstieg schaffen kann. Nach einer Niederlagenserie wurde er im März zum Nachfolger von Gabor Gerstenmaier ernannt. Seither gewinnt Baden pro Spiel im Schnitt 2,2 Punkte.

Was hat Jent denn verändert? «Nicht allzu viel», sagt er bescheiden. «Rein fussballerisch ist diese Mannschaft so stark, dass es oft nicht viel zu korrigieren gibt. Wenn ich einem ehemaligen Super-League-Spieler wie Luca Ladner sagen würde, er solle zwei Meter weiter rechts hinstehen, dann würde er mich doch nur krumm anschauen und denken: ‹Danke Trainer, aber das weiss ich selber.›» Er habe in erster Linie versucht, die Eigenverantwortung der Spieler zu fördern, sagt Jent. «Ich verlange von meinen Spielern, dass sie bewusste, mutige Entscheide treffen. Ich gebe ihnen viele Freiheiten, lasse sie an der langen Leine.» Bisher hätten die Spieler gut verstanden, wann der richtige Zeitpunkt für ein Kunststück da sei, und wann sie besser auf Nummer sicher gehen sollten. «Ich glaube, die Spieler verfügen derzeit über die richtige Mischung aus Lockerheit und Ehrgeiz.»

Lob vom Captain

Ein Erfolgsrezept Jents liegt vielleicht auch darin, dass er den Mut hatte, das System den Spielertypen anzupassen –  und dass er nicht, wie es derzeit viele sogenannte Konzepttrainer tun, ein starres taktisches System durchzieht. Während momentan fast alle Teams mit nur einer Sturmspitze auflaufen und auf das trendige 4-2-3-1-System setzen, spielt der FC Baden meistens mit einer Doppelspitze in einer klassischen 4-4-2-Formation. «Goran Antic und Patrik Gjidoda sind beide enorm torgefährliche Stürmer. Es wäre eine Sünde, einen von ihnen auf die Bank zu setzen», sagt Jent. Die Qualität seiner Mannschaft sei in allen Mannschaftsteilen sehr gross. «Ich denke, wir könnten schon heute in der Promotion League mithalten.»

Was sagt Captain Luca Ladner über Jent? Er sei ein eher ruhiger Trainer, der genau beobachte und dann präzise Tipps gebe. «Er stellt uns perfekt auf jeden Gegner ein, ist immer topvorbereitet auf jedes Spiel. Gleichzeitig gibt er uns viel Freiraum auf dem Feld, wir sind sehr selbstständig unter ihm. Das haben wir bisher mit guten Leistungen zurückbezahlt. Es macht momentan sehr, sehr viel Spass.»

Glücklich mit der Trainerwahl ist auch Präsident Thomi Bräm: «Thomas Jent passt perfekt zum FC Baden. Er integriert viele junge Spieler in die 1. Mannschaft, das ist uns sehr wichtig, weil wir ein Ausbildungsverein sein wollen. Dass er auch fachlich top ist, ein absoluter Fussballkenner, steht ausser Frage.»

Einen weiteren Schritt Richtung Aufstiegs-Playoffs will Baden in den letzten zwei Spielen vor der Winterpause machen, die beide im Heimstadion Esp stattfinden. Morgen Samstag ist um 16 Uhr der FC
Gossau zu Gast, eine Woche später der FC Wettswil-Bonstetten.

Tabelle 1. Liga Gruppe 3:
1. GC II (12/27).
2. Baden (11/26)
.
3. Winterthur II (12/24).
4. United Zürich (12/19).
5. Mendrisio (11/17).
6. Gossau (12/16).
7. Seuzach (12/15).
8. Wettswil-Bonstetten (12/15).
9. Locarno (12/14).
10. Kosova (12/13).
11. Eschen/Mauren (12/12).
12. Dietikon (12/11).
13. Thalwil (12/8).
14. Balzers (12/8).