1.-Liga-Fussball
FCB-Trainer Thomas Jent: «Ich habe viele schlaflose Nächte»

Der FC Baden liegt nach der Vorrunde nur auf Platz 9. Trainer Thomas Jent spricht über die Gründe.

Pirmin Kramer
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«Wir sind in eine Negativspirale geraten. Die Winterpause kommt zum richtigen Zeitpunkt», sagt Thomas Jent.

«Wir sind in eine Negativspirale geraten. Die Winterpause kommt zum richtigen Zeitpunkt», sagt Thomas Jent.

Alexander Wagner

Herr Jent, nur Platz 9 nach der Vorrunde und 23 Punkte Rückstand auf den Tabellenführer – steckt der FC Baden in eine Krise?

Thomas Jent: Ich würde nicht sagen, dass wir in einer Krise stecken, aber wir befinden uns in einem Tief. Wir wussten, dass es mit einer so jungen Mannschaft eine schwierige Saison werden könnte. Wir haben zu Beginn einige Spiele knapp verloren und uns dann zu stark unter Druck gesetzt. Wir sind in eine Negativspirale geraten. Die Winterpause kommt nun zum richtigen Zeitpunkt.

Der Verein muss sparen, das Budget für die 1. Mannschaft wurde um 40 Prozent gekürzt. Müssen sich die Fans und das Umfeld daran gewöhnen, dass Baden nur noch ein durchschnittliches 1.-Liga-Team ist?

Nein, das glaube ich nicht. Wir haben uns nach der Budgetkürzung zum Ziel gesetzt, eine neue, junge Mannschaft aufzubauen und trotzdem besser abzuschliessen als letzte Saison, also mindestens Rang 3. Schon jetzt sind wir wohl die talentierteste und von der Qualität her beste Mannschaft der ganzen Liga. Aber leider haben wir es nicht geschafft, dies in positive Resultate umzumünzen.

Wenn das Team so viel Qualität hat, aber öfter verliert als gewinnt – sind Sie dann noch der richtige Trainer?

Glauben Sie mir, ich hinterfrage mich nach jeder Niederlage. Diesen Herbst habe ich viele schlaflose Nächte. Aber ich habe nach wie vor das Gefühl, dass ich die Mannschaft noch erreiche. Die Spieler sagen mir auch, es liege sicher nicht an mir, dass es nicht nach Wunsch läuft.

Wie ist die Stimmung in der Mannschaft und im Verein?

Die Stimmung im Team ist gut, fast zu harmonisch für meinen Geschmack. Mehr Reibereien würden uns manchmal vielleicht helfen. Aber der Druck ist natürlich auch in der Mannschaft spürbar. Wir sind nun mal der FC Baden, dieser Verein tickt ein wenig anders.

Meinen Sie damit, dass die Erwartungshaltung in Baden traditionell hoch ist?

Ja, es gibt im Umfeld des Vereins und teilweise auch im Vorstand einige Leute, die noch immer glauben, wir stünden mit einem Fuss in der Challenge League, der zweithöchsten Liga. Die Realität ist, dass wir in der vierthöchsten Liga spielen. Für den Weg nach oben muss einfach alles passen. Ein intaktes Umfeld, genügend Geld – und selbstverständlich auch die sportlichen Leistungen.

Woran fehlt es denn aus sportlicher Sicht?

Wir sind gut in die Saison gestartet, haben dann aber einige Spiele wegen fehlender Erfahrung und einer gewissen Naivität verloren. Manchmal bringt uns ein Gegentor völlig aus dem Tritt. Negativ ausgewirkt haben sich auch die Verletzungen von zwei Führungsspielern. Michael Schär war lange verletzt, und Raffaele Cardiello muss seine Karriere wegen eines Knorpelschadens leider sogar beenden.

Tatsache ist, dass die 1. Liga Gruppe 2, in der Baden spielt, dieses Jahr besonders stark ist. Einige Teams wie Solothurn, Münsingen oder Delsberg haben im Schweizer Cup für Furore gesorgt.

Wir können mit diesen Teams spielerisch mithalten. Gegen Solothurn, den ungeschlagenen Tabellenführer, waren wir das bessere Team. Im Oktober haben wir dann aber gegen Gegner verloren, die wir schlagen müssten. Beispielsweise den Aufsteiger aus Langenthal.

Wie lauten die Ziele für die Rückrunde?

Wir haben uns bereits mit dem Mannschaftsrat zusammengesetzt. In der Rückrunde möchten wir uns so verbessern und festigen, dass wir nächste Saison die Aufstiegsplayoffs erreichen können. In zwei Jahren soll der Aufstieg das Ziel sein.

Rangliste 1. Liga Gruppe 2, alle 14 Spiele: 1. Solothurn 40 Punkte. 2. Buochs 29. 3. Münsingen 26. 4. Luzern II 26. 5. GC II 23. 6. Black Stars 23. 7. Schötz 22. 8. Delsberg 19. 9. Baden 17. 10. Zug 94 17. 11. Sursee 10. 12. Bassecourt 10. 13. Langenthal 8. 14. Kickers Luzern 6.