Baden
FDP enttäuscht: «Die CVP hat uns zu wenig unterstützt»

Nach dem Badener Wahlausgang wirft die FDP der CVP mangelnde Unterstützung vor. Nun will man die Zusammenarbeit schnell verbessern. Es habe eine CVP-Empfehlung gegeben, leer einzulegen, verrät Roger Hubers Wahlkampfleiter.

Pirmin Kramer und Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen

Sie sehe sich nicht in einem Zwist mit der FDP, teilte die CVP mit, als sie vor wenigen Wochen den Rückzug von Markus Schneider aus dem Rennen um das Stadtammannamt bekannt gab. Zuvor war es zu Misstönen gekommen, weil aus FDP-Kreisen der «Deal vom Roten Turm» öffentlich gemacht wurde.

Nach dem 2. Wahlgang sind nun erneut Misstöne zu hören.Nach dem Awahlausgang wirft die FDP der CVP mangelnde Unterstützung vor. Nun will man die Zusammenarbeit schnell verbessern.

Bei der Nachwahl-Veranstaltung sagte Lukas Breunig, Wahlkampfleiter des unterlegenen FDP-Kandidaten Roger Huber:

«Die Gründe für den Wahlausgang sind mannigfaltig. Man könnte zum Beispiel sagen, die CVP hat uns zu wenig unterstützt. Gerade, wenn man in den letzten Tagen gehört hat, dass CVP-Exponenten selbst aus dem Vorstand aktiv die Parole herausgegeben haben, man müsse entweder Geri Müller wählen oder zumindest leer einlegen, hat dies vielleicht etwas an sich. Das ist uns so zugetragen worden.»

Auf Nachfrage präzisiert Breunig, diese Empfehlung sei von Personen aus dem inneren Machtzirkel der CVP verbreitet worden.

Wahl-Arithmetik: Knapp 60% der Schneider-Stimmen gingen an Huber

Roger Huber machte mit der FDP und SVP im Rücken im 1. Wahlgang 1495 Stimmen - Wahlbeteiligung 45 %. Hochgerechnet auf den 2. Wahlgang mit 55% würde der FDP/SVP-Anteil 1827 Stimmen betragen. Zählt man diese 1827 von Hubers Stimmentotal 2788 ab, kommt man auf 995 Stimmen - die aus dem Schneider-Lager stammen dürften. Rechnet man Schneiders Stimmenzahl vom 1. Wahlgang (1409) hoch, hätte er 1722 Stimmen bei 55% erhalten. Diese 1722 minus 995 ergeben 727 Schneider-Stimmen, die nicht an Huber gingen. Oder: Huber dürfte rund 60 % der Schneider-Wähler gewonnen haben, während die andern 40 % oder 727 nicht, leer, ungültig oder Geri Müller wählten. Der Anteil an leeren oder ungültigen Stimmen im zweiten Wahlgang beträgt total knapp 10 %. Geri Müller, im 1. Wahlgang 37% aller Stimmen, holt im 2. Wahlgang einen 14 % höheren Anteil, davon dürfte er etwa 5 % der Wählerstimmen von Stella Palino, Heinz Blaser, Sander Mallien und Ruth Müri geerbt haben, ohne die er lediglich um etwa 9 Wählerprozente zugelegt hätte. Roger Huber legte um 17 % auf 49% zu, was nicht reichte, die knappe Niederlage zu verhindern. (rr)

Gotter: «CVP hat Huber unterstützt»

CVP-Baden-Präsident Matthias Gotter spricht von «unwahren und falschen Vorwürfen». Dass es solche Parolen oder Empfehlungen gegeben hat, stimme nicht.

«Die CVP hat bei dieser Wahl Roger Huber unterstützt.» Dies habe Huber selber in einem Zeitungsartikel im Januar mit dem Titel «die CVP macht deutlich, dass sie mich unterstützt» bekräftigt.

«Wir haben immer gesagt, dass wir uns eine bürgerliche Regierung wünschen, und so haben wir auch gewählt», sagt Gotter.

«Wenn die CVP nun behauptet, sie habe uns unterstützt, stimmt das so nicht», sagt Breunig. «Die CVP hat gemäss meinen Informationen nach dem 1. Wahlgang entschieden, dass kein aktueller Funktionsträger dem Unterstützungskomitee von Roger Huber angehört.»

Mit Alt-Stadtammann Sepp Bürge, Lorenz Höchli, Werner Twerenbold und Peter Sterk hätten jedoch vier namhafte CVP-Exponenten nach dem ersten Wahlgang ins Komitee von Roger Huber gewechselt, sagt CVP-Stadtrat Reto Schmid.

«Auch wir haben am Sonntag verloren», sagt er weiter. «Mit unserem Mitgliederbrief haben wir dazu aufgefordert, bürgerlich zu wählen.» Er habe wenig Verständnis, wenn die FDP die CVP für ihre Wahlniederlage verantwortlich machen möchte.

Dass vereinzelte CVP-Exponenten aufgrund des Verhaltens der FDP (Bekanntmachung des Wahl-deals) nun nicht mehr wählen gingen und die FDP am liebsten abgestraft hätten, sei nicht von der Hand zu weisen.

Aber sicherlich habe es keine gezielte Unterstützungsaktionen für Geri Müller gegeben. «Die Verlierer sollen nun über die Bücher, und dies in der stillen Kammer, bevor sie solche öffentliche Vorwürfe erheben», fügt Schmid an.

Uneinigkeit innerhalb der FDP

Auffällig: In der FDP herrscht Uneinigkeit in der CVP-Frage. «Ich gehe davon aus, dass wir auf den Support der CVP und der Schneider-Wähler zählen konnten», sagt FDP-Baden-Präsident Matthias Bernhard.

«Die Anzahl Stimmen, die Roger Huber neu hinzugewonnen habe, entspreche ziemlich genau der Anzahl, die Schneider im 1. Wahlgang erhalten habe. «Ich bin sehr interessiert daran, wieder gut mit der CVP zusammenarbeiten zu können.»

Für CVP-Grossrätin Marianne Binder ist es der falsche Augenblick, um einander Vorwürfe zu machen. «Die Zusammenarbeit zwischen CVP und FDP hat in Baden eine lange und gute Tradition.

Und diese Zusammenarbeit müssen wir vor dem Wahlherbst schnellstens wieder verbessern. Die Verlierer sollen sich an der eigenen Nase nehmen und sich die Frage erst einmal selbst stellen, warum es die beiden bürgerlichen Kandidaten nicht geschafft haben», sagt Marianne Binder.