Stadtammannwahlen
FDP-Mann Roger Huber kann Erfolgsgeschichte weiterführen

Roger Huber (FDP) ist gegenüber Geri Müller (team) bei der Wahl zum Badener Stadtammann in der Favoritenrolle. Doch auch der bisherige Vizeammann ist nicht völlig chancenlos. Ein Grund sind die nationalen Abstimmungen.

Martin Rupf
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Roger Huber (FDP).

Roger Huber (FDP).

Am 3. März entscheidet sich, wer die Nachfolge von FDP-Stadtammann Stephan Attiger antritt. Stadtrat Roger Huber (FDP, 39) und Vizeammann Geri Müller (team, 52) machen das Rennen untereinander aus. Dies, nachdem CVP-Stadtrat Markus Schneider vor knapp einem Monat seinen Verzicht auf den 2. Wahlgang bekannt gegeben hat. So schwer Schneider der Verzicht gefallen sein dürfte, er verfolgt ein klares Ziel: die Wahl eines bürgerlichen Stadtammanns beziehungsweise die Verhinderung Geri Müllers.

Auf dem Papier ist Roger Huber gegenüber Geri Müller in der Favoritenrolle. Zwar erhielt Huber im ersten Wahlgang 1495 Stimmen und damit 134 weniger als Müller. Doch weil davon auszugehen ist, dass deutlich mehr CVP-Stimmen zu Huber als zu Müller wandern, wird Huber den knappen Rückstand aus dem 1. Wahlgang wohl wettmachen. Geri Müllers einzige Chance könnte eine deutlich höhere Wahlbeteiligung sein. Denn am 13. Januar gingen nur gerade 44 Prozent der Wählerinnen und Wähler an die Urne. Wenn also ein Grossteil der noch restlichen 56 Prozent für
Müller einlegt, könnte es plötzlich doch noch spannend werden. Und das ist nicht ausgeschlossen: Die «Abzocker»-Initiative, über die ebenfalls am 3. März abgestimmt wird, mobilisiert tendenziell vor allem ein linkes Elektorat.

So viel zur arithmetischenAusgangslage. Doch was spricht inhaltlich für und gegen die Kandidaten? Sowohl Huber wie auch Müller bringen einen gut gefüllten Polit-Rucksack mit. Huber ist seit neun Jahren Stadtrat von Baden (zuvor vier Jahre im Einwohnerrat), Müller startete 2003 seine Karriere im Nationalrat für die Grünen und ist seit sieben Jahren Vizeammann von Baden. Beide haben zudem ein offenes, ja geselliges Auftreten. Doch damit enden die Parallelen: Roger Huber verdient seine Brötchen seit 2005 als selbstständiger Rechtsanwalt in einer Badener Kanzlei, Geri Müller bestreitet seinen Lebensunterhalt primär mit seinem Nationalratsmandat.

Huber wurde Karriere als Anwalt zurückstellen

Doch genau dieses Nationalratsmandat möchte Müller bei einer Wahl als Stadtammann nicht aufgeben. Müller hat immer wieder betont, dass es realistisch sei, das Amt des Stadtammanns (100 Prozent) und das Nationalratsmandat (rund 60 Prozent) unter einen Hut zu bringen – es gebe ja genügend andere Städte beziehungsweise Stadtammänner, die dies beweisen würden. Abgesehen davon, dass berechtigte Zweifel angebracht sind, ob ein solches Doppelmandat tatsächlich zu bewältigen ist, begeht Müller in dieser Frage einen taktischen Fehler: Indem er sich an sein Nationalratsmandat klammert, signalisiert er, dass das Amt des Stadtammanns im Nebenjob ausgeführt werden kann. Dass Müller zuletzt betont hat, er würde als Nationalrat zurücktreten, sollte die Doppelbelastung wider Erwarten zu gross werden, erscheint wenig glaubwürdig.

Roger Huberhingegen wäre bereit, für das Amt des Stadtammanns seine Karriere als Anwalt zurückzustellen. Dabei ist es gerade Hubers Berufspraxis, die ihn von seinem Kontrahenten abhebt. Für den obersten Chef der Verwaltung ist es von grossem Vorteil, über fundierte juristische Kenntnisse zu verfügen. Natürlich muss ein Stadtammann auch gut führen können, steht er doch immerhin über 300 Angestellten vor. In diesem Punkt ist hinter beide Kandidaten ein Fragezeichen zu setzen. Dem gewieften Anwalt Huber eilt der Ruf voraus, zuweilen arrogant und zu forsch aufzutreten. Über den Vollblut-Politiker Müller hört man immer wieder, er sei chaotisch veranlagt und verliere sich in Grundsatzdebatten. Nebst beruflicher Erfahrung und Führungsqualität muss ein Stadtammann drittens die Fähigkeit mitbringen, Brücken quer über die Parteigrenzen hinweg zu schlagen. Dies wäre dem liberalen Roger Huber viel eher zuzutrauen als dem doch sehr stark polarisierenden Geri Müller.

Die Stadtammannwahl ist – zusammen vor allem auch mit der Stadtratswahl – nicht zuletzt eine Richtungswahl. Am 3. März stellt sich heraus, ob das erfolgreiche Baden wie schon in den vergangenen 65 Jahren von einem bürgerlichen Stadtammann angeführt wird, oder ob mit Geri Müller ein bekennender Linker das Zepter übernimmt. Fakt ist: Unter den letzten bürgerlichen Ammännern Victor Rickenbach (FDP, 1973–1985), Josef Bürge (CVP, 1985–2006) und zuletzt Stephan Attiger (FDP, 2006–2013) ist die Stadt – auch mit einem bürgerlich dominierten Stadtrat – sehr gut gefahren. Der Wirtschaftsmotor brummt, ohne dass dabei wichtige Bereiche wie der Wohnbau, die familienergänzenden Betreuung, die Verkehrsplanung oder die Kultur vernachlässigt worden wären. Nach dem Motto «never change a winning team» ist die Fortführung der Badener Erfolgsgeschichte am ehesten gewährleistet mit einem bürgerlichen Ammann – also mit Roger Huber.

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