Nachruf
Felix Wittlin: Gelebtes sozialverträgliches Handeln

Felix M. Wittlin (1929-2017), ehemals BBC-Geschäftsleitungsmitglied, Rüstungschef und Brigadier, ist mit 88 Jahren in Lausanne gestorben.

Pius Achermann
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Felix Wittlin.

Felix Wittlin.

Michael Mülli

In Lausanne verstarb am 8. August in seinem 88. Altersjahr Felix M. Wittlin. Mit Baden und dem Aargau verbanden ihn seine von 1973 bis 1984 ausgeübte Tätigkeit als Personaldirektor und Mitglied der Geschäftsleitung der Konzerngruppe Schweiz bei der Brown Boveri & Cie. sowie seine militärische Führungstätigkeit. Er ist vielen ehemaligen Diensttuenden bekannt als Brigadier der Grenzbrigade 4, die er von 1979 bis 1984 kommandierte, zuvor als Oberst und Kommandant des Infanterieregimentes 24 von 1975 bis 1979 .

Der promovierte Jurist war vor seinem Übertritt in die Privatwirtschaft während über 20 Jahren Berufsoffizier und hatte unter anderem als Ausbildner bei manchen angehenden Offizieren einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Ähnlich gute Erinnerungen hinterliess Wittlin in der Wirtschaft auch bei den Mitarbeitern und Führungskräften sowie bei den Personalvertretungen und den Gewerkschaften. Wittlins Zeit bei BBC war vor allem geprägt vom Übergang eines über Jahrzehnte technisch höchst erfolgreichen Unternehmens in die beginnende Rezession der 70er-Jahre mit allen ihren negativen Folgen vor allem auch für Mitarbeiter und Kader. Umso mehr waren gleich von Anfang an seine herausragenden Führungseigenschaften gefragt, galt es doch gerade in dieser schwierigen Zeit eine echte, über alle Stufen der Hierarchie reichende Personalpolitik aufzubauen.

«Zuerst kommt der Mensch»

Dazu gehörten damals auch die für ein Unternehmen mit rund 18 000 Mitarbeitenden bemerkenswerte Einführung des Mitwirkungsprogramms «Führen mit Zielvereinbarung» sowie eine den gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnissen angepasste Personal- und Managementausbildung.

Völlig überraschend für die Belegschaft kam es damals zu den ersten kollektiven Personalentlassungen. Dass diese in einer von gegenseitigem Vertrauen geprägten Zusammenarbeit mit den Personalvertretungen durchgeführt werden konnten, war zweifellos eines der grossen Verdienste des damaligen Personaldirektors. «Zuerst kommt der Mensch» war seine Auffassung von Führungsverantwortung sowohl in der Privatwirtschaft als auch auf militärischer Ebene.

1985 kam für Felix Wittlin nach wachsenden Differenzen mit übergelagerten Stellen die Berufung zum Chef der Gruppe für Rüstungsdienste. Zwei Jahre später verlor BBC ihre Selbstständigkeit und mutierte zusammen mit der schwedischen Asea zur ABB.

Als Rüstungschef gelang es Wittlin im Spannungsfeld von Wirtschaft, Politik und Militär bis 1991, ohne grosses Störfeuer von aussen die Beschaffung der Leopard-2-Panzer sowie der F/A-18-Flugzeugflotte zu realisieren. In der Folge präsidierte er unter anderem die Verwaltungsräte von Agie Charmilles und der Ascom. In beiden Firmen standen grössere Veränderungen an, und es galt auch hier innere und äussere Turbulenzen zu glätten. Im Jahr 2000 zog sich Felix Wittlin, 72-jährig, aus dem aktiven Geschäftsleben zurück.

Wer Wittlins Umsteigen aus dem Instruktionsdienst der Schweizer Armee in die Geschäftsleitung der BBC Schweiz miterleben konnte, dem fiel seine Fähigkeit auf, rasch und effizient die Zusammenhänge des unternehmerischen Handelns zu erkennen, die Potenziale und Probleme zu analysieren und zu triagieren, gleichzeitig herauszufinden, wo Veränderung nottat, und dann zusammen mit den am Veränderungsprozess Beteiligten eine neue, umfassende und auch gelebte Personalpolitik zu formulieren. Die Basis des partnerschaftlichen Zusammenwirkens in der Maschinenindustrie (zumindest wie sie noch vor einigen Jahren Gültigkeit hatte) – den Begriff von Treu und Glauben als Basis eines sozialverträglichen Denkens und Handelns hat Felix Wittlin bis zur Retirage aus dem aktiven Geschäftsleben mitgeprägt.

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