Georgia Mantzari: «Das Essen spielt in Griechenland eine zentrale Rolle»

Griechenland (Archiv)

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Für die Griechin Georgia Mantzari spielt Weihnachten eine wichtige Rolle. Die leidenschaftliche Köchin betreibt mit ihrem Team in Wettingen seit drei Jahren das Geschäft und Bistro Lemonia, das griechische Produkte und Mahlzeiten anbietet. Aufgewachsen ist Georgia auf dem Peloponnes.

Natürlich stehen in der Weihnachtszeit feine hausgemachte traditionelle griechische Guetzli auf der Theke: «Melomakarona» aus Baumnüssen mit Honig und Zimt und «Kourabiedes» aus Mandeln, Butter und Mehl mit Puderzucker.

«Wir feiern Weihnachten am 25. Dezember und das Essen spielt dabei eine zentrale Rolle», sagt Mantzari. Traditionell fasten die orthodoxen Griechen auch vor Weihnachten, will heissen, sie verzichten auf Milchprodukte und Fleisch. «Das Fasten vor Ostern ist zwar länger und strenger, aber auch an Weihnachten freuen wir uns, wenn wir am 25. Dezember das Festessen geniessen können.» Als Kind sei sie morgens früh in die Kirche gegangen. Nach der Kirche wurde dann das Fasten mit dem typischen Weihnachtsessen beendet. Gegessen wurde immer das gleiche Gericht: «Es gab immer Schwein mit Stangensellerie an einer Zitronensauce. Auch heute bereite ich dieses Essen gerne zu, wenn wir gemeinsam Weihnachten feiern.» Im Norden Griechenlands wird auch oft Schwein mit Quitten oder Zwetschgen gegessen. «Beide Gerichte koche ich auch gerne als Menü für meine Gäste in unserem Lokal.»

 

Danijel Kovacevic: «Auf den Tisch kommt, was die Gäste mögen»

Kroatien (Archiv).

Kroatien (Archiv).

 

«In Kroatien ist es üblich, dass alle Kindern zu den Eltern nach Hause gehen und dort die ganze Familie gemeinsam feiert», erzählt Danijel Kovacevic. Auch der Kirchenbesuch gehört an Heiligabend dazu, doch zuvor wird gegessen: «Bei uns zu Hause gibt es keine typische Speise, die an Weihnachten zubereitet wird. Es kommt eher darauf an, was die Leute am Tisch mögen.» Ein typisches Gericht kennt Kovacevic, der in Koblenz wohnt und den FC Klingnau trainiert, aber schon: «Das Gericht ‹Kore› ist eine Brühe. Darin hat es Brot, Zwiebeln und Bohnen.» Früher sei das ein typisches Armenessen in Kroatien gewesen. «Heute wird es an Weihnachten eher von der älteren Generation zubereitet.»

Nach dem üppigen Essen geht es zum Gottesdienst, der schon mal bis um Mitternacht dauern kann. Auch die Kinder von Kovacevic gehen mit: «Uns ist es wichtig, dass unsere Kinder dabei sind.» Die Geschenke gibt es erst nach der Kirche. «Die kleineren Kinder schlafen dann manchmal schon. Aber die grösseren sind natürlich zu aufgeregt und bleiben wach.» 

Anette Kaysel: «80 Prozent aller Dänen essen dieses Gericht an Weihnachten» 

Dänemark

Dänemark

Anette Kaysel wohnt in Windisch, kommt aber ursprünglich aus Dänemark. Die typische Weihnachtskulinarik beginnt in Dänemark schon in der Vorweihnachtszeit mit «Julefrokost». «Julefrokost» bezeichnet das kalte Buffet, dass es am Weihnachtsessen mit dem Geschäft genauso gibt, wie bei einem Essen mit Freunden. Zum Buffet gehört der Hering, «sild», aber auch Frikadellen, Salate und Schwarzbrot.

Nicht nur das Essen in der Vorweihnachtszeit hat Tradition, auch an Heiligabend gibt es ein typisches Gericht. «Ich würde sagen, 80 bis 90 Prozent aller Dänen essen am 24. Dezember das Gleiche: Schweinsbraten, Enten, Truthahn oder Gans mit karamellisierten Kartoffeln, Rotkraut und gedämpften halben Äpfeln», sagt Kaysel. Traditionell ist auch das Dessert: «Es gibt einen Milchreis mit Vanille, Rahm und Mandeln und einer Kirschensauce.» Typischerweise wird zum Dessert auch ein Spiel gespielt: Im Reis wird eine ganze Mandel versteckt. Wer sie findet, bekommt ein «Mandelgeschenk», meistens ein Marzipanschweinchen. 

Das traditionelle Dessert an Weihnachten in Dänemark: Milchreis mit Vanille, Rahm, Mandeln und einer Kirschensauce

Ris à l’amande

Das traditionelle Dessert an Weihnachten in Dänemark: Milchreis mit Vanille, Rahm, Mandeln und einer Kirschensauce

  

Célia Günther: «Der brennende Baumstamm vertrieb die bösen Geister» 

Frankreich (Archiv)

Frankreich (Archiv)

Célia Günther ist gebürtige Französin – und kann viel über Weihnachten in Frankreich erzählen. Zurzeit macht sie ein Praktikum im Schweizer Kindermuseum Baden. Dort hat sie geholfen, die Ausstellung «Weihnachten in Frankreich» zu organisieren.

«In Frankreich kommt der Weihnachtsmann in der Nacht vom 24. Dezember auf den 25. Dezember.» Was das Essen in Frankreich anbelangt, gebe es natürlich auch regionale Unterschiede. Aber: «Typisch für die Vorspeise sind Meeresfrüchte, allen voran: Austern.» Zur Hauptspeise gibt es dann die «Dinde de noël», den Weihnachtstruthahn, der oft mit Maronen gefüllt wird. Eine sehr lange Tradition hat das Dessert: «Bûche de noël», der Weihnachts-Baumstamm. «Früher, als noch mit Holz geheizt wurde, hatte man einen Teil eines Baumstammes im Ofen angezündet. Er sollte drei Tage durchbrennen. Natürlich wurde geheizt damit, aber man wollte auch die bösen Geister vertreiben und mit der Wärme die Geister der Verstorbenen einladen, um beim Weihnachtsfest dabei zu sein.» Dann kamen die Heizungen: «Das Heizen mit Holz verlor an Bedeutung. Geblieben ist eine Schokoladenroulade, die wie ein Baumstamm verziert wird.»

Huîtres

Huîtres

 

Pierluigi Ghitti: «Meine Mutter stand bis zu fünf Stunden in der Küche» 

Italien (Archiv)

Italien (Archiv)

Auch der Bäcker-Unternehmer und FC-Wettingen-Präsident Pierluigi Ghitti verbindet Erinnerungen an Weihnachten in erster Linie mit Essen. Kein Wunder: Als schweizerisch-italienischer Doppelbürger spielten Mahlzeiten in seiner Familie immer eine grosse Rolle.

«Wir Buben mussten am Morgen immer in die Kirche – wir waren Ministranten –, während unsere Mutter das Mittagessen zubereitete», erinnert sich der heute 53-Jährige. Als Vorspeise habe es immer Antipasti und verschiedene Teigwaren gegeben. «Danach folgte der Höhepunkt mit Agnello – also Lamm. Dazu gab es Bratkartoffeln.» Alles habe sich an Weihnachten um das Essen gedreht. «Meine Mutter stand jeweils bis zu fünf Stunden in der Küche. Alleine das Mittagessen hat länger als drei Stunden gedauert», so Ghitti. Zum Essen habe man – auch schon als Bub – Wein getrunken. «Natürlich verdünnt mit Wasser», sagt Ghitti. «Und Grappa gab es erst ab 18 Jahren.» Zum Dessert habe es dann Früchte und natürlich den obligaten Panettone gegeben. «Zum Nachtisch ist dann oft die ganze Nachbarschaft dazugestossen und nicht selten sassen am Schluss über 20 Personen rund um den Tisch herum.»

Heute gehe er Weihnachten deutlich ruhiger an. «Wir treffen uns seit Jahren am 24. Dezember bei meiner Mutter zu Hause und essen Fondue chinoise.» Dabei habe er es sich zur Gewohnheit gemacht, sich gleich nach dem Essen auf das Sofa zu legen und ein Nickerchen zu machen. «Die Weihnachtstage sind streng für mich, da ist man müde. Jetzt, wo auch meine Söhne Bäcker sind, wird es langsam eng auf dem Sofa», so Ghitti mit einem herzhaften Lachen. 

Agnello al forno

Agnello al forno

Sandra Schön: «Speisen mit Früchten bringen Glück und Gesundheit»

Die Brasilien-Fahne auf einer Ölplattform des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Petrobras

Brasilien (Archiv)

Die Brasilien-Fahne auf einer Ölplattform des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Petrobras

«In Brasilien gibt es nicht ein Weihnachtsgericht, das alle essen. Das Land ist sehr gross und geprägt von verschiedenen Einwandererströmen. Je nach Region isst man daher etwas Anderes», erzählt Sandra Schön, die in Turgi wohnt und in Baden das brasilianische Bistro Delicia führt. Für viele Gerichte werden Früchte verwendet. «Wir glauben, dass Früchte an Heiligabend Glück und Gesundheit bringen. Ein typisches Essen ist der Salpicão-Salat.» Im Salat hat es Gemüse, Früchte, Pouletfleisch und Käse. «Natürlich wird auch Fleisch gegessen. Trutenfleisch oder Schinken ist beliebt an Weihnachten. Manchmal gibt es auch ein Spanferkel.»

Traditionellerweise gehen Brasilianer an Heiligabend mit der ganzen Familie in den Gottesdienst. Er beginnt um acht Uhr abends, danach wird gegessen. «Es ist ein grosses Essen, bei dem die ganze Familie anwesend ist. Da kann es schnell auch Mitternacht werden.» 

Salpicão

Salpicão

 

 Detlef Brose: «Wir essen Raclette – aber das deutsche» 

Deutschland (Archiv)

Deutschland (Archiv)

Auch unsere nördlichen Nachbarn haben ihre eigenen Weihnachtstraditionen. Detlef Brose, CEO des Grand Casino Baden, stammt aus Hagen, einer deutschen Grossstadt in Nordrhein-Westfalen, am südöstlichen Rand des Ruhrgebiets. «Als ich noch jünger war, gab es ganz klar ein Traditionsgericht, das meine Grossmutter immer zubereitete: Enten- oder Gänsebraten mit Rotkraut und Klössen.» Klösse sind aus Kartoffeln geformte Kugeln, die je nach Region so serviert werden, oder noch eine Füllung enthalten. Brose findet aber, dass das traditionelle Essen immer seltener wird: «Seit ein paar Jahren gibt es bei uns Raclette – aber das deutsche», sagt er mit einem Lachen und erklärt: «Auf der Grillplatte werden Scampi, Fisch und Fleisch gegrillt und unten in den Raclettepfännchen gibt es zum Käse Gemüse und andere Beilagen.»

Auch in seinem Bekanntenkreis werde weniger traditionell gekocht an Weihnachten: «Ich denke, in vielen Haushalten in Deutschland ändern sich die Essenstraditionen an Weihnachten.» 

Gänsebraten mit Klössen und Rotkraut

Gänsebraten mit Klössen und Rotkraut