Baden-Wettingen
Fertig mit «Schwümmbad» und «Schuelhuusplatz» – RVBW verbannt Dialekt aus dem Bus

Die Durchsagen in den Bussen der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen erfolgen neu auf Hochdeutsch.

Stefanie Garcia Lainez
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«Schpreitebach» heisst neu «Spreitenbach»: DIe Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen sagt die Haltestellen in den Bussen neu auf Hochdeutsch an – auf Geheiss der Behörden.

«Schpreitebach» heisst neu «Spreitenbach»: DIe Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen sagt die Haltestellen in den Bussen neu auf Hochdeutsch an – auf Geheiss der Behörden.

zvg

Über zehn Jahre lang begleitete die Stimme von Mani Sokoll die Fahrgäste in den Bussen der Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen (RVBW). Wenn die ehemalige Tele-M1-Moderatorin den nächsten Stopp ankündigte, hiess es jeweils auf Schweizerdeutsch «Schwümmbad», «Schtei» oder Schuelhuusplatz». Doch damit ist jetzt Schluss: Die Durchsagen erfolgen neu auf Hochdeutsch.

Die RVBW folgen mit dieser Änderung einer Verordnung des eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek). Darin ist festgehalten, dass Durchsagen auch für Hörbehinderte gut verständlich sein müssen. Auf Anfrage präzisiert Gregor Saladin, Mediensprecher des Bundesamts für Verkehr (BAV): «Messungen haben gezeigt, dass hochdeutsche Durchsagen für Hörbehinderte deutlich besser verständlich sind als solche in Mundart.»

Das sagen die Fahrgäste: «Was halten Sie davon, dass die Ansagen in den RVBW-Bussen neu auf Hochdeutsch sind?»

Maria Puglisi, Baden «Dass die Durchsagen neu auf Hochdeutsch sind, habe ich gar nicht bemerkt. Für mich ist das auch nicht so wichtig. Ich verstehe aber den Wechsel. Die Haltestellen sind auf Hochdeutsch angeschrieben; dann sollte sie auch so ausgesprochen werden.»
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Emmanuel Gnagne, Turgi «Ausserhalb der Stadt wäre es schön, die Ansagen weiterhin auf Schweizerdeutsch zu hören. Das verbreitet etwas Heimat-Feeling. In der Stadt, wo es mehr Ausländer hat, finde ich die Ansagen auf Hochdeutsch gut. Es spart Zeit und Arbeit, da weniger Fahrgäste den Buschauffeur fragen müssen, wenn sie etwas nicht verstehen.»
Sara Andreani, Wettingen «Für Ausländer ist es sicher besser, da es für sie schwieriger ist, den schweizerdeutschen Akzent zu verstehen. Ich selbst spreche zu Hause Türkisch, Englisch, Italienisch und Deutsch, verstehe aber auch Schweizerdeutsch gut. Deshalb ist es für mich auch kein Problem, die Ansagen zu verstehen.»
Jérôme Bühler, Würenlos «Ich fahre täglich mit dem RVBW-Bus. Dass die Ansagen neu auf Hochdeutsch sind, ist mir aufgefallen. Da inzwischen viele Ausländer hier leben, macht der Wechsel Sinn. Für mich selbst spielt es keine Rolle, ob die Ansagen in Schweizer- oder Hochdeutsch sind. Ich weiss ja sowieso wo aussteigen.»

Maria Puglisi, Baden «Dass die Durchsagen neu auf Hochdeutsch sind, habe ich gar nicht bemerkt. Für mich ist das auch nicht so wichtig. Ich verstehe aber den Wechsel. Die Haltestellen sind auf Hochdeutsch angeschrieben; dann sollte sie auch so ausgesprochen werden.»

Stefanie Garcia Lainez

Hinzu komme, dass auch Personen aus der Romandie oder dem Tessin sowie Ausländer hochdeutsche Durchsagen besser verstehen würden. Diese Verordnung ist seit Juli 2016 in Kraft. Gemäss BAV waren die RVBW eines der letzten Deutschschweizer öV-Unternehmen, deren Durchsagen im Dialekt erfolgten. Die Durchsagen der Postauto AG Nordschweiz sind seit der Einführung der akustischen Ansagen der nächsten Haltestelle im Jahr 2005 auf Hochdeutsch.

Die Behindertenorganisationen Pro Infirmis und Pro Audito begrüssen die Änderung. Georg Simmen, Präsident Pro Audito, erklärt: «Hörbehinderte Menschen, die erst spät ein Hörimplantat erhalten und deshalb auch spät die Sprache erlernen, sprechen vor allem auf Hochdeutsch.» Deshalb würden sie auch die Durchsagen im Bus auf Hochdeutsch besser verstehen. «Wichtiger für uns sind aber die Qualität der Durchsagen und die Anzeigetafeln», sagt Georg Simmen. Denn würden die Ansagen von starkem Rauschen begleitet oder sei es sehr laut im Bus, brächten auch die hochdeutschen Durchsagen nichts. Deshalb seien hörbehinderte Menschen darauf angewiesen, dass die Haltestellen gut sichtbar auf Displays angezeigt werden. «Je schlechter ein Mensch hört, desto wichtiger werden diese Tafeln», sagt Simmen.

Keine negativen Rückmeldungen

Und was sagen die Fahrgäste der RVBW zu den neuen Ansagen in Hochdeutsch? «Es ist wichtig, das Schweizerdeutsch zu pflegen», sagt eine Wettingerin. «Aber es sollte uns auch bewusst sein, dass nicht nur Ausländer, sondern auch viele Schweizer aus anderen Landesteilen unseren schweizerdeutschen Dialekt nicht verstehen.» RVBW-Marketingleiterin Marija Nikolova ergänzt: «Uns ist klar, dass es sich um ein emotionales Thema handelt.» Bis jetzt seien aber noch keine negativen Rückmeldungen eingegangen; einzig die zu leise Lautstärke sei bemängelt worden.

«Wir mussten ohnehin neue Haltestellen einsprechen lassen und setzten deshalb auch gleichzeitig die Vorgabe des Bundes um.» Die Haltestellen würden nun so ausgesprochen, wie sie auch angeschrieben seien. «Wir sind überzeugt, dass diese Vereinheitlichung der Haltestellendurchsagen die Orientierung noch einfacher macht.»

Dass neben dem Dialekt auch Mani Sokoll aus den Bussen verbannt wurde, hat einen einfachen Grund: Sie wohnt seit 2015 in Nicaragua und die RVBW mussten sich auf die Suche nach einer neuen Stimme machen. Eine Computer-Stimme kam dabei nicht infrage. «Wir wollten unsere Fahrgäste weiterhin mit einer natürlichen Stimme informieren», sagt Nikolova. Zudem sollte die Sprecherin wieder weiblich sein, da das Feedback stets positiv gewesen sei.

«Wir sind stolz, dass wir eine langjährige Mitarbeiterin als neue Sprecherin gewinnen konnten.» Sie verfügt über eine professionelle Gesangsausbildung mit Live-Auftritten, genoss ein professionelles Sprechcoaching und sei somit die perfekte Kandidatin gewesen. «Mit dieser internen Lösung ist die Flexibilität gewährleistet, die wichtig sei, um kurzfristig neue Durchsagen aufnehmen zu können.»

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