Das Fest ist das soziale Ereignis, an dem spontanes und emotionales Verhalten nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist. Wir durchbrechen gemeinsam die gewohnten Konventionen, entfliehen der Monotonie des Alltags. Das dauernde Tun (Frühsport, Meetings, Business-Lunch, 2438 Mails, After-Work-Apéro und Yoga), das Gefallen im Trend-Fummel, das permanente Schielen aufs Konto, die Suche nach dem richtigen Partner (auf Zeit natürlich) und die Sorge um die Zukunft (kommt Lea in die Kanti oder nicht?) fallen von uns ab, ermöglichen ein Aufgehen im Jetzt. Die alltäglichen Grenzen zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem heben wir auf. Unterschiedliche Mittel und Anreize verstärken dieses Erlebnis: Essen, trinken, rauchen, Musik machen, hören und dazu tanzen.

Wir haben nicht die Fähigkeit verloren zu feiern, sondern das Festen und Konsumieren schon beinahe zum Dauerzustand erhoben: Shopping-Touren mit den Mädels im Billigflieger nach Irgendwo und Beinahe-Tod-Grenzerfahrungen auf der Rummelplatz-Killer-Looping-Bahn oder beim jugendlichen Kampf-Koma-Saufen zusammengeführt zu einer schier endlosen Sommer-Agenda von Festivals und Events. Merkmal dieser Entwicklung ist, dass selbst banale Vorgänge wie die Eröffnung einer Autowaschanlage oder die Einweihung eines öffentlichen Hundeklos zum Hype hinaufstilisiert und befeiert werden.

Wird die Eventkultur so umfassend, mächtig, schrill und pausenlos, dass sie nicht mehr einen Ausnahmezustand markiert, sondern zum Bestandteil des täglichen Lebens wird, stelle ich mir die Frage, ob die wesentlichen Funktionen des Pausierens vom Normalen noch erfüllt werden können?

Grenze und Entgrenzung, Zwang und Anarchie, Ordnung und Chaos sind Gegensatzpaare, von denen das Fest lebt: VERSUS. Wir Badener tun somit das einzig Richtige, strecken die Zeit des Wartens und der Vorfreude aufs Maximum; slow celebrating. Dies im grosszügigen 10-Jahres- Rhythmus unter Einbezug aller in und um Baden lebenden Menschen, Vereinen, Firmen, Organisationen und spontan gegründeten Zusammenschlüssen mit dem einzigen Ziel: Grosses Festen kann nicht dauernd stattfinden; wenn aber doch, dann so: Badenfahrt. Und wer schon mal mitgefiebert, mitgeplant, mitgebaut und mitgeprobt hat weiss: Das Vorher ist genau so schön wie das Während.

Lasst uns gemeinsam die kommenden 12 Monate in Kellern, Garagen, Büros, Bastelstuben sowie Stadt- und EinwohnerratsSälen verbringen in einem einzigen, badenerischen Hinwirken auf «das Fest». Lassen wir die alltäglichen Kleindenkereien sein und sind bereit für das einzigartige UNIVERSUM des Festens. Viva!