Badenfahrt
Festgestalterin Eliane Zgraggen: «Die Stadt Baden war eine unschlagbare Gastgeberin»

Die Festmüdigkeit sitzt noch vielen in den Knochen. In der Stadt ist Ruhe eingekehrt, bis auf die Festarbeiter, welche die Überreste der letzten Bauten entfernen. Ein Gespräch mit

Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen
Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.
4 Bilder
Badenfahrt-OK
Adi Hirzel Der 48-jährige Adi Hirzel bildete schon am Stadtfest 2012 zusammen mit Marc Périllard das OK-Präsidium. Der Wirtschaftsanwalt ist Partner bei Blum&Grob Rechtsanwälte AG in Zürich. Adi Hirzel wohnt in Zürich und hat eine 17-jährige Tochter.
Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.

Adi Hirzel, OK-Präsident der Badenfahrt, und Festgestalterin Eliane Zgraggen auuf dem Kirchplatz in Baden.

Sandra Ardizzone

Eliane Zgraggen, was sagen Sie als Lenzburgerin zur Badenfahrt 2017?

Eliane Zgraggen: Ich durfte damit das zweite Fest gestalten. Ob Badenerin oder nicht, von «Geschichten Schichten» zu «Versus»: Die Arbeit hat Früchte getragen. Es war ein kulturell ausgewogenes, friedliches und inspirierendes Fest.

Wie wurde das Motto umgesetzt?

«Versus» hat als prägnantes Motto entgegen aller anfänglichen Skepsis funktioniert. Davon war ich überzeugt, und ja, das freut mich sehr. Es provozierte im richtigen Mass und inspirierte, funktionierte als Zündfunke, liess sich zu einem vielseitigen, komplexen Konzept ausarbeiten, wurde durch unzählige Macher und Macherinnen aufs Schönste lebendig und erfahrbar gemacht.

«Versus» – gegen(über gestellt) – hätte man negativ verstehen können.

«Versus» war durch das ganze Fest hindurch auffind- und erlebbar, nicht als Gegeneinander, sondern als beglückende Diversität mit versöhnlichem Charakter. Es manifestierte sich auch als Kur, badenfahrtgerecht zehn Tage lang in den Festgebieten: Alt versus Neu, Unten versus Oben, Süden versus Norden. Vielleicht lebt es sich nun in mancher Weise etwas gesünder.

Beizli der Badenfahrt:

Letzter Feinschliff im «Schrebargarten» kurz bevor es abends wieder losgeht.
17 Bilder
Die Beiz «Strohwerk» bietet rustikale Küche mit frisch geraffelter Rösti.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die serbische Beiz "KOLO Baden" wartet mit Livemusik und einem gemütlichen Platz an der Limmat auf.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "Le Durt" an der Limmatpromenade vor dem Tränenbrünneli.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Blick auf den Theaterplatz.
Sinneswandel an der Badenfahrt Die Beiz "Sinneswandel" auf dem Theaterplatz bietet ein Sinneserlebnis die neue Wahrnehmungsdimensionen erschafft. Unbedingt ausprobieren!
Beizli an der Badenfahrt
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "Verein Freiluftkino Baden" durch die auch die eigens für die Badenfahrt gebaute Treppe vom Casinokreisel zum Tränenbrünneli führt.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "Nour - Kafi Royal" beim Tränenbrünneli.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Silvia Rodriguez (hinten) aus Turgi und Olivier Vitoux aus Gebenstorf langen in die Fühl-Boxen bei der Beiz "Sinneswandel" und versuchen zu erspüren, was sich darin verbirgt.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Jerome aus Nussbaumen trägt mit Stolz sein "I love 54"-Shirt. Neben ihm Kollege Kai aus Nussbaumen.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "40° - Chile Austral" hat den wohl lauschigsten Garten der Badenfahrt.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Bei der Beiz "Nour - Kafi Royal" zieren Schriftzüge "Baden bleibt Royal" die Fassade.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Bei der Beiz "Nour - Kafi Royal" beim Tränenbrünneli werden unter anderem Äthiopische Spezialitäten verkauft, so z.B. Beyaynet auf dem äthiopischen Fladenbrot Injera.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "Beetli Schmied" des Vereins Baradore.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "Jardin Martin" des Quartiervereins Martinsberg.
Badenfahrt 2017 Beizlitour / Beizenrundgang im Festgebiet "unten". Im Bild: Die Beiz "40° - Chile Austral".

Letzter Feinschliff im «Schrebargarten» kurz bevor es abends wieder losgeht.

Sandra Ardizzone

Die Umsetzung lag auch bei Ihnen?

Den roten Faden konnte ich mit viel Freude, Ausdauer, Hartnäckigkeit und einigen mottogerechten Auseinandersetzungen spinnen. Unermesslicher Dank gilt darum den überzeugten Mitstreitern. Sie haben mir Mut gemacht, die Vision geschärft und damit dieses wirklich besondere Fest mitgestaltet.

Was war aus Ihrer Sicht speziell, oder besser neu an der Badenfahrt?

Wir haben Experimentierräume und Plattformen für die Zukunft schaffen können. Viel Potenzial liegt bei «Viu versa» (der Jugend- und Kinderwelt) und «Polygon» (alternative Bühne beim Tränenbrünneli), die mit Mut und Liebe zum Detail die Pole zu friedlichen Lieblingsorten für Alt und Jung machten. Ihnen und Gleichgesinnten gehört die Zukunft des Fests.

Wie erlebten Sie Baden sonst?

Baden stand mit seinen Machern im Zentrum, war unschlagbare Gastgeberin für über eine Million Besuchende. Knapp hundert Vereine und viele Künstler und Künstlerinnen erfreuten und forderten. Ich kann mit etwas Vorsicht und viel Optimismus in die Zukunft der Badenfahrt blicken.

Ist die kritische Grösse erreicht?

Die Badenfahrt kann und soll sich mutig verändern und noch mutiger werden, nicht wachsend in der Grösse. Sie soll sich trotz vieler Besuchenden fernab vom Massenevent durchsetzen. Kunst und Kultur, die vielen Sparten sind dafür genauso wichtig wie attraktive Bedingungen für Vereine und die Nachwuchsförderung. Es braucht auch den selbstkritischen, schonungslosen internen Rückblick beim Komitee.

Wie haben Sie die Besucherinnen und Besucher erlebt?

Ich habe viele Menschen erlebt, die nur ein Mal an die Badenfahrt gehen wollten, und dann traf man sie fast allabendlich an. Sie zogen Freunde durch die Menge, streunten allein umher, staunten, waren ausgelassen oder sassen zum Festende voll Melancholie in der Badstrasse.

Was hat Ihnen persönlich besonders gefallen?

Die Installation «Versus» und das Game des Künstlers Matthias Gubler unter dem grossen Brückenbogen waren für mich etwas Unvergessliches und Zentrales. Worte ins Zentrum setzen: Von gegensätzlichen Wortpaaren wie «Himmel/Hölle» spielte man sich durch rund 100 Paare vom Gegensatz bis zum Unzertrennlichen «Parker/Barrow» (Bonnie&Clyde). Oder die schlichte und dichte Projektion von Pascal Arnold am Stadtturm, die sicherlich eine Million mal fotografiert wurde. Auch das Wirken von Maja Hürst – sie hat Baden reich beschenkt. Die Installationen von Roman Sonderegger als Stadtmöblierung, die vielen fehlen werden – Stadtmöbel, als Symbol für veränderbaren Stadtraum. Der temporär neu gestaltete Stadtraum überhaupt ist etwas Zentrales der Badenfahrt.

Die schönsten Augenblicke der Badenfahrt:

Blick ins Festgebiet ennet der Hochbrücke mit Riesenrad und weiteren Festbeizen.
34 Bilder
Leinen los heisst es auf der Hochbrücke bei Herrn Schmidt.
Das Finale des Festspiels mit Merker Bianca und Musical Space Dream.
Festbeizen in neuen Dimensionen: «universALL» und «Dorian Grey».
Adrian Stern vor heimischem Publikum mit lokalen Musikern.
Badenfahrt 2017: Die schönsten Augenblicke
Wer verliebt sich bei diesem Anblick nicht in das malerische Baden?
Die serbische Beiz "Kolo Baden" bot ein gemütliches Plätzchen an der Limmat und bot Live-Musik.
Einfach toll – die Badenfahrt bei Nacht. Schön war's: Die Badenfahrt 2017 bleibt in bester Erinnerung.
Die Projektion "Ouroburus" von Pascal Arnold beleuchtet den Stadtturm an der Badenfahrt. (21. August 2017)
Die Zurzibiet-Beiz "Baumhuus" auf dem Schlossbergplatz.
Festbesucher auf dem Schlossbergplatz. (21. August 2017)
Der erste Samstagabend wurde zu einer langen Partynacht. Die Dancefloors waren pumpenvoll. Im Bild: Charlies Dampfer.
Kreativ gestaltete Bars zierten die Limmat-Hochbrücke an der Badenfahrt. Das grosse Volksfest zählte mehr als 1,2 Millionen Besucher.
Umgekehrt: Die Zürcher Zünfte beehren die Aargauer Badenfahrt.
Nächtliches Baden mit Blick auf die Hochbrücke.
Exklusiv: Die Spanischbrötlibahn durfte als erste durch den neuen Bustunnel fahren.
Hoch hinaus.
Auch für Kinder ist die Badenfahrt ein Heidenspass.
Die SNCF-Lokomotive 30.R.1244 war am ersten Festsonntag mit ihrem Halt in Baden ein Publikumsmagnet.
Bei diesem Anblick schlägt wohl so manches Kinderherz höher – und nicht nur.
Hier steigt zehn Tage lang Party: unter der Hochbrücke.
Die Kreativität kennt keine Grenzen an der Badenfahrt: ein Pool in der Bar.
Die Raketenbeiz – ein Hingucker.
Jauchzen und Kreischen in der Lunapark-Region.
Innig: Ein Kuss während des Konzerts der Pedestrians
Mit allen Sinnen dabei: Der Dirigent des Wasserspiels, das beim Tränenbrünneli aufgeführt wird.
Leidenschaftlich: Adrian Stern bei seinem Konzert
Aufregend: Eine temporeiche Fahrt im Lunapark
Ausgelassen: Die Party-Nacht im Oceans Club
Konzentriert: Gezielter Wurf an den Kubb-Meisterschaften im Kurpark
Vorfreude: Blick aus dem Führerstand der Dampflock
Dynamisch: Ein Mädchen misst seine Kraft am Box-Automaten
Kreischend: Das Service-Team der Polygon-Bar in bester Laune

Blick ins Festgebiet ennet der Hochbrücke mit Riesenrad und weiteren Festbeizen.

Sandra Ardizzone

Noch etwas zum Festspiel, das nicht nur gut angekommen ist.

Ich bin kein Festspiel-Mensch, darum habe ich diesen Bereich delegiert. Die Meinungen sind unterschiedlich. Leute gingen vorzeitig weg, andere gaben am Schluss eine Standing Ovation. Wir werden noch ein Fazit ziehen, auch das Thema Umzug wird uns wieder beschäftigen.

Das tönt so, als wären Sie für die nächste Badenfahrt bereit?

Im Moment bin ich noch sehr müde. Alles war mit viel Arbeit verbunden. Ob ich all das wieder auf mich nehmen würde, hängt von den Bedingungen ab. Für einen Entscheid, der ohnehin beim Komitee liegt, ist es jetzt noch zu früh.