Baden

Festival ohne Grenzen: Das 10. «One of a Million» ist zu Ende

Kein anderes Festival lotet die Grenzen der Musik so aus wie das «One of a Million»-Festival in Baden – eine Bilanz.

Vielleicht sind auch Sie in den vergangenen Tagen im ehemaligen Badgasthof zum Raben in 39 Grad warmem Wasser gesessen, den Duft von Räucherstäbchen in der Nase, die experimentellen Klänge des tunesischen Musikers Oussema Gaidi im Ohr. Vielleicht waren Sie aber auch im Kino Orient und haben rasante Katz-und-Maus-Geschichten verfolgt, währenddem das Trio Gablé die alten Zeichentrickfilme an der Kinoleinwand mit Gitarre, Klavier und Synthesizer untermalte. Vielleicht waren Sie aber auch in der reformierten Kirche, nicht an einer Messe, dafür an einem nicht minder transzendentalen Konzert der Luzerner Singer-Songwriterin Luce.

Wenn das «One of a Million»-Festival zu seiner Jubiläumsausgabe etwas bewiesen hat, dann dass Musikfestivals längst nicht mehr nur eine Reihe von Konzerten sein müssen, sondern Veranstaltungsgefäss für verschiedenste Unterhaltungs- und Lebensbereiche.

Immer öfters wurde in den letzten Jahren Musik mit anderen Disziplinen in Dialog gebracht: mit sogenannten Visuals, aber auch mit Kunst, mit Film, mit Installationen. Letztes Jahr etwa kreierte der Künstler Simon Berz mit tropfendem Wasser eine rhythmische Klanginstallation. Oder als Künstler an «One of a Million»-Konzerten Kunstwerke schufen, die den spezifischen Moment der Musikperformance auf Papier oder Leinwand festhielten. Letztes Jahr stellte das OOAM eine ganze Ausstellung solcher Performancewerke in der eigenen Pop-up-Galerie «Schaufenster» aus.

Musik im Zusammenspiel mit anderen Künsten

Das Musikfestival hat sich in den vergangenen neun Jahren nicht nur vergrössert – von 15 Acts im Jahr 2011 zu ganzen 56 Acts dieses Jahr –, sondern auch verändert und erweitert. Der Trend geht eindeutig hin zur Inszenierung. Musik wird im Zusammenspiel mit anderen Künsten zu einer sinnlichen Erfahrung, die eben mehrere Sinnesorgane berührt und damit Musik immer wieder neu und anders wahrnehmen lässt.

Seit seinen Anfängen machte das «One of a Million»-Festival als «Boutique Festival» von sich reden, das Konzerte an unterschiedliche Orte der Stadt brachte. Neben Clubs und Bars fanden Konzerte auch an ausgefalleneren Standorten wie dem Innenhof des Hotel Blume oder der Sebastian Kapelle statt. Fast jedes Jahr kamen neue Räume dazu: Bespielt wurden der Plattenladen Zero Zero, das Fahrradgeschäft Bikezone, die Kunstgalerie 94 oder das Museum Langmatt. Dieses Jahr wurden am Freitag erstmals die Räumlichkeiten der Berufsfachschule Baden (BBB) genutzt. Die britische Band Angstkiste füllte die grosse und nur mit einzelnen roten und violetten Lichtern beleuchtete Aula am vorletzten Festivalabend mit düsterem, sphärischen Elektrosound voll aus.

Dieses Jahr expandierte man erstmals über die Stadtgrenzen hinaus: In Wettingen kamen das Kino Orient, die Löwenscheune und die Aula der Kantonsschule Wettingen dazu. Diese Lust am Finden neuer Orte, die zu speziellen Konzerträumen umfunktioniert werden, ist etwas, das die Organisatoren des OOAM scheinbar wie niemand Zweites beherrschen.

Die 56 Konzerte wurden von 3700 Personen besucht

Neben diesen speziellen und unkonventionellen Bühnen sind es aber nach wie vor die Musikerinnen und Musiker, die die Hauptrolle am «One of a Million»-Festival spielen. Keine Band ist in den vergangen zehn Jahren zwei Mal aufgetreten. Jedes Jahr gibt es wieder neue Bands zu entdecken: An den kostenlosen Stadtkonzerten am Tag oder an den Abendkonzerten, die dieses Jahr die ganze Woche sehr gleichmässig besucht waren. «Wir spüren, dass sich die Menschen wirklich auf dieses ‹Entdecker- und Wanderfestival› einlassen», erklärt Co-Festivalleiterin Nina Hodel.

Alle Konzerte zu besuchen, ist aufgrund des schieren Angebots noch für die grössten Musikfans eine Herausforderung. Klar, dass nicht jedes der insgesamt 56 Konzerte allen Besuchern gleich gefallen haben wird. Aber alle Besucher werden ihre ganz persönlichen Highlights gehabt haben und Bands für sich entdeckt haben, entweder für die wundervolle Zeit eines Konzerts oder darüber hinaus, Zuwachs für die eigene Playlist. Für die einen waren es dieses Jahr vielleicht die träumerische Indiepopband Magic Island, die 90s-Girl-Grunge Band Automatic und die japanische Perkussionsband GOAT. Aber das ist natürlich nur eine Meinung von insgesamt 3700 begeisterten Festivalbesuchern, welche die 10. Ausgabe von «One of a Million» besuchten.

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