Baden
Festivalleiterin: «Fantoche mit Open Air übersteigt das Budget»

34 000 Besucher zog das Internationale Filmfestival Fantoche auch dieses Jahr nach Baden. Für Annette Schindler kommt die Qualität aber weiter an erster Stelle. Trotz des Erfolgs kann Sie Forderungen nach einem grösseren Festival nicht verstehen.

Sabina Galbiati
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Annette Schindler war 2012 künstlerische Leiterin und übernahm in diesem Jahr die Festivalleitung.

Annette Schindler war 2012 künstlerische Leiterin und übernahm in diesem Jahr die Festivalleitung.

Sabina Galbiati

Frau Schindler, Sie leiten das Fantoche zum zweiten Mal, welches war Ihr persönliches Highlight an der 11. Ausgabe des Festivals?

Annette Schindler: Da gibt es viele schöne Momente. Wenn sich die Tore des Festivals öffnen und die Festivalstimmung das Städtchen flutet, das ist ein ganz besonderer Moment für mich.

Umso trauriger, wenn das Festival wenige Tage später schon wieder vorbei ist...

...im Gegenteil: Die Siegerehrung ist ein weiterer Höhepunkt. Dann lasse ich das Festival nochmals Revue passieren und sehe all die schönen Momente wieder vor mir.

Sie sprechen von einer Flut. Sind Sie mit den Besucherzahlen zufrieden?

Auf jeden Fall. Mit den 34 000 Eintritten konnten wir das Niveau der beiden Vorjahre halten.

Bei dem schönen Wetter denkt man sofort an Open Air Kino. Könnte das Fantoche künftig auch draussen stattfinden?

Nein, dafür reicht unser Budget von 1,5 Millionen Franken nicht, weil wir selber für die Infrastruktur aufkommen müssten.

Aber gerade dadurch entstünde die Möglichkeit, zu wachsen.

Diesen ständigen Wachstumsdrang kann ich nicht verstehen. Für mich als Festivalleiterin steht die Qualität ganz klar an erster Stelle. Die Besucher sollen etwas Einzigartiges erleben können. Wenn wir 2014 36 000 Eintritte zählen, aber die Stimmung schlecht war, ist niemandem gedient.

Den Finanzen des Festivals täten aber mehr Zuschauer gut.

Sicher müssen wir an unserer finanziellen Basis weiter arbeiten. Aber wie bei allen Kulturbetrieben ist das Geld, das wir mit den Eintritten einnehmen, nur ein kleiner Teil des Budgets. Wir müssten sonst viel zu hohe Ticketpreise verlangen. Private Sponsoren und die öffentliche Hand sind als Hauptträger wichtiger.

Wo sehen Sie für die 12. Ausgabe 2014 noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Nebst der erwähnten finanziellen Entwicklung müssen wir die Verbesserungen in den kommenden Nachbesprechungen identifizieren.

Sie hatten ein ziemlich grosses Team zu leiten. Hat alles reibungslos funktioniert?

Ja, wir hatten ein fantastisches Team von 30 festen Mitarbeitern und zusätzlich 130 Freiwilligen. Vom Aufbau über den Kinoeinlass bis zu den Aufräumarbeiten haben sie uns unterstützt.

Sind das vor allem junge Leute, die sich für Animationsfilme interessieren?

Nein, das Alter ist ganz unterschiedlich, wir haben auch Pensionäre im Team. Die meisten Helfer kommen übrigens aus Baden und Umgebung.

Könnten Sie sich vorstellen, mit dem Fantoche eines Tages in eine grössere Stadt zu zieht?

Das Fantoche wurde in Baden ins Leben gerufen. Da müsste es schon sehr triftige Gründe geben, um eine andere Stadt Baden vorzuziehen.