Baden
Festspiele haben es stets in sich

Bei «Siegawyn und Ethelfrieda» wirkten auf drei Bühnen über 200 Darstellende mit.

Roman Huber
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Die Badener Maske war auf ihrem Thespiskarren hier beim Zugang in den Kurpark ins Festspiel integriert. Benno Bruggisser

Die Badener Maske war auf ihrem Thespiskarren hier beim Zugang in den Kurpark ins Festspiel integriert. Benno Bruggisser

zvg

Festspiel oder Umzug? Die Frage stellte sich jedem Badenfahrtkomitee jeweils zu Beginn seiner Arbeit. Sowohl als auch hiess es noch im Jahr 1947, während 1967 «nur» der grosse Corso im Zentrum stand. Weder noch gab es an der «kleinen» Badenfahrt 1972, dafür bildete dann ein historischer Markt die grosse Attraktion. 1977 wurde das Festspiel «Siegawyn und Ethelfrieda» aufgeführt, 1980 folgte – ausserhalb der Badenfahrt – der «Danuser». Und an der zweiten kleinen Badenfahrt 1982 führte die Badener Maske unter Regie von Röbi Egloff «Was Ir wänd» auf, nach einer Komödie von William Shakespeare, frei von Franz Doppler ins «Baadenertütsch» übersetzt.

«Humphrey Bogart» hiess das Festspiel nach einer Idee von Marco Squarise, mit Bühne über der Limmat, im Jahr 1987, das baulich als das aufwendigste aller Badenfahrt-Festspiele bezeichnet werden kann. Ansonsten ging jedoch «Siegawyn und Ethelfrieda» als das bis jetzt grösste Theaterspektakel in die Badenfahrt-Geschichte ein. 1991 folgte am Regionalfest zum Geburtstag von 100 Jahre BBC/ABB «Limmat Magic» als Musik-Licht-Wasser-Spektakel. 1997 war die Schiffslandschaft im Graben die Badenfahrt-Attraktion. «Universus» übrigens heisst es an der Badenfahrt 2017 – ein Festspiel, das wieder im Kurpark stattfinden wird.

Das «Fussvolk» auf der Bühne

Nicht vergessen darf man all die Theatergruppen und -bühnen oder Vereine, Kleintheater, Cabarets, die selber eine Produktion auf ihre Bühne stellten, allen voran die Badener Maske, die mehrmals mit ihrem Thespiskarren dabei war und auch für die kommende Badenfahrt etwas im Schilde führt. «Weisch wie heiss» hiess das Musical von Ruth und Röbi Egloff an der Badenfahrt 2007, das «Melodramma musicale», nach einer Geschichte von Carlo Goldoni, transferiert von Franz Doppler ins Schweizerdeutsche, mit Musik von Eros Ramazzotti.

Als Herausforderung an sich und an die Regie waren bei den Festspielen die Laien gefragt. Das «Fussvolk» soll sich auf der Bühne präsentieren. Einiges über 200 Darstellende waren es bei «Siegawyn und Ethelfrieda». Ausgangspunkt waren für dieses Festspiel einmal nicht die Spanischbrötlibahn, sondern die Bäder, beziehungsweise mit der Sage von David Hess deren Entdeckung. Idee und Ausgestaltung des Festspiels entwickelten Marco Squarise und das Ensemble der Claque, dem damals bekannten Badener Kleintheater. Textlich umgesetzt wurde es von Schriftsteller, Hörspiel-Autor und Radio-Journalist Hanspeter Gschwend.

Gesamtregie führte Paul Weibel, für die drei Bühnen zeichneten aus dem Claque-Ensemble Hans Ruedi Twerenbold, Albert Freuler und Peter Fischli verantwortlich. In den Hauptrollen waren Heinz Richner (Siegawyn) und Kathrin Honegger (Ethelfrieda). Unter den weiteren Darstellenden sah man Originale, bekannte wie unbekannte Gesichter aus Stadt und Region oder solche, die sich dem anstrengenden, aber amüsanten Theaterspass hingeben wollten.

Die drei Bühnen waren miteinander verbunden. Weil das Schauspiel mit einzelnen Akteuren auf allen drei Bühnen stattfand, mussten sämtliche Szenen und Abläufe exakt koordiniert sein, was hohe Ansprüche an die Regie stellte. So liest man über das Festspiel nach, dass die Hauptprobe ziemlich «in die Hosen» gegangen sei, währenddem die Premiere zum Badenfahrt-Auftakt frenetisch gefeiert werden konnte. Wer sich das ganze Spektakel ansehen wollte, war allerdings gezwungen, je einen Abend der Badenfahrt vor einer Bühne zu verbringen.

Hinter den Kulissen lieferte «Siegawyn und Ethelfrieda» viel Zündstoff bei massgebenden Leuten im erlauchten Komitee. Zum Einen waren es die hohen Kosten, zum Andern die «verrückte Inszenierung», was zu heftigen Diskussionen geführt hatte. Schliesslich setzte sich die Minderheit – mit Victor Rickenbach, damals Stadtammann – durch und der Realisierung des Festspiels stand nichts mehr im Wege.