Badenfahrt 1947
Festzug besorgte Baden eine Invasion

Der Ablauf der Badenfahrt 1947 war lange ein Streitpunkt im Komitee. Schliesslich kam die Idee auf, die Haupteinteilung der verschiedenen Sujets nach den physikalischen Kriterien des «Tragens, Schleppens und Fahrens» vorzunehmen.

Roman Huber
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1947: Nach dem «Tragen, Schleppen und Fahren» folgt die Spanischbrötlibahn gegen Ende des Umzugs.

1947: Nach dem «Tragen, Schleppen und Fahren» folgt die Spanischbrötlibahn gegen Ende des Umzugs.

zvg/Alois Feltrin

Über den Tag des grossen Festumzugs schrieb Robert Mächler in den Neujahrsblättern von 1948 Folgendes: «Die Invasion der Stadt durch das Defilee der leibhaftigen Verkehrsgeschichte war vom Polizeikomitee unter der Oberleitung von Stadtrat Büchi und Wachtmeister Studer genauestens vorbereitet worden. Von 13 bis ca. 19 Uhr wurde der Durchgangsverkehr vom Stadtinnern ferngehalten und planmässig umgeleitet. Längs der Festzugsroute, besonders an den Hauptstrassen, wo das OK lange Sitzbänke – nach dem Initianten «Zambetti-Bänke» genannt – aufstellen liess, schwollen die Zuschauermassen bald nach Mittag gewaltig an.»

Der Ablauf des Festzuges war lange ein Streitpunkt im Komitee. Es war dann Ingenieur W. Lüthy, der die zündende Idee hatte, die Haupteinteilung der verschiedenen Sujets (mit 60 teilnehmenden Vereinen) nach den physikalischen Kriterien des «Tragens, Schleppens und Fahrens» vorzunehmen, anlehnend an das Motto. Der vierte Teil war dem Jubiläumsobjekt in allen Facetten vorbehalten.

Auf dem Bild ist die Strassenausführung der Spanischbrötlibahn zu sehen, wie sie zehn Jahre nach ihrem Taufeinsatz an der Badenfahrt 1937 erstmals wieder hervorgeholt und erst auf Vordermann gebracht werden musste. Besetzt waren die Wagen von jungen Familien, gekleidet in historischen Kleidern der Biedermeierzeit.

Paul Haberbosch, Geschichtslehrer an der Bezirksschule Baden und Lokalhistoriker, war für den Umzug verantwortlich. Dieser bildete das Kernstück der Badenfahrt-Veranstaltungen. Gemäss dem Komitee durfte er nicht mehr so betont lokalhistorischen Charakter haben wie an den Badenfahrten von 1923 und 1937. Das gelang insbesondere durch den technischen Bezug zum Thema 100 Jahre Eisenbahn.

In seiner Bescheidenheit schwieg sich Robert Mächler darüber aus, was damals zu einem besonderen Badenfahrt-Spektakel wurde: Er selber hatte im Winter 1945/46 das Jubiläumsspiel mit dem Titel «Spuk um die Spanischbrötlibahn» geschrieben. Das Stück blieb im Vorfeld der Badenfahrt einesteils Sorgen-, andernteils Stiefkind des Festkomitees. Es war dann einem heroischen Entschluss der «Badener Maske» zu verdanken, dass dieses doch noch aufgegriffen wurde. Innert vierzehn Tagen wurde das Stück «in Parforce-Proben» einstudiert, «unter Regie des Regisseurs, Direktor Dr. Kachler, auf dessen Absichten Kapellmeister Richard Neumann die musikalischen Zutaten abstimmte». Es war ein Kraftakt der «Badener Maske», mussten doch insgesamt 30 Sprechrollen mit den Laienschauspielern eingeübt und aufeinander abgestimmt werden. Zur Überraschung des Verfassers Mächler wurde das Jubiläumsstück als Freilichtspiel im Kurpark gezeigt. Es wurde am Abend des ersten Festtages uraufgeführt.