Wettingen

Fiko-Präsident: «Soziale Dienste stehen kurz vor dem Grounding»

Christian Wassmer: «Als Präsident der Fiko bin ich in der Pflicht, den Einwohnerrat zu informieren.»

Christian Wassmer: «Als Präsident der Fiko bin ich in der Pflicht, den Einwohnerrat zu informieren.»

Bereits letzten Herbst sorgte Christian Wassmer (CVP) mit seinen Aussagen über die Abteilung für Aufsehen. Bis heute habe sich die Situation kaum gebessert, sagt er nun.

Die Aussagen sind happig: «Grösste Sorgen macht sich die Finanzkommission um die Sozialen Dienste.» Dort scheine es an Kompetenzen, geregelten Verantwortlichkeiten und der Wertschätzung der Mitarbeitenden zu mangeln, sagte der Wettinger Fiko-Präsident Christian Wassmer (CVP) in seinem Votum zur Rechnung 2016 an der Einwohnerratssitzung letzte Woche. Das seien eindeutige Aufgaben der Abteilungs- und Ressortleitung. Er habe den Eindruck bekommen, fügte Wassmer an, man sei «kurz vor dem Grounding». Er bitte den zuständigen Gemeinderat Martin Egloff (FDP) dringendst, sich hier persönlich zu engagieren.

Bereits an der Einwohnerratssitzung letzten Herbst hatte sich Wassmer zur besagten Abteilung geäussert. Hintergrund war eine vertrauliche Organisationsanalyse der Sozialen Dienste, in welche die Fiko Einblick hatte. Wassmers Fazit damals: «Ein erschütternder Befund, der deutlich aufzeigt, dass die Führung komplett versagt hat. Es besteht akuter Handlungsbedarf.»

Der Bericht behandelt zwar explizit die operative Leitung, doch das Urteil fiel letztlich auf die damalige Ressortvorsteherin sowie Regierungsratskandidatin Yvonne Feri (SP) zurück. Die externe Analyse hatte Feri im Zuge der Verwaltungsorientierten Leistungsanalyse (Lova 2) initiiert, um die Schwierigkeiten zu lösen, die durch ein Führungsvakuum und vermehrte Abgänge bei den Sozialen Diensten entstanden sind.

Erhoffter Erfolg blieb bisher aus

Kurz nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, präsentierte der Gemeinderat einen Katalog mit 42 Massnahmen zur Reorganisation der Sozialen Dienste. Doch offenbar setzte der erhoffte Erfolg noch nicht ein, wie Wassmer an der Einwohnerratssitzung letzte Woche durchblicken liess. «In der Zwischenzeit sind zwar gewisse Massnahmen getroffen worden, die Situation hat sich aber nicht gebessert», sagt Wassmer, der im Rahmen der Rechnungsprüfung durch die Fiko und anhand des Rechenschaftsberichts 2016 auf den neusten Stand der sozialen Dienste gebracht wurde.

Dass Wassmer mit seinen Aussagen vertrauliche Inhalte veröffentlicht hat, verneint er: «Als Präsident der Finanzkommission bin ich in der Pflicht, den Einwohnerrat zu informieren, wenn es irgendwo Problembereiche gibt. Schliesslich bewilligt er den Stellenplan.» Deshalb habe Wassmer die Sozialen Dienste erwähnt, bei denen es Mängel gebe, die «dringend behoben werden müssen». So gebe es unter anderem viele Personalwechsel, und man habe Mühe, die Stellen wieder zu besetzen. «Die Fluktuation in der Sozialabteilung ist offensichtlich und kann im Rechenschaftsbericht aufgrund der vielen Abgänge nachvollzogen werden.» Darin erwähnt sind auch diverse Gesetzesänderungen, Anpassungen verschiedener Richtlinien, die «Lova 2», die interne Strukturüberprüfung sowie die hohe Sozialhilfe-Fallzahl. Diese Faktoren hätten die Mitarbeitenden der Sozialen Dienste enorm gefordert, heisst es im Rechenschaftsbericht. Wassmer: «Es ist nötig, dass Ruhe in die Abteilung einkehrt.»

Gemeinderat bestätigt Mängel

Was sagt Gemeinderat Martin Egloff, der dem Ressort Soziale Dienste seit Februar vorsteht, zu den Aussagen des Fiko-Präsidenten? «Wir sind uns einig, dass etwas unternommen werden muss», sagt Egloff. Er bestätigt, dass es in der Abteilung Mängel gebe. Über Details lässt sich Egloff aber nicht aus, nur so viel: «Bei einigen Schlüsselstellen kam es zu Wechseln.»
Jetzt scheint Bewegung in die Sache zu kommen. Wie Gemeinderat Egloff sagt, hat sich die Exekutive in den letzten Wochen intensiv mit den Sozialen Diensten auseinandergesetzt. Man sei nun daran, wieder Ordnung in die Angelegenheit zu bringen und die nötigen Gespräche verwaltungsintern zu führen. «Wir werden dem Einwohnerrat an der nächsten Sitzung Anfang September einen Vorschlag unterbreiten, wie die Probleme in den Sozialen Diensten gelöst werden können.»

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