Baden
Filmemacherin macht sich auf die Spuren der heissen Thermalquellen

Der Film «47°C» von Claudia Bach gibt neue Einblicke in die uralten Thermalquellen von Baden. «Baden besitzt mit den Quellen einen Schatz», sagt die Filmemacherin. Der Film läuft im Kino Sterk.

Corinne Rufli
Merken
Drucken
Teilen

«Ich besuchte das Bäderquartier in einem Moment, an dem all seine Schichten freigelegt waren, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft», sagt Claudia Bach, Filmemacherin und Kamerafrau. Das war vor eineinhalb Jahren. Die Sichtbarkeit dieser Zeiten habe sie fasziniert. Aus dieser Faszination und aus ihrer persönlichen Beziehung zum Bäderquartier ist ein Film entstanden: «47°C. Die heissen Quellen in Baden.» Premiere hatte der Film am Stadtfest 2012, nun kommt er ins Kino.

«Der Film ist meinen Grosseltern gewidmet», sagt Bach. Diese führten 30 Jahre lang das Inhalatorium im Bäderquartier. «Die Liebe zum Wasser habe ich von meinem Grossvater.» Sie habe als Kind oft im heute ungenutzten Inhalatorium gebadet.

Im 55-minütigen Film macht sich Claudia Bach auf die Spuren der heissen Thermalquellen. Mit 47°Celsius sprudeln die etwa 20 Quellen im Limmatknie aus dem Boden - und das schon Tausende oder Millionen von Jahren. Man kenne, so Bach, die Bodenbeschaffenheit kaum, man wisse nicht, woher dieses Wasser komme. Es wird vermutet, dass das Wasser 29 Jahre lang unterwegs ist, bis es hier in Baden aus dem Boden kommt.

Hautnah an den heissen Quellen

Der neugierige Blick der Filmemacherin streift durch das Bäderquartier. Sie gibt auch Einblicke in die weitläufigen Kellerräume der einst herrschaftlichen Badehotels Bären, Ochsen oder Verenahof. Durch das Kameraauge erlebt man die heissen, dampfenden Quellen hautnah, bis deren Schwefelgeruch einem fast in die Nase steigt. Das mystische Sprudeln in der Musik begleitet einen durch den Film.

«Ich liess mich von den Bildern und den Tönen inspirieren», sagt die 47-Jährige, die Kamera und Regie selber führte. Beim Filmemachen habe man eine Verantwortung, man schreibe einen Teil der Erinnerung an einen Ort oder Menschen mit. «Das festgehaltene Bild prägt die Erinnerung, und ich präge die Geschichtsschreibung mit meinem Film ein Stück mit.» Neben den eindrücklichen Bildern kommen im Film auch Menschen zu Wort, die sich schon lange mit dem Quartier beschäftigen, hier arbeiten oder wohnen. Dazu gehören Kantonsarchäologin Andrea Schaer, Architekt Mario Botta, Historiker Bruno Meier, Biochemikerin Joan Davis, Geologe Jürg Stäuble, Stadtammann Stephan Attiger oder Verwaltungsratspräsident der Verenahof AG, Benno Zehnder.

Das Quellensystem ist fragil

Die Kritik am Botta-Projekt klammert Claudia Bach in ihrem Film aus. «Für mich war spannender, was unter der Erdoberfläche brodelt.» Was die Filmemacherin auch interessierte, waren generationenübergreifende Verbundenheiten mit dem Bäderquartier: Seit drei Generationen sind die Eglins Eichmeister und kontrollieren den Quellertrag. Das Hotel Blume wird in der zweiten Generation von der Familie Erne geführt. Und die Ärztefamilie Terrier hat ebenfalls eine lange Geschichte im Quartier.

«Der Ursprung von Baden liegt in den Thermalquellen», sagt Kantonsarchäologin Andrea Schaer in «47°C». Dass diese Quellen noch nicht versiegt sind, setzt eine gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure voraus, wie man im Film sieht. Das fragile Quellensystem fasziniere Claudia Bach: «Baden besitzt einen Schatz.»
«47°C. Die heissen Quellen in Baden.»

18. bis 24. Oktober, jeweils 18 Uhr. Kino Sterk, Baden.