Baden

Firma Koller Direct: «Bei uns läuft es wie im Bundesrat»

Tobias und Jürg Koller in ihrem Badener Büro, das sie auch in Zukunft gemeinsam nutzen werden. Alex Spichale

Tobias und Jürg Koller in ihrem Badener Büro, das sie auch in Zukunft gemeinsam nutzen werden. Alex Spichale

Tobias Koller übernimmt die Geschäftsleitung der Werbeagentur Koller von Vater Jürg – bleibt aber bei ihm angestellt. Der 64-Jährige Agenturgründer aus Wettingen bleibt dem Betrieb im kreativen Bereich weiterhin erhalten.

Jahreswechsel eignen sich nicht nur für gute Vorsätze, sondern auch für Geschäftsübergaben. Jürg und Tobias Koller von der Badener Werbeagentur Koller Direct jedenfalls nutzten die Gelegenheit, um den Generationenwechsel zu vollziehen: Tobias Koller hat aufs neue Jahr hin seinen Vater Jürg als Geschäftsleiter abgelöst. Der 64-Jährige Agenturgründer aus Wettingen bleibt dem Betrieb im kreativen Bereich aber weiterhin erhalten. Er sei nicht vom Tandem ab-, sondern nur umgestiegen und überlasse den Lenker nun seinem Sohn, sagt Jürg Koller.

Alltäglich ist es nicht, dass der Vater seinem Sohn das Geschäft übergibt. Haben Sie die Übergabe mit einem symbolischen Akt oder einer Feier vollzogen?

Jürg Koller: Die Übergabe war ziemlich unaufgeregt und schon lange geplant. Mitte letztes Jahr legten wir fest, dass wir den Wechsel auf Neujahr hin unseren Kunden und Partnern mitteilen wollen.
Tobias Koller: Am ersten Arbeitstag stiessen wir im kleinen Rahmen mit Familie und Bekannten an. Einen riesigen Event gab es nicht, weil es schon länger aufgegleist und daher eher eine formelle Sache war.

Sie sagen, die Übergabe war bereits länger geplant. Warum ist nun der ideale Zeitpunkt dafür gekommen?

Jürg: Ich werde dieses Jahr 65 Jahre alt. Es war immer die Idee, dass ich frühzeitig die Nachfolge regle, aber meistens verpasst man es dann doch. Als Tobias 2009 eingestiegen ist, signalisierte er relativ schnell, dass es ernst gilt. Letzten Sommer kam er zu mir und meinte, nun sei es so weit.

Bestand auch ein gewisser Druck, den Betrieb weiterführen zu müssen?

Tobias: Nein, ich klopfte selber an, um in die Agentur reinschauen zu dürfen. Davor war ich jahrelang in der Gastronomie tätig. Schon damals begann ich mit Marketingausbildungen. Als ich merkte, dass mir dieser Bereich liegt, entschied ich mich für den Wechsel.

Was ist das für ein Gefühl, wenn der Sohn die eigene Firma übernimmt?

Jürg: Ich freue mich, dass die Agentur in der eigenen Familie bleibt, was ja eine grosse Ausnahme ist. Für mich gibt es natürlich nichts Besseres. Alles andere ist abrupt. Man verkauft, erhält Geld und dann ist die Firma weg. So kann ich sie weiterbegleiten. Wenn es geht, werde ich sicher noch Jahre mitdiskutieren und ein wenig Einfluss nehmen.

Birgt diese Konstellation nicht auch die Gefahr, dass Ihr Vater sich zu stark einmischt?

Tobias: Ich war schon immer der Sohn und habe die letzten drei Jahre als Sohn mitgearbeitet. Wir hatten nie das Problem, dass er mir reinreden würde. Diesen Konflikt gab es nicht. Ich spürte immer, dass er meine Ideen auch ernst nimmt und mir die Möglichkeit lässt, diese umzusetzen.

Aber es gibt sicher auch Diskussionen zwischen Vater und Sohn.

Tobias: Es kann schon zu Debatten kommen, manchmal auch zu Hause. Aber meistens sind wir uns relativ schnell einig. Bei uns läuft es wie im Bundesrat: Wir fechten das untereinander aus, aber wenn wir einen Entscheid getroffen haben, vertreten wir ihn nach dem Kollegialitätsprinzip gemeinsam gegen aussen.

Ihr Vater hat das Geschäft vor fast 30 Jahren gegründet und seither geführt. Besteht nicht die Gefahr, dass Sie in seinem Schatten stehen?

Tobias: Das ist so, muss aber auch nichts Schlechtes heissen. Ich habe keine Mühe damit. Vielleicht gelingt es mir irgendwann, aus dem Schatten herauszutreten. Denn ich bin zwar der Sohn, aber ein anderer Mensch mit anderen Vorstellungen und Zielen.

Sie sind nun Geschäftsführer einer Werbeagentur. Wie fühlt sich das an?

Tobias: Einerseits macht es einen natürlich stolz, andererseits ist auch Respekt vor der Aufgabe da. Ich nehme es aber relativ ruhig und gelassen. Der Vorteil meiner Situation ist, dass mein Vater nicht von heute auf morgen gehen wird. Sonst hätte ich das nicht so schnell übernommen. Er wird mir konzeptionell und strategisch zur Seite stehen.

Sie übernehmen zwar die Geschäftsführung, Ihr Vater bleibt aber Inhaber der Agentur. Warum?

Tobias: Ich kann mir die Firma nicht leisten. Noch nicht. (Lacht.) Es wird vielleicht schon einmal das Ziel sein, dass ich punktuell Anteile übernehme. Aber im Moment bin ich angestellter Geschäftsführer. Die Firma gehört meinem Vater. Er kann mich nach wie vor entlassen, wenn ich ihm nicht passe.

Was haben Sie als Erstes im Geschäft verändert?

Tobias: Meinem Vater den Lohn reduziert und ihm dafür die Ferien verdoppelt (lacht). Ansonsten nicht viel, denn schon letztes Jahr habe ich intern die Leitung übernommen, sozusagen in einer Testphase.

Jürg Koller, Sie haben Ihr Pensum reduziert. Was machen Sie mit der neu gewonnenen Freizeit?

Jürg:Vor allem der mentale Druck hat nachgelassen, nicht mehr allein entscheiden zu müssen. Das war eine grosse Entspannung. Ich habe die Freiheit, für einmal schon am Donnerstagabend in unser Ferienhaus am Lago Maggiore zu gehen, um zu fischen, Schach oder Tennis zu spielen – auf was ich gerade Lust habe.

Zurück zum Geschäft: Wie entsteht eine Werbekampagne?

Tobias: Vom Kunden erhalten wir Angaben zur Ausgangslage. Dann setzen wir uns in einem Kreativmeeting zusammen und machen Brainstorming, wie wir das aufgleisen könnten. Danach braucht es eine Grundidee, an der man bastelt und die sich mit der Zeit entwickelt. Wir versuchen, zwei, drei unterschiedliche Stossrichtungen zu finden. Diese zeigen wir dem Kunden, der sich für eine entscheidet. Es beginnt also mit einer offenen Runde am Tisch und wird dann immer konkreter. Das braucht seine Zeit. Die Ideen kommen beim Joggen oder beim Laufen mit dem Hund.
Jürg: Das ist ein Prozess, der auch am Wochenende anhält. Das verfolgt einen.

Haben Sie ein Rezept für kreative Ideen?

Jürg: Einfach hinsitzen, um auf eine Idee zu kommen, funktioniert überhaupt nicht. Wichtig ist, das ganze Leben neugierig zu sein. Ob man nun in den Ferien oder sonst wo ist. Man muss beobachten, was in der Welt passiert. Dazu gehört auch, Zeitungen zu lesen und Tagesschau zu schauen. Überall lässt sich eine Idee aufnehmen. So entsteht immer wieder etwas Neues.
Tobias: Mein Vater ist schon seit fast 30 Jahren in der Agentur und kann sich durch seine Erfahrung relativ früh eine Stossrichtung vorstellen. Mir kommen die Ideen oftmals beim Joggen. Manchmal sieht man auch etwas, das man aufnimmt, während man beispielsweise im Stau steht. Es gibt nichts, das nicht schon erfunden wurde. Man muss einfach wach sein und aufsaugen, was um sich herumpassiert.

Und was passiert, wenn der Termin mit den Kunden immer näher rückt, die zündende Idee aber noch auf sich warten lässt?

Tobias: Dann wird man nervös.
Jürg: Man gewöhnt sich auch daran. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr damit. Man hat dann einfach das Messer am Hals, was oftmals gar nicht schlecht ist.
Tobias: Die Kreativen arbeiten am besten, wenn sie das Messer am Hals haben.

Wenn es um die Schweizer Werbebranche geht, denkt man in erster Linie an die grossen Agenturen aus Zürich. Wie schwierig ist es für eine Agentur aus Baden, sich in diesem Markt zu behaupten?

Jürg: Als ich 1994 von Zürich zurück nach Baden kam, sagten alle, wie kannst du nur mit einer Werbeagentur in die Pampa gehen. Von Kunden habe ich überhaupt keine negativen Reaktionen gehört. Ihnen ist völlig egal, ob das Büro in Baden oder Zürich ist.
Tobias: Für Grosskunden ist es auch ein Stück weit eine Prestigesache, dass sie grosse Zürcher Agenturen engagieren. Bei unseren nationalen Kunden zählen aber in erster Linie immer noch die Idee und die Erfahrung. Für mich war immer klar, dass unser Büro in Baden sein muss. Schon nur deshalb, weil ich in der Region zu Hause bin und hier mein Netzwerk, meine Freunde und Bekannten habe.

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