«Meet and Greet» in Baden
Firmlinge und Konfirmanden erhalten Einblick in fünf Religionen

Vertreter fünf verschiedener Religionen haben baldigen Firmlingen und Konfirmanden bei einem gemeinsamen Anlass einen Einblick in ihren Glauben gegeben.

Alexander Niedrist
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«Meet and Greet» der Religionen: Beim gemeinsamen Firm- und Konfirmations-Unterricht erhalten die Jugendlichen Einblick in fremde Glauben, bekommen aber auch kritische Fragen zur eigenen Religion beantwortet. Alexander Niedrist

«Meet and Greet» der Religionen: Beim gemeinsamen Firm- und Konfirmations-Unterricht erhalten die Jugendlichen Einblick in fremde Glauben, bekommen aber auch kritische Fragen zur eigenen Religion beantwortet. Alexander Niedrist

Alexander Niedrist

Im Saal des roten Turms fand am Donnerstagabend ein «Meet and Greet» verschiedener Glaubensangehörigen statt. Auf diese spezielle Weise bereiteten sich die jungen Badener und Badenerinnen auf ihre Firmungen und Konfirmationen vor. Je zwei Katholiken, Reformierte, Muslime, Juden als auch zwei Angehörige einer christlichen Freikirche und eine Hindufrau unterhielten sich mit den Jugendlichen über ihren Glauben und alle Religionen.

Eröffnet wurde das Treffen mit einem kurzen Zeichentrickfilm, in welchem zwei Figuren gemeinsam eine Kirche erbauen. Weil das eine Männlein ein anderes Glaubenssymbol will als das Andere, kommt es zum Streit. Dieser endet in einem Kampf mit Pfeil und Bogen. Sogar als die Stimme aus dem Himmel «Stop» schreit, hören die zwei sturen Männchen nicht auf – ein Film ohne Happy End. Dies sei auch ein Abbild der heutigen Kriege zwischen den Konfessionen, erklärte Jugendseelsorgerin Cornelia Haller, die das Treffen mitorganisiert hatte. «Dabei sollten wir doch über die verschiedenen Glaubensrichtungen miteinander sprechen können.»

Genau dies taten die jungen Badener und Badenerinnen danach an fünf «Workshop-Posten». An jedem Tisch konnten sie während 20 Minuten Fragen stellen und so etwas über die jeweilige Religion erfahren. Zuerst mussten die Firmlinge und Konfirmanden aber selbst versuchen, einige Fragen zu den Glaubensrichtungen zu beantworten: Wie heisst die Heilige Schrift? Gibt es einen oder mehrere heilige Orte? Was ist einer der Unterschiede zwischen Katholiken und den Reformierten? Danach sprudelten die Fragen an die Glaubensvertreter nur so aus den Mündern der Jugendlichen. Selbst an den katholischen und reformierten Arbeitsstationen gab es noch dringenden Klärungsbedarf. So wollten sie wissen, was bei den Katholiken alles verboten sei, und ob man denn als Frau wirklich nicht schultefrei herumlaufen dürfe.

Am «muslimischen Tisch» diskutieren sie wiederum über die Gebete und warum sie im Islam so wichtig sind. Die junge Muslimin erklärte: «Beten ist nichts anderes als Danke zu sagen. Danke für Gesundheit und für ausreichend Essen.» Doch Gebete wirkten auch körperlich sehr entspannend, man könne damit abschalten. An einem weiteren Posten klärte eine Hindufrau über ihren Glauben. Auch hier hingen die Teenager an den Lippen der jungen Frau, die von ihren vielen verschiedenen Göttern und deren Bedeutung erzählte. So entstanden an allen Posten spannende Diskussionen, bei denen die Jugendlichen viele Gemeinsamkeiten unter den Religionen entdeckten – und dass kein Glaube falsch ist.

Stefanie Rimann, 16, Rütihof «Mich hat beeindruckt, dass im Hinduismus die Frauen bis heute vernachlässigt werden. Ich habe trotzdem gemerkt, dass alle Religionen so viele Gemeinsamkeiten haben.»
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Jonas Zierer, 16, Ennetbaden «Am interessantesten war, zu sehen, was die Leute bewegt und wie sie über ihren Glauben denken. Diese Momente haben mir sehr gut gefallen.»
Benjamin Steiner, 14, Baden «Am meisten fasziniert hat mich, dass der Vertreter der Reformierten offen darüber gesprochen hat, was ihn an anderen Religionen stört und er dennoch nicht verstehen kann, warum wegen Religionen Kriege geführt werden.»
Jan Eggenschwiler, 16, Ennetbaden «Sehr gefreut hat mich, dass alle Glaubensvertreter sehr freundlich und für alle Fragen offen waren. Schön war auch, dass sie mir gezeigt haben, dass keine Glaubensrichtung falsch ist.»
Melanie Moser,17, Baden «Ich kannte den Hinduismus kaum. Mit allen kam ich aber ohne Anspannung ins Gespräch. Meine Fragen wurden mir mit viel Verständnis alle beantwortet. Das hat mich sehr beeindruckt.»

Stefanie Rimann, 16, Rütihof «Mich hat beeindruckt, dass im Hinduismus die Frauen bis heute vernachlässigt werden. Ich habe trotzdem gemerkt, dass alle Religionen so viele Gemeinsamkeiten haben.»

Alexander Niedrist

Als sich der «Workshop» nach drei Stunden dem Ende nahte, beschwerten sich einige, sie seien nicht an allen «Posten» gewesen. Die Leitung sah sich ob dem leidenschaftlichen Interesse der Jugendlichen gezwungen, noch einen zusätzlichen Durchgang zu machen. «Es ist schön, dass die Jugendlichen solch eine Freude haben», sagte Cornelia Haller. «Wir möchten diese Veranstaltung unbedingt beibehalten.» Denn das Ziel dieser Plattform sei, Jugendliche zur Zusammenarbeit und zum Dialog anzuspornen. «Mission erfüllt!», sagte sie zufrieden.

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