Fislisbach
Fislisbach: Anwohner wehren sich gegen drei Bauklötze

Erst war in der «Mattrüti» eine Altersresidenz geplant. Mit der Übernahme des Projekts durch den Investor «Mettler2Invest AG» aus St. Gallen soll nun anstatt einer Altersresidenz eine Überbauung mit 42 Wohnungen entstehen.

Erna Lang-Jonsdottir
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Beat Wettstein ist Sprecher der Anwohner der Mattrütistrasse. EFR

Beat Wettstein ist Sprecher der Anwohner der Mattrütistrasse. EFR

Die Anwohner der Mattrütistrasse sind verärgert: Seit 2009 versuchen sie, mit Sammeleinwendungen Änderungen des Bauvorhabens «Mattrüti» zu erreichen.

Nachdem ihre Einwendungen – vorwiegend die Grösse der drei vorgesehenen Gebäude betreffend – beim Gemeinderat abblitzten, bewilligte der Kanton den Gestaltungsplan für eine Altersresidenz der Firma Senevita aus Wabern bei Bern.

Zwei Jahre später dann der nächste Dämpfer für die Anwohner. Der Gemeinderat hat das Baugesuch Anfang Juli bewilligt. Jetzt reichen die Anwohner eine Beschwerde beim Kanton ein.

Gemeinderat unter Beschuss

«Wir wollen diese drei unsympathischen Bauklötze nicht», ärgert sich Wettstein. Sie würden durch die Grösse der Gebäude die Aussicht verlieren – doch darum gehe es ihnen nicht primär. «Wir fühlen uns vom Gemeinderat hintergangen», sagt er.

Im Gegensatz zum Bauherrn der geplanten Altersresidenz hätten sich die Anwohner der Mattrütistrasse beim Bau ihrer Häuser an die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) halten müssen.

Dadurch, dass der Kanton den Gestaltungsplan bewilligt habe, sei eine Umzonung der bestehenden Wohnzone umgangen worden. «Der Kanton kann so ein Bauprojekt bewilligen, das grösser ist, als dass es die BNO der Gemeinde vorsieht», erklärt Wettstein. Letztlich habe man sich dann damit abgefunden, dass dort eine Altersresidenz entsteht.

Dass jetzt eine Überbauung mit 42 Wohnungen gebaut werden soll – dafür haben die Anwohner aber kein Verständnis. Für sie ist klar: «Da die Altersresidenz mit einem Angebot von Betreuungs- und Pflegedienstleistungen nicht gebaut wird, sind die Grundlage und der Zweck des Gestaltungsplans nicht mehr gegeben», sagt Wettstein.

Gebäudestruktur ist unverändert

Gemeindeschreiber Donat Blunschi kontert: «Der Gestaltungsplan ist eine rechtskräftige Grundlage. Der Gemeinderat hat das Baugesuch anhand des Gestaltungsplans geprüft.» An der im Gestaltungsplan vorgesehenen Gebäudestruktur werde nichts verändert.

Die Wohnungsgrundrisse seien nicht Teil des Gestaltungsplans. «Die Auflagen des Gestaltungsplans sind mit dem Bauprojekt erfüllt, auch was den Zweck betrifft», betont Blunschi.

Der Gemeinderat habe das Baugesuch mit der Bedingung bewilligt, dass in 50 Prozent der Wohnungen mindestens eine Person über 55 Jahre oder eine Person mit einer Behinderung lebe. Wettstein: «Das macht aber keine Altersresidenz aus den Gebäuden.»

Wohnungen im Schatten

«Unter den 42 geplanten Wohnungen sind lediglich 6 als sogenannte Alterswohnungen vorgesehen», behauptet Wettstein. Diese seien im Parterre der Überbauung vorgesehen, «also absolut im Schattenbereich», fügt Wettstein hinzu.

Zudem seien 22 Wohnungen mehrheitlich nach Norden ausgerichtet. «Gemäss Bauordnung dürfen unter anderem aufgrund der Belichtung aber nur in Ausnahmefällen Wohnungen gegen Norden ausgerichtet sein», gibt Wettstein zu bedenken.

«Diese Ausführungen stimmen nicht. Alle Wohnungen werden altersgerecht gebaut», kontert Stefan Schreiber von der Firma «Mettler2Invest AG». Zudem seien sie sich der Bauordnung absolut bewusst: «Die Wohnungen haben einen Wohnbereich im Norden, sind aber nach Westen oder Osten orientiert.» Die Grundrisse im Haus seien verändert worden, weil es keine Pflegezimmer mehr brauche.

Projekt wird weiter verzögert

«Im Übrigen machen neue Vorschriften im Pflegebereich eine Altersresidenz in der Grösse nicht mehr finanzierbar», erklärt Schreiber. Aus diesem Grund habe sich die Firma Senevita von dem Bauprojekt zurückgezogen.

«Es wird keine Altersresidenz oder betreutes Wohnen in dieser Überbauung geben. Wir werden aber eine Wohnung im Haus so einrichten, dass Dienstleistungen, wie Arztbesuche, der Coiffeur und Therapien, möglich sind», betont Schreiber.

Die «Mettler2Invest AG» sei von Anfang an als Investor und als Projektentwickler dabei gewesen. Er habe gehofft, dass die Anwohner auf eine Beschwerde verzichten würden. «Es ist schade, dass dieses für Fislisbach wichtige Projekt weiter verzögert wird», bedauert Schreiber.

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