Fislisbach
Ausbildungen in New York und London: Jetzt eröffnet ein Badener seinen ersten eigenen Haarsalon

Nachdem der 37-jährige Emir Kuljici auf der ganzen Welt Erfahrungen gesammelt hat, startet er mit «The Wörk» nun seinen eigenen Coiffeurladen – und lockt Kundschaft aus der ganzen Schweiz an.

Sarah Kunz
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Emir Kuljici in seinem neuen Haarsalon in Fislisbach. Dank Ausbildungen in der ganzen Welt konnte er seine Techniken perfektionieren.

Emir Kuljici in seinem neuen Haarsalon in Fislisbach. Dank Ausbildungen in der ganzen Welt konnte er seine Techniken perfektionieren.

Britta Gut

Die Decke in sattem Olive, Sessel in Braun, Möbel in Beige. Und mittendrin: Emir Kuljici. Mit seinen dunkelgrünen Stoffhosen passt er perfekt zur modernen und doch naturnahen Einrichtung seines neuen Haarsalons «The Wörk». Der 37-Jährige ist gelernter Coiffeur und hat schon in den verschiedensten ausländischen Grossstädten gearbeitet: New York, Los Angeles, London, Paris. Die Welt, sein Arbeitsplatz. Am 1. Juli eröffnete er nun sein erstes eigenes Geschäft – in keiner bekannten Metropole, sondern in Fislisbach.

Kuljici wohnt mit seiner Familie in Dättwil, hat dort seine Lehre absolviert, besitzt rund um Baden seinen Lebensmittelpunkt. Weil er sich aber dank seiner Ausbildungen bereits einen Namen als Haar-Virtuose machen konnte, stammt Kuljicis Kundschaft aus allen Teilen der Schweiz. Die wichtigste Voraussetzung für den eigenen Laden war deshalb die Nähe zur Autobahn – auch Zürich wäre infrage gekommen. Für Kuljici war der Fall aber schnell klar: «Ich hänge zu sehr an der Region Baden.» Kein Wunder also, hat er sich für Fislisbach entschieden.

Mit persönlicher Beratung Einzigartigkeit schaffen

Noch fahren Bagger um die neue Überbauung an der Leemattenstrasse herum. Der Garten ist ein einziger Schlammhaufen und immer wieder wird das Gespräch von Bohren und Hämmern unterbrochen. Doch das hat bald ein Ende. Demnächst soll Rollrasen die Gebäude säumen, eine Lounge für den Aussenbereich wird nächstens geliefert. Auch drinnen müssen noch die letzten Dekosachen ankommen, dann verwandelt sich der Salon in die gewünschte Ruheoase. «Mir ist wichtig, dass sich meine Kundschaft wohl fühlt», sagt Kuljici. Während beispielsweise die Tönung einwirkt, soll die Lounge deshalb einen gemütlichen Platz zum Sitzen und Warten bieten, für mehr Privatsphäre ist das Haare-Waschen räumlich vom Haare-Schneiden abgetrennt. Die Idee mit den separaten Räumen ist abgekupfert von einem Salon in Los Angeles.

Von seinen Reisen bringt Kuljici aber mehr mit, als nur Inspiration für die Einrichtung. «Dank meiner Weiterbildungen habe ich immer die neusten Techniken gelernt», sagt er. So etwa für Balayage. Dabei handelt es sich um eine Färbetechnik, mit der man einen natürlichen Look erzielt – als hätte die Sonne die Haare geküsst. Um das gewünschte Ergebnis zu erzielen, reichen Fertigkeiten alleine jedoch nicht aus. Auch Erfahrung ist nötig. Kuljici sagt:

«Ich erkenne mittlerweile schnell, welcher Farbton zu welchem Tein passt oder wie ein Haarschnitt die Gesichtsform besser zur Geltung bringt und kann so das Maximum herausholen.»

Während er das sagt, huschen seine Augen kurz zum Haarschnitt der Gesprächspartnerin. Sein Gesicht verrät keine Miene. Doch die Neugier siegt. Und die Anfrage für eine Demonstration seines Könnens folgt.

Auf seinem Instagram-Account präsentiert Emir Kuljici seine Werke:

«Zu Ihrer Hautfarbe würde ein goldener Haarton besser passen als ein rötlicher», erklärt Kuljici sofort. «Für einen natürlichen Look müssten die Strähnchen an den Schläfen hochgezogen werden.» Dann steht er auf und lässt seine Finger durch das Haar fahren. «Sie müssten Produkte ohne Parabene verwenden. Diese würden das Haar besser nähren und Ihre natürlichen Wellen besser zur Geltung bringen», fährt er fort. «Die Länge passt gut, aber der Schnitt sollte abgestufter sein, damit ihr Gesicht mehr von Ihren Haaren eingerahmt als von ihnen verdeckt wird.» Während Kuljici diese kurzen Erklärungen abgibt, kommt seine ganze Leidenschaft und sein gesamtes Fachwissen zur Geltung.

Trotz Luxusangebot: Preise bewegen sich im Mittelmass

«Weiterbildung ist alles», erklärt er dann. «Man darf im Leben nie stehen bleiben.» Deshalb stellt er künftig auch einen Lernenden an, an den er sein Wissen weitergeben kann. Er sagt:

«Jeder kann Haare färben, aber die typenspezifische Beratung macht den Unterschied zu einem personalisierten Haarstil aus. Der Kunde erfährt nie grösseren Luxus, als wenn der Coiffeur sich wirklich Zeit nimmt.»

Damit spricht er ein weiteres Thema an: den Luxus. Er selbst, ein Künstler. Seine Produkte, 100 Prozent vegan, eine schwedische Marke. Das muss seinen Preis haben. «Natürlich kostet Expertise», sagt er. Ein Langhaarschnitt mit Waschen und Föhnen kostet im «The Wörk» 98 Franken, Balayage mit Tönung für langes Haar 180 Franken.

Ohnehin scheint die Kundschaft den Preis gerne zu bezahlen. «Einige meiner Kundinnen reisen mir nach seit sie zum allerersten Mal bei mir waren», sagt Kuljici. «Sie schätzen den persönlichen Touch und meine Arbeit.» Aber auch, dass er mit der Zeit gehe, komme gut an. So sind die Spiegel im Salon etwa alle beleuchtet. «Für gute Instagram-Stories», erklärt Kuljici. Anhand von Social Media könne er zukünftigen Kundinnen und Kunden seine ganze Palette präsentieren. «Die ehrlichste Art von Werbung bleibt aber die persönliche Weiterempfehlung. Und darauf will ich setzen.» Letztlich sprechen auch die Zahlen für sich: Obwohl der Salon gerade erst eröffnet hat, gibt es Termine fürs Haare-Färben erst wieder im September.