Fislisbach
Wegen Defizit von einer Million Franken: Gemeinderat verzichtet auf mehr Lohn ‒ und zahlt auch die jährliche Reise aus der eigenen Tasche

Fislisbach machte 2020 ein Minus von einer Million Franken. Der Gemeinderat hat deshalb beschlossen, keinen Antrag auf eine Entschädigungserhöhung zu stellen ‒ er berappt auch die jährliche Reise selbst.

Claudia Laube
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Der gesamte Fislisbacher Gemeinderat tritt am 26. September bei den Gesamterneuerungswahlen wieder an. Das sind Gemeindeammann Peter Huber, Vizeammann Andreas Mahler sowie die Gemeinderäte Christoph Schott, Simone Bertschi und Andreas Sommer. Sie werden bei einer Wiederwahl mit dem gleichen Betrag entschädigt wie bisher. Der Gemeinderat ist zum Schluss gekommen, auf eine Anpassung für die Amtsperiode 2022/25 zu verzichten und der Gemeindeversammlung vom 23. Juni keinen Antrag zu stellen, wie er diese Woche mitteilte.

Gemeindeammann Peter Huber an der 1.-August-Feier im Jahr 2019 in Fislisbach.

Gemeindeammann Peter Huber an der 1.-August-Feier im Jahr 2019 in Fislisbach.

Patrick Hersiczky

Aktuell verdient der Fislisbacher Gemeindeammann 57'400 Franken jährlich, der Vizeammann 26'400 Franken und die restlichen drei Mitglieder je 21'810 Franken – sie alle sind im Nebenamt tätig. «Unsere Entschädigungen wurden 1997 festgelegt und seit dann nur noch teuerungsbedingt angepasst», sagt Gemeindeammann Peter Huber, der seit 2014 im Amt ist.

Der Verzicht, die Entschädigungen zu erhöhen, trage auch zur Entlastung des angespannten Finanzhaushaltes bei. Die Rechnung 2020 schloss die Gemeinde mit einem Minus von über einer Million Franken ab – einiges mehr als die budgetierten 874'000 Franken. Grund: Fislisbach nahm weniger Steuern ein als erwartet.

An der Gemeindeversammlung im November hatten die Stimmberechtigten mit 76 Ja- zu 68 Nein-Stimmen nur knapp einer Steuerfusserhöhung von 103 auf 109 Prozent zugestimmt – um mittelfristig einen ausgeglichenen Finanzhaushalt zu erreichen. Die Erhöhung sei dringend notwendig gewesen, erklärte der Gemeinderat bei der Publikation des Rechnungsergebnisses 2020.

«Wir sind immer noch gut bezahlt»

Dass die Fislisbacher Exekutive auf die neue Legislaturperiode hin nun wiederum keine höhere Entschädigung erhält, findet Huber angemessen: «Aus meiner Sicht sind wir immer noch gut bezahlt.» Seit Anfang 2018 seien auf der Gemeinde eine Geschäftsleitung installiert, die Verwaltung wurde reorganisiert und die Informatik laufend modernisiert. «Die jetzige Aufteilung der Aufgaben führt dazu, dass die Arbeit im Gemeinderat adäquat entschädigt wird», sagt Huber.

Der Fislisbacher Gemeinderat hat als weitere Sparmassnahme beschlossen, auch den jährlichen Gemeinderatsausflug selbst zu bezahlen. Dieser wird also in diesem Jahr von jedem Mitglied selbst berappt. Normalerweise handelt es sich dabei um einen Betrag von rund 3000 Franken aus der Gemeindekasse. «Natürlich ist das kein grosser Betrag, aber wir haben einen Sparauftrag der Bevölkerung und wollen damit zeigen, dass wir diesen ernst nehmen», sagt Peter Huber.

Das Budget 2021 und die Steuerfusserhöhung seien zwar vom Volk genehmigt worden, aber der Gemeinderat habe die Finanzen trotzdem genau im Auge. Huber bekräftigt:

«Auch wenn etwas bewilligt ist, überprüfen wir trotzdem laufend noch einmal, ob die Ausgabe wirklich nötig ist.»