Regionales Projekt
Fliegt der Traum des Mättelistegs davon?

Was wird nun aus dem regionalen Projekt eines Mättelistegs zwischen dem Oederlin-Areal und den Bädern? Nach dem Badener Nein und dem Ja an der Gmeind in Ennetbaden schaut alles auf Obersiggenthal. Bei einem Ja käme der Stadtrat Baden in Zugzwang.

Roman Huber
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Denkwürdiger Moment Im März 2007: Der Bauarbeiter zieht den Limmatsteg zwischen Streuli-Areal und Promenade in die richtige Position. az-Archiv/Wal

Denkwürdiger Moment Im März 2007: Der Bauarbeiter zieht den Limmatsteg zwischen Streuli-Areal und Promenade in die richtige Position. az-Archiv/Wal

Walter Schwager

Am Limmatknie, zwischen Oederlin-Areal und dem Mättelipark, wo die Gemeinden Baden, Ennetbaden und Obersiggenthal zusammentreffen, ist der Mättelisteg geplant. «Vor fünf Jahren haben wir den gemeinsamen Entwicklungsrichtplan verabschiedet», sagt Pius Graf, Ammann der Gemeinde Ennetbaden, die beim Projekt federführend ist. Der Plan sei behördenverbindlich und der Steg Bestandteil davon. Im Jahr 2012 wurde für den Fussgänger- und Velosteg ein Projektwettbewerb durchgeführt. Der Bund versprach für die Realisierung aus seinem Agglomerationsprogramm Aargau eine Subvention von 0,5 Millionen Franken.

3,46 Millionen Franken...

... betragen die Bruttokosten für den Bau des Mättelistegs. Davon wird der Bund 504'000 Franken übernehmen. Aufgeteilt auf Baden, Ennetbaden und Obersiggenthal ergibt sich je Gemeinde ein Nettobeitrag von 0,955 Mio. Franken.

Doch in diesem Herbst kam alles anders als erwartet: Im September kündigte der Gemeinderat Obersiggenthal an, dass er den Baukredit wegen der Finanzmisere der Gemeinde jetzt noch nicht dem Einwohnerrat vorlegen werde. Mitte Oktober schickte im Einwohnerrat Baden eine knappe Mehrheit von FDP, SVP und SP den Kredit Limmat abwärts. Der Ennetbadener Gemeinderat wollte daraufhin das Vorhaben zuerst von der Traktandenliste nehmen, entschied sich dann aber anders. Vergangene Woche hat die Gemeindeversammlung den Kredit fast einstimmig angenommen.

Angesichts der Patt-Situation – ein Nein, ein Ja, ein Unentschieden – ist für Graf unbestritten: «Es muss nun geprüft werden, wie eine Realisierung noch ermöglicht werden kann.» Zwei Punkt seien entscheidend: Wie lange der angesagte Bundesbeitrag von über einer halben Million Franken noch ausbezahlt würde, und zu welchem Zeitpunkt der Steg noch gebaut werden könnte, wenn der Bau des Bottabades mit der Erweiterung des Parkhauses unter dem Mättelipark einmal begonnen hat. «In den nächsten sechs bis zwölf Monaten muss also ein Entscheid zum Mättelisteg gefällt werden», so Pius Graf. Trotz des Badener Neins habe er jedenfalls die Hoffnungen noch nicht begraben.

Wiedererwägung in Baden?

«Es gilt den Entscheid des Einwohnerrates zu akzeptieren, auch wenn ich ihn persönlich nicht als glücklich erachte», sagt Badens Vizeammann, Bauvorsteher Markus Schneider offen und fügt gleich an: «Wenn nun Obersiggenthal nach dem wuchtigen Ennetbadener Ja den Ball aufnehmen würde, dann müsste man sich auf der Badener Seite Gedanken darüber machen, wie man mit der Situation verfahren soll.»

Als möglichen Weg bezeichnet Schneider eine Wiedererwägung, die im Einwohnerrat angegangen werden könnte, sofern ein entsprechender Vorstoss eingereicht würde. Es sei nicht opportun für den Stadtrat, nach einem Nein selber mit einer Wiedererwägung an den Einwohnerrat zu gelangen, macht Schneider klar: «Wenn aber Obersiggenthal wie Ennetbaden dem Baukredit zustimmen würde, müsste man dies jedoch prüfen.» Für Stadtammann Geri Müller ist klar: «Der Stadtrat ist vom Nutzen dieser Verbindung über die Limmat aus städtischer und regionaler Sicht überzeugt.»

Druck auf Obersiggenthal wächst

Vom Mättelisteg am meisten profitieren würden die Bewohner in der geplanten Neuüberbauung auf dem Oederlin-Areal. Beim Projekt «Zackenbarsch» der Schoop Architekten, das bei einem Wettbewerb als Sieger hervorging, könnten sich Vorteile für den Investor ergeben. So liesse sich beim Gestaltungsplan wegen der guten Erschliessung die Zahl der verlangten Parkplätze und damit die Baukosten reduzieren. Eine Anfrage beim Investor um eine Kostenbeteiligung würde sich also rechtfertigen. Man könne sich in der jetzigen Planungsphase dazu noch nicht äussern, heisst es bei der Oederlin AG.

«Wir haben den Baukredit bewusst nicht auf die Traktandenliste für die nächste Einwohnerratssitzung genommen, gerade weil der Mättelisteg nicht zuletzt für die Entwicklung des Oederlin Areals strategisch so wichtig ist», sagt Obersiggenthals Gemeindeammann Dieter Martin. Der Gemeinderat wollte das Risiko nicht eingehen und eine Ablehnung des Baukredits in Kauf nehmen, was in Anbetracht der Finanzlage der Gemeinde doch möglich gewesen wäre.

Dieter Martin macht jedoch klar, dass eine Beteiligung Obersiggenthals beziehungsweise die Vorlage eines Baukredites damit «überhaupt nicht gestorben» sei. «Wir stehen seit kurzem wieder in Verhandlungen mit dem Investor und werden nebst dem planerischen Verfahren auch den Punkt einer Kostenbeteiligung ansprechen», sagt Martin. Es gelte nun, die nächsten Schritte abzuwarten. Der Gemeinderat sei aber weiterhin bereit, beim Projekt Mättelisteg mitzumachen.