Coming-out-Tag
Florian Vock: «Wegen meiner Homosexualität habe ich schon Bibeln erhalten»

Heute ist der Coming-out-Tag. «Hesch dis Coming-out hüt scho gha?», lautet das Motto. Florian Vock, Präsident der Juso Aargau, spricht zu diesem Anlass über sein eigenes Coming-out, übe die Reaktionen und über Rollenbilder.

Corinne Rufli
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«Ich hatte das grosse Glück, dass mein Coming-out ganz unproblematisch verlief», sagt Florian Vock. «Aber das ist auch heute noch nicht selbstverständlich.» Je nachdem, woher man komme, was für eine Familie man habe, oder wo man arbeite, könne ein Coming-out ganz unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Der 22-jährige Gebenstorfer studiert Soziologie und Philosophie, hat Nebenjobs in Bars und als Lichttechniker, ist Präsident der Juso Aargau und ist, eben, schwul.

Sichtbarkeit soll erhöht werden

Heute findet der Coming-out-Tag statt. «Hesch dis Coming-out hüt scho gha?», lautet das Motto. «Ein Coming-out ist nicht etwas, das man nur einmal im Leben macht und dann weiss es die Welt. Das Coming-out ist nie abgeschlossen.»

Fast täglich komme Vock in die Situation, in dem er sich entscheiden müsse, ob er sich outen soll oder nicht. Er ist für die offensive Variante: «Ich dränge mich grundsätzlich auf mit dem Thema. Mir wurden auch schon Bibeln geschickt.» Es gebe aber nur selten negative Reaktionen. Die Sichtbarkeit von Lesben und Schwulen sei das Wichtigste, um anderen das Coming-out zu erleichtern. «Sobald man jemanden kennt, der schwul oder lesbisch ist, verschwinden die Vorurteile.»

Vock weist darauf hin, dass die Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen fast 10-mal höher sei, als bei heterosexuellen. Das habe aber nichts mit ihrem Lesbisch- oder Schwulsein zu tun – dazu komme es aufgrund der Reaktionen und Zwänge der Familie und Gesellschaft. «Schon längst sollten die Alarmglocken läuten, doch es wird einfach totgeschwiegen.»

Zeitschrift für Falschsexuelle

In Vocks Wunschgesellschaft wäre es irrelevant, ob jemand heterosexuell oder homosexuell ist. Er setzt sich für quere Ideen ein, die er als Chefredaktor vom «Milchbüechli» einbringt. Die erste Ausgabe der «Zeitschrift für die falschsexuelle Jugend» ist kürzlich erschienen.

Die Idee hinter dem Magazin sei, ein Gegenbild zur heterosexistischen, normierten Lebensgestaltung zu schaffen. «Auch in den Köpfen vieler Lesben und Schwulen geht es darum, möglichst den heterosexuellen Vorstellungen zu entsprechen», so Vock. Das bedeute, dass man den Partner fürs Leben suche, Kinder, Hund und Haus möchte. «Wir machen Gegendruck und hinterfragen die Geschlechterrollen. Jeder soll sein Leben gestalten können, wie er will – ohne dass einem ein vorgetrampelter Lebensstil aufgezwungen wird.»