Schon vor dem Eintreten ist klar: Ende März ist Schluss. Darauf weist ein Aushang hin, der an der Eingangstür klebt. Im Raum dahinter sind Aufräumarbeiten im Gang, Schachteln, Palette und Vasen stehen auf dem Boden. Das ist das Atelier von Doris Haller.

Die 56-jährige Floristin schliesst ihre Blumenwerkstatt im Badener Merkerareal per Ende März. Es sei ein sehr guter Entscheid, sagt Haller bestimmt: «Ich bin einfach müde. Mir fehlt die Kraft für den gesamten Aufwand.» Etwas Melancholie schwingt in ihrer Stimme mit. Man merkt, 24 Jahre im Geschäft gehen nicht spurlos an Haller vorbei.

Fast schon von Besessenheit ist die Rede: «Nach so vielen Jahren im Business konnte ich nicht mehr richtig abschalten. Mein letzter Gedanke am Abend und mein erster am Morgen drehte sich um das Geschäft.»

«Die Leute kaufen häufiger online»

Ein Blumenladen schliesst, da kommt die Frage auf: Rentierte das Geschäft nicht mehr? In ihrem Fall sei es die Energie, die nach so vielen Jahren fehle, sagt Haller: «Die Schliessung kommt nicht aus wirtschaftlichen Gründen. Aber eine Veränderung bei der Nachfrage ist da, das spüren ja auch andere Branchen.»

Mit Veränderung sei auch die Art gemeint, wie die Leute heute einkaufen, sagt Haller: «Ich denke, dass durch die Digitalisierung die Online-Bestellung dem Gang in den Blumenladen häufiger vorgezogen wird. Es muss heute alles schneller gehen, die Leute haben nicht mehr so viel Zeit wie früher, das nehme ich wahr.» Eine Zusammenarbeit mit einem grösseren Onlinehandel für Blumen sei für Haller nie Thema gewesen, zu sehr liebe sie eine gewisse Freiheit in der Gestaltung von Blumenwerken.

Die Nachfrage nach Blumen ist in Baden vorhanden, da sind sich viele Ladeninhaber einig. Problematischer sind die Mietpreise für Räumlichkeiten. Auch Manuela Zeller schliesst ihren Blumenladen «Blütenpunkt» an der Stadtturmstrasse wie Haller auf Ende März: «Bei über 3000 Franken Miete pro Monat muss man schauen, dass man über die Runden kommt.»

Manuela Zeller, «Blütenpunkt».

Manuela Zeller, «Blütenpunkt».

Abgesehen vom Mietpreis sei die Existenz auch aufgrund von Grosshändlern immer schwieriger: «Der regionale Markt ist umkämpft, da mittlerweile auch Grosshändler wie Coop ein wachsendes Blumensortiment anbieten.» Nach einer Auszeit hat Zeller vor, wieder einen Laden zu eröffnen. Im Gespräch sei ein gemeinsames Blumengeschäft mit einer Kollegin, konkret geplant ist jedoch noch nichts.

Digitalisierung als Chance

Die Mietbedingungen in Baden geben auch anderen Blumenhändlern zu denken. Etwas dagegen zu unternehmen sei schwierig, sagt Chris Schmid, Inhaber vom «Blumen Schmid» im Metroshop: «Die Mieten sind sehr hoch, aber man hat ja keine Wahl. Sonst wird sich ein Grossverteiler den Platz sichern und das Individuelle geht den Bach runter.»

Chris Schmid, «Blumen Schmid».

Chris Schmid, «Blumen Schmid».

Am Theaterplatz befindet sich das Blumengeschäft «Baden blüht!». Inhaberin Franziska Schoop bestätigt die hohen Mietpreise und ist sich der umkämpften Marktsituation bewusst: «Um finanziell nicht in Schwierigkeiten zu geraten, habe ich das Sortiment um Gartenmöbel erweitert.» Seit Ende des letzten Jahres können ihre Kunden das Sortiment zudem über einen Online-Shop ansehen.

Franziska Schoop, «Badenblüht».

Franziska Schoop, «Badenblüht».

Blumenhändler in Baden müssen also mit erschwerten Bedingungen kämpfen. Doris Haller arbeitet künftig bei ihrem Lieferanten und betreibt zusammen mit drei ihrer Angestellten weiterhin das bestehende Blumengeschäft im Kantonsspital Baden. Der restliche Lagerbestand im Merkerareal ist bis Ende März im Atelier erhältlich, sagt Haller: «Jeden Freitag und Samstag von 10 bis 16 Uhr gibt es bei mir meine letzten Vasen und andere Utensilien zu kaufen.»