12'170 Franken brachte die Crowdfunding-Aktion des Teams Polygon und Kafi Royal zusammen. Hauptziel war, Menschen mit Migrationshintergrund und geringen finanziellen Mitteln den Erwerb eines Badenfahrt-Passes zu ermöglichen. Doch die Flüchtlinge aus aller Herren Ländern sollten das Fest nicht nur passiv miterleben, sondern aktiv mitgestalten.
Menschen aus Afghanistan, Syrien, Tibet, Eritrea, Äthiopien, Iran, Serbien und weiteren Ländern haben beim Aufbau der Vereinsbeiz «Nour – Kafi Royal» gesägt, geschweisst, geplättelt, genäht und gegärtnert. Sie alle sind nun als Küchencrew oder im Service tätig.

Einer davon: Mohamed Naseri aus Afghanistan. Der 26-jährige Kriegsflüchtling ist seit 2014 in der Schweiz, wohnt in Wettingen und macht eine Lehre als Assistent für Gesundheit und Soziales (AGS) in einem Pflegeheim. «Unsere Beiz ist die schönste», findet er, zeigt auf die mit Blumentöpfen bestückte Front und strahlt stolz. Was hat er sonst für Eindrücke von der Badenfahrt? «Ich habe noch nie einen derart grossen Anlass erlebt. Die Bauten sind teilweise riesig und stehen bloss zehn Tage hier. Erstaunlich.» Feste in seinem Heimatland, wo er drei Geschwister hat, gibt es schon lange keine mehr zu feiern.

Die Badenfahrt ist auch eine kulinarische Weltreise:

Afghanisches Reisgericht

Ghirmay Habte, ein 24-jähriger Eritreer, der ebenfalls in Ausbildung zum AGS ist, erinnert sich an Hochzeiten und christliche Anlässe in seinem nordostafrikanischen Zuhause. «Die sind zwar auch riesig und ausgelassen, aber viel einfacher als hier. Das kann man gar nicht miteinander vergleichen.» Die beiden haben am Tag des Interviews Bardienst und helfen beim Kochen mit. «Heute gibt es ein afghanisches Reisgericht», freut sich Mohamed. Für ihn, Ghirmay und alle anderen Flüchtlinge ist das Essen im «Nour – Kafi Royal» gratis. «Wir haben die Preise aber auch für Festbesucher tief gehalten», erzählt OK-Mitglied Sanja Samardzija.

Zwei Wochen Ferien bezogen

Auf einem Spaziergang der Limmat entlang schauen sich die jungen Männer aus Afghanistan und Eritrea gerne auch die anderen Stände und Beizen an. Mohamed verdient zwischen 600 und 700 Franken pro Monat. Vieles ist für ihn astronomisch teuer. Fragt man ihn, was er davon hält, schweigt er und staunt bloss. Die speziell gebaute Treppe Richtung Kurpark fasziniert Ghirmay, der in Baden ein Zimmer hat. «Wenn man oben steht und herunterschaut, sieht man die Stadt aus einem völlig neuen Blickwinkel», findet er. Mohamed und Ghirmay unterhalten sich auf Deutsch. Kennen gelernt haben sie sich anlässlich des Deutschtreffs, den das Kafi Royal jeden Dienstag kostenlos anbietet. Ihre Sprachkenntnisse sind ausserordentlich gut und haben sich durch die Mitarbeit am Badenfahrt-Projekt noch verbessert.

Beim Bummel durch das Festgebiet ist deutlich zu spüren, dass es sie wieder Richtung «Nour – Kafi Royal» zieht. «Dort fühlen wir uns am wohlsten», bekunden Ghirmay und Mohamed. Sie freuen sich über die vielen neuen Bekanntschaften, die sie im Verlaufe des Festes knüpfen konnten. Mohamed hat extra zwei Wochen Ferien genommen, um mit dabei zu sein. «Das war es mir wert», sagt er, bevor er in die Küche huscht.

Das Fazit von Projektleiter Andriu Deflorin: «Für uns ist das Kafi Nour Royal ein starkes Beispiel dafür, dass man sehr viel mehr erreichen und Spass haben kann, wenn alle am gleichen Strick ziehen und einander helfen.»