Eine Kreuzfahrt auf dem roten Meer mit der gesamten Familie. Dieses unvergessliche Erlebnis wollte Beatrice Vonlanthen (43) aus Ehrendingen ihren Liebsten letztes Jahr zu Weihnachten schenken und wird beim grössten Schweizer Reiseanbieter Kuoni fündig.

Sie bucht für ihren Partner Jules Frei und ihren Sohn Andreas ein Pauschalarrangement, eine Kreuzfahrtreise auf dem Roten Meer, inklusive Anreise mit dem Flugzeug von Zürich über Wien nach Ägypten Sharm-el-Sheik.

Die Kreuzfahrt will die gebürtige Koblenzerin laut «Kassensturz» bei einem professionellen Anbieter buchen, um «mit dem Reisebüro einen kompetenten Ansprechpartner» über die nötige Sicherheit zu verfügen, falls auf ihrer Reise «etwas schief gehen sollte».

Aargauer Familie bucht Kreuzfahrt-Reise, verpasst aber das Schiff, weil das Flugzeug verspätet ist

Auf dem Flughafen von Wien gestrandet

Wegen eines unerwarteten Wintereinbruchs war der Flug am 10. Februar mit der Swiss von Zürich nach Wien massiv verspätet, der Flieger hob erst mit rund zweieinhalbstündiger Verspätung ab.

Prompt verpasste die dreiköpfige Familie den Anschlussflug zum Schiff nach Sharm-el-Sheik in Ägypten. Das berichtet der «Kassensturz» in der aktuellen Sendung.

Beatrice Vonlanthen und ihr Partner bezahlten rund 4000 Franken für die Kreuzfahrt, verbrachten aber keine Minute auf dem Schiff.

Sie strandeten vielmehr auf dem Flughafen Wien. Dort nahmen die Aargauer Touristen telefonisch Kontakt auf mit dem Reisebüro in der Schweiz.

Kuoni schlug Weiterreise über Israel vor

«Vor Ort sah sich niemand für uns zuständig. Wir hielten uns rund sieben Stunden auf dem Flughafen Wien auf, bis wir wussten, wie es weitergeht», sagt Beatrice Vonlanthen auf Anfrage der Aargauer Zeitung.

Kuoni schlug der Familie zuerst eine Übernachtung in Wien vor. Am nächsten Tag sollte ein Weiterflug nach Israel mit Umsteigen und einem Inlandflug in Tel Aviv nach Eilat am Roten Meer folgen. Mit einem Tag Verspätung hätte die Familie aus Ehrendingen dort aufs Schiff zusteigen können.

Der Haken an der ganzen Sache: Diese Weiterreise sollten sie selber bezahlen. Die Familie verzichtete. Statt zum Mega-Schiff, fliegt die Familie wieder nach Hause. «Wir konnten nicht verstehen, dass wir einen Aufpreis bezahlen sollten, weil irgendjemandem einen Fehler unterlief», so Vonlanthen gegenüber der Aargauer Zeitung.

Kuoni wollte nur 321 Franken übernehmen

Zuhause angekommen wartete die Überraschung in der Post: Kuoni wollte die 4000 Franken für die verpasste Kreuzfahrt nicht zurückerstatten. Die Kunden erhielten gerade mal 321 Franken für nicht gebrauchte Zuschläge und Taxen. Mehr könne Kuoni nicht zahlen, weil auch die Reederei fast den ganzen Preis einfordere.

Kuoni handle damit rechtswidrig, sagt Rechtsprofessor Vito Roberto im «Kassensturz». Denn der Reiseanbieter hafte als Veranstalter für solche Reisepannen und müsse den gesamten Preis zurückerstatten.

Für Kuoni-Sprecher Peter Brun ist klar: «Wir haben nach einer Lösung gesucht. Das ist unsere Aufgabe. Wenn die Kunden unsere Lösung ablehnen, stehen wir vor einer neuen Situation», sagt er gegenüber dem «Kassensturz».

Happy End nach fast drei Monaten

Doch die Familie hatte die kurzfristige Lösung Kuonis nicht annehmen wollen, da sie die neue Anreise zum Schiff selbst hätte bezahlen müssen.

Erst als der «Kassensturz» aktiv wird, kommt der grösste Schweizer Reiseanbieter der Aargauer Familie entgegen und übernimmt sämtliche Reisekosten von rund 4000 Franken.

Letzte Woche wurde Beatrice Vonlanthen nach monatelangem Streit die rund 4000 Franken endlich wieder zurückerstattet.

Hätte sie selber über Internet gebucht und Flug und Kreuzfahrtschiff separat gebucht, wäre das Feriengeld wohl verloren. «Wir werden auch zukünftig auf Kreuzfahrten gehen. Vielleicht reisen wir aber nicht mehr mit dem Flieger zum Schiff», so Vonlanthen zur az. (sha)