Neuenhof

Flugblatt heizt Wahlkampf an: Knatsch zwischen FDP-Kandidat und CVP

FDP gegen CVP: Fred Hofer (l.) gegen Marco Hürsch.

FDP gegen CVP: Fred Hofer (l.) gegen Marco Hürsch.

Heisser Tanz um den frei werdenden Gemeinderatssitz in Neuenhof: Ein Flugblatt des freisinningen Kandidaten-Komitees sorgt für Wirbel, weil es die CVP frontal angreift.

Der Parteienknatsch im Schneckendorf wird zum Dauerzustand. Den neusten Höhepunkt hat es im Wahlkampf bei der Gemeinderatsersatzwahl zwischen FDP-Kandidat Fred Hofer und CVP-Kandidat Marco Hürsch gegeben. Ein Flugblatt des Wahlkampfkomitees «Pro Hofer» sorgt in Neuenhof für parteipolitischen Wirbel.

Schnell fiel der Verdacht auf den nimmermüden Alt-SVP-Bezirkspräsidenten Franz Mazenauer als Verfasser des Flugblattes.

Mazenauer darauf angesprochen: «Ich habe den Text nicht selber geschrieben, aber den Verfasser des Flugblattes dabei unterstützt.»

Er könne sich darum hinter den gesamten Inhalt stellen, so Mazenauer. Den Vorwurf, es handle sich um ein anonymes Komitee, lässt er aber nicht so im Raum stehen: «Ich habe mich als Mitglied des Wahlkomitees Pro Hofer in Leserbriefen deutlich mit meinem Namen geoutet. Da kann uns niemand Anonymität vorwerfen.»

Auch FDP-Gemeinderatskandidat Fred Hofer selber steht zu diesem Flugblatt und zu den detaillierten Vorwürfen an die Adresse der CVP. «Das Wahlkomitee ist mir bekannt, da gibt es nichts zu verbergen. Ich habe den Inhalt des Flugblattes vorher gesehen», sagt Hofer. Es sei von ihm selber abgesegnet worden, jedoch nicht von der FDP, präzisiert er. Und: «Wahlkampf ist nun einmal kein Wattebausch-Werfen, da darf man auch ein bisschen austeilen.»

Eklat an Gemeindeversammlung

Scharfe Worte richtete an der Gemeindeversammlung am Montag Frau Gemeindeammann Susanne Voser an die Verfasser des Flugblattes. Dies offenbar in der Vermutung, dass Franz Mazenauer auch dahinter stecken würde. Es war nicht das erste Mal, dass Voser und Mazenauer vor versammelter Gemeinde aneinander geraten sind. Voser rief die Parteien zur Fairness auf. Ihr emotionaler Auftritt gipfelte in der Bemerkung, dass ihr Vater Leute, die sich auf dem Buckel von kranken Menschen einen Vorteil verschaffen wollten, als «Charakterlumpe» bezeichnet hätte. «Obschon dieser Angriff aus meiner Sicht zu weit gegangen ist, werde ich nicht weiter reagieren, sagt der angegriffene Franz Mazenauer.

Auslöser war die Bemerkung über den ehemaligen CVP-Gemeinderat Markus Hächler, der infolge gesundheitlicher Probleme im August den sofortigen Rücktritt einreichen musste. Auf dem Flugblatt steht, dass der «als absoluter Alleskönner» präsentierte CVP-Mann «offenbar dem Amt nicht gewachsen» war. «So etwas geht unter die Gürtellinie», so Voser.

Mazenauer rechtfertigt aber: «Es erstaunt, wenn Hächler am Dorffest kurz nach Ausscheiden aus dem Gemeinderat trotz Krankheit sehr lange an einem Verkaufsstand stehen konnte.»

Das Komitee spielt im Flugblatt-Text auch auf parteiinterne Querelen bei der CVP an. Sie erwähnt den Partei-Austritt von Alt-Gemeindeammann Walter Benz aus der CVP. «Darüber wurde nie informiert – ist da etwas schiefgelaufen?», steht auf dem Flugblatt. In der Tat wurde Benz nie von der CVP als Gemeindeammann verabschiedet, hingegen lud ihn die SVP in Verdankung seiner geleisteten Dienste zum Abschiedsessen ein.

Ein weiterer Nadelstich zielt auf Gemeindeammann Susanne Voser, die im Flugblatt «Frau Schläpfer» genannt wird. Dabei nimmt man nebst ihrem Namens- auch den Parteiwechsel von der FDP zur CVP aufs Korn. Zudem wird Daniel Schibli, der 2012 als CVP-Gemeinderat vorzeitig abgetreten war, angegriffen. «Mit sachlichem, fairem Wahlkampf hat das nichts zu tun», so Ueli Rothenfluh, Präsident der CVP Neuenhof. Die Partei verurteile besonders die Äusserungen zur Gesundheit von Markus Hächler. CVP-Kandidat Marco Hürsch distanziert sich: «Solange es eine parteipolitische Auseinandersetzung ist und nicht meine Person betrifft, ist das Sache des Vorstandes.

Bei der Nachfolge von Rolf Widmer bei den Gesamterneuerungswahlen im Herbst 2013 unterlag FDP-Kandidat Hofer dem parteilosen Andreas Muff. Auch er bekommt einen Seitenhieb: «Wieso steht dieser Gemeinderat nicht dazu (CVP-Nähe, Red.) und tritt der CVP bei?» Muff ist erstaunt: «Ich war nie Mitglied der CVP und werde auch keines sein.» Auch aus seiner Sicht geht das Flugblatt unter die Gürtellinie.

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