BT-Kolumne

Flussbeiz «Kajüte»: Unnötige Bürokratie droht Innovation zu ersticken

Das Café Kajüte an der Limmatpromenade am 1. Mai 2019.

Das Café Kajüte an der Limmatpromenade am 1. Mai 2019.

BT-Kolumne: Simon Balissat über die Ausschreibung der Betriebsbewilligung der Fluss-Beiz an der Limmat in Baden.

Öffentliche Ausschreibungen sind wichtig und meistens richtig. Wenn eine Stadt zum Beispiel die ganze EDV erneuert, dann muss sie das ausschreiben. So geht der Auftrag nicht an den Golfkumpel des zuständigen Beamten. Es gibt aber Ausschreibungen, die mich zweifeln lassen, was sie überhaupt bezwecken wollen. Zum Beispiel im Fall Kajüte. Der Platz der Limmatbeiz beim Tränenbrünneli in Baden wird keine zwei Jahre nach der Eröffnung bereits wieder ausgeschrieben.

Konkret geht es um den Betrieb ab 2022 bis 2029. In ihrer erst dritten Saison müssen die Initianten der Kajüte also schon wieder um das lieb gewonnene Kaffee an der Limmat bangen. Ich kenne die Kajüte-Eltern Fabienne und Jay Tanoa und bewundere ihren unglaublichen Kampfgeist und ihren eisernen Durchhaltewillen. Sie haben sich gegen 45 Einsprachen durchgesetzt, haben ihre Vision Jahr um Jahr nach hinten verschoben, sind Kompromisse eingegangen und haben nie aufgegeben. Vor zwei Jahren waren sie endlich am Ziel. Und jetzt bekommen sie von der Stadt erneut Steine in den Weg gelegt.
Dass man bei der Stadt keine unbürokratische Lösung finden konnte, ist für mich absolut unverständlich. Die Stadt ist schliesslich grösste Nutzniesserin des Kaffees an der Limmat. Die Limmat wurde durch die Kajüte mehr aufgewertet als Blinddarm, Gstüehl und Schulhausplatz zusammen. Es ist eine Aufwertung, die junge Leute mit frischen Ideen und Kampfgeist initiiert haben und nicht graue Eminenzen mit Profitgier und Politkalkül. Als Dank erhalten Fabienne und Jay nun eine öffentliche Ausschreibung und die Angst davor, dass sich in zwei Jahren jemand in ihr gemachtes Nest setzen könnte.

Auch wenn die Ausschreibung so formuliert ist, dass sie auf die Kajüte zugeschnitten ist, und die bisherigen Betreiber so sehr gute Chancen haben, ist die Location beim Tränenbrünneli für die Badener Gastrokönige zu gut, um es nicht zu versuchen. Der Aufwand für eine Bewerbung ist klein, der Ertrag wäre gross und die Chancen sind intakt. Die Bewerbung mit der besten Bewertung, die alle zwingenden Kriterien erfüllt, wird dem Stadtrat vorgelegt. Bei gleicher Punktzahl entscheidet das Los. Müssten bei gleicher Punktzahl nicht wenigstens die bisherigen Betreiber bevorzugt werden? Die Kajüte hat schliesslich den Weg für einen Gastrobetrieb an der Limmat geebnet.

Alles andere als die Vergabe der Bewilligung an das bisherige Team wäre ein Affront und ein falsches Zeichen an junge, innovative Macher.

Erhält ein neuer Betreiber den Zuschlag, ist das Risiko gigantisch, dass irgendein umtriebiger Unternehmer an der Limmat einen seelenlosen Container hinstellt, einen unterbezahlten Geschäftsführer und noch unterbezahlteres Personal einstellt und so Kohle wie Heu scheffelt. Dann gibt es an der Limmat miesen Kaffee aus einem Vollautomaten, Bier aus der Grossbrauerei in Rheinfelden und Glacé von Nestlé. Währenddessen zählt der Unternehmer den Gewinn in seinem Büro und freut sich über eine Cashcow mehr. Den Kampf haben die Vorgänger geführt, der neue Betreiber braucht bloss noch abzusahnen. Ein Schelm, wer dabei denkt, diese Art der Ausschreibung wurde bei einem Golfspiel unter Freunden konzipiert.

Simon Balissat (36), in Baden aufgewachsen, lebt in Zürich. Nach über 10-jähriger Radiokarriere (Radio Argovia, Radio 24) schreibt er für galaxus.ch.

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