Die Stadt Baden und die Veloabstellplätze beim Bahnhof – ein Thema, das in den letzten Jahren für einige rote Köpfe gesorgt hat und nun um ein Kapitel reicher wird. Selena Rhinisperger, Präsidentin der SP Baden, hat eine parlamentarische Anfrage an den Stadtrat eingereicht. Auf der Ostseite des Bahnhofes beim Gleis 1 bestehe ein viel grösserer Bedarf an Veloabstellplätzen, als momentan angeboten werde. Dies unter anderem wegen der 250 Abstellplätze, die wegen des Umbaus des Postgebäudes Ende März weggefallen sind. «Seit Jahren sind die Veloabstellplätze auf dieser Seite des Bahnhofes in den wärmeren Monaten völlig überfüllt. Nun fallen auch noch die Veloständer beim Postgebäude weg. Es besteht Handlungsbedarf», sagt sie. In ihrer Anfrage will sie vom Stadtrat wissen, ob er ihre Meinung teile. Und sie will wissen, ob der Stadtrat eine Bedarfsanalyse vorgenommen hat, die der Frage nachgeht, ob das Angebot der Nachfrage entspricht.

Auf der gegenüberliegenden Bahnhofseite wurde vor drei Jahren die überdachte Velostation gebaut. Kosten: 830 000 Franken. Sie wird von bürgerlichen Politikern als «teuerster Veloständer der Schweiz» bezeichnet. Nicht einmal der Präsident von Pro Velo Baden, Hubert Kirrmann, fand lobende Worte für die Velostation. Er kritisierte unter anderem die Lage: «Der Standort auf der hinteren Seite des Bahnhofes ist für Velofahrer weniger attraktiv als auf der Gleis-1-Seite, wo der Zug nach Zürich abfährt», sagte er.

Ist es angesichts der oft schlecht besetzten Velostation nicht verwegen, auf der anderen Seite des Bahnhofes mehr Veloständer zu fordern? «Nein», sagt Rhinisperger. «Mit der Eröffnung des neuen Thermalbades, dem Umbau des Postareals und der Weiterentwicklung in Baden Nord wird der Bahnhof Baden verkehrtechnisch noch einmal richtig aufgemischt, und da wünsche ich mir klarere Vorstellungen, wie das bewerkstelligt werden soll.» Es gehe ihr um weit mehr als bloss die Anzahl Veloparkplätze, erklärt Rhinisperger. «Ich erhoffe mir vom Stadtrat eine langfristige Strategie zur Verkehrsführung beim Bahnhof.» Das linksliberale Team Baden und die Grünen hatten hierzu vergangenes Jahr bereits einige Ideen öffentlich kundgetan, sie sprachen sich unter anderem für Tempo 20 auf der Bahnhofstrasse aus.

Stefanie Heimgartner, SVP-Grossrätin und Einwohnerrätin in Baden, bezeichnet die Forderung nach noch mehr Veloparkplätzen beim Bahnhof als lächerlich. «Ich kann diese Forderung wirklich nicht ernst nehmen. Die teure Velostation steht meist fast ganz leer.» Sie sei erst dann bereit, über mehr Veloparkplätze zu diskutieren, wenn die Velostation voll besetzt sei, sagt Heimgartner. «Ausserdem finde ich, es braucht beim Bahnhof mehr Autoparkplätze. Vergessen wir nicht: Der Velostation fielen Auto-Parkplätze zum Opfer.» Im Gegensatz zu den Veloständern würden diese der Stadt Einnahmen bringen und dem Gewerbe mehr Kunden.