Würenlos

Fotograf dokumentiert das Ende der Ära der Bäuerinnenschule

Um die letzten Tage der Bäuerinnen-Schule zu dokumentieren, kehrte Sozialarbeiter Christoph Hammer in seinen alten Beruf als Fotograf zurück. Fabienne Eichelberger

Um die letzten Tage der Bäuerinnen-Schule zu dokumentieren, kehrte Sozialarbeiter Christoph Hammer in seinen alten Beruf als Fotograf zurück. Fabienne Eichelberger

In den vergangenen fünf Monaten war Christoph Hammer durchschnittlich zwei Mal pro Woche im Kloster Fahr. Im Auftrag von Würenlos hatte er die letzten Tage der Bäuerinnenschule dokumentiert.

Im Auftrag der Gemeinde Würenlos hat Christoph Hammer den letzten Kurs der mittlerweile geschlossenen Bäuerinnenschule begleitet.

«Vom ersten Tag bis zur Zertifikats-Feier habe ich alles dokumentiert», sagt der Sozialarbeiter und Fotograf aus Baden.

Rund 22 000 Bilder seien entstanden, 270 davon sind Teil der Plakatausstellung im Kloster Fahr. Keines ist gestellt, alle zeigen die Kursteilnehmerinnen bei der Arbeit.

Mehr als nur Tiere betreuen

«Ich bin mit meiner Kamera sehr nahe an die Personen ran gegangen», erklärt Hammer. Er mag es nicht, «Menschen aus dem Hinterhalt heran zu zoomen».

Im Gegensatz dazu mögen es viele nicht, aus nächster Nähe fotografiert zu werden. Nicht so die Bäuerinnen: «Sie haben sich an die Kamera gewöhnt und mich komplett akzeptiert», sagt Hammer.

Zudem habe er nie einfach drauf los geknipst, sondern mehrere Stunden am Unterricht teilgenommen und sich ganz wie die Schülerinnen daran beteiligt. Für den selbst ernannten Stadtmenschen eine spannende Erfahrung: «Früher stellte ich mir vor, dass Bäuerinnen sich um die Tiere kümmern und vielleicht beim Heuen mithelfen», sagt der 58-Jährige schmunzelnd.

Jetzt sei ihm bewusst, wie anspruchsvoll ihre Aufgaben sind. In der Schule hätten sie so viele Module gehabt, dass es ihm gar nicht möglich war, alle zu besuchen. «Die Hauptfrage war aber: Wie setze ich meine Hände effizient ein», sagt Hammer. Etwa wenn es darum gehe, für 20 Personen zu kochen oder selber Kleider herzustellen.

Vom Fleiss und der Kreativität der Frauen zeigt sich der Badener beeindruckt – «was sie anfassen, gelingt ihnen».

Aber auch davon, wie ehrlich und authentisch sich die 28 Kursteilnehmerinnen ihm gegenüber verhalten haben: «Hat ihnen ein Bild nicht gefallen, sagten sie das sehr direkt.»

In gewissen Situationen war es für Hammer tabu, zu fotografieren. Zum Beispiel in der Kirche: «Während sie ihren Glauben und ihre Frömmigkeit auslebten, wollte ich nicht Paparazzi spielen.»

Dass er den Auftrag der Gemeinde angenommen hat, entspricht einer Ausnahme. Eigentlich arbeitet Hammer, der lange in Kriegsgebieten tätig war, nicht mehr als professioneller Fotograf. Als Sozialarbeiter leitet er die Jugend- und Familienberatung in Würenlos.

«Ich nehme nur noch sehr spezielle Aufträge an», sagt Hammer. Der Reiz an der Arbeit im Kloster Fahr bestand für den Badener im dokumentarischen Charakter: Die Bilder werden sowohl im Gemeinde-Archiv als auch in jenem des Klosters Einsiedeln aufbewahrt.

Die Arbeit mit den Bäuerinnen hat ihm so gut gefallen, dass er sich wünschen würde, in einigen Jahren ein Folgeprojekt zu realisieren. «Es nimmt mich wunder, ob sie ihre Träume vom eigenen Laden, dem Biohof und der Grossfamilie verwirklichen.»

Open-Air-Plakatausstellung: «Voll-enden», bis 27. September frei zugänglich auf dem Areal des Klosters Fahr.

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