Baden
Franz Doppler blickt mit Worten auf die Stadt und ihre Bevölkerung

Süffige, aber auch nachdenkliche Texte zu verfassen, das war schon immer das, was der pensionierte Buchhändler von der Weiten Gasse beherrschte. Am Sonntagmorgen liess Franz Doppler in der Stadtbibliothek ein grosses Publikum daran teilhaben.

Katia Röthlin
Merken
Drucken
Teilen
Franz Doppler vermag mit seinen Texten das Publikum zu fesseln. kru

Franz Doppler vermag mit seinen Texten das Publikum zu fesseln. kru

katia röthlin

Rund 50 Gäste kamen am Sonntagmorgen in die Stadtbibliothek und liessen sich von den Kurzgeschichten von Franz Doppler in den Bann ziehen. Er habe zum Glück eine kleine Fangemeinde, sagte der bald 80-jährige Badener Autor mit einem Augenzwinkern, bevor er seine Lesung begann.

Die Leiterin der Stadtbibliothek, Pia-Maria Rutishauser erklärte, «Franz Doppler ist ein viel beschäftigter Mann. Er hatte kaum Termine frei». Umso mehr freue es sie, dass er heute hier sei um alte und neue Texte zu lesen. «Franz Doppler ist ein präziser Beobachter, der Baden und seiner Bevölkerung den Spiegel vorhält», so Rutishauser.

Das war denn auch so. Etwa, wenn Doppler beschreibt, wie wir eigentlich von allem zu viel haben. 100 Brotsorten, 100 Käse, 100 Weine und mit jedem Entscheid, den wir treffen, entscheiden wir uns gegen 99 andere Sachen.

Ihm komme jeweils folgende Rechnungsaufgabe in den Sinn: In einen Brunnen laufen pro Minute 100 Liter Wasser, aus dem Abfluss rinnen 60 Liter. Wie lange dauert es, bis das Wasser überfliesst? Franz Doppler schliesst: «Erwarten Sie bitte nicht von mir, dass ich das Problem löse.»

Nicht alle Texte waren nachdenklich. Viele Lacher gab es bei Dopplers Erinnerungen zum Scherzartikelversand Muff. Immer wieder habe er im Eulenspiegelkalender die Inserate studiert. Leider seien Furzkissen und Knallzigarren für ihn unerschwinglich geblieben.

«Kurzfutter», so überschrieb Franz Doppler sein Matinée-Programm. Er habe nicht den langen Atem eines Romanciers. Seine kurzen Texte jedoch bringen die wesentlichen Dinge auf den Punkt.

Amüsant der Text über das Lösen von Kreuzworträtseln, fast schon zynisch seine Betrachtungen über die heutigen Heinzelmännchen, die des Nachts in die Briefkästen kotzen und Kirchen besprayen. Schnell verflog die Stunde und viele suchten im Anschluss an die Lesung beim Apéro das Gespräch mit dem Autor, um ihre Eindrücke zu schildern.