Mellingen

«Frau Bächer hat wieder Einsprache gemacht»: Alterszentrum blockiert

Der Tägerigerweg soll nach rechts verschoben werden.

Der Tägerigerweg soll nach rechts verschoben werden.

Die Beschwerde einer Bürgerin könnte den Bau von insgesamt 44 Wohnungen in Mellingen um Jahre verzögern. Dazu gehört das Alterszentrum «Im Grüt» mit 14 Wohnungen.

Man wäre geneigt, den Streit für eine Provinzposse zu halten, wäre die Situation nicht bitterernst. In Mellingen blockiert eine Beschwerde den Neubau des Alterszentrums «Im Grüt» und eine Überbauung mit Alterswohnungen.

Die Beschwerdeführerin ist bekannt im beschaulichen Städtchen. Seit Jahren stelle sie sich gegen Bauherren quer, heisst es. Betroffene Bauunternehmer sagen dann jeweils, «Frau Bächer hat wieder Einsprache gemacht».

Das ist auch hier der Fall: Von Thérèse Bächer-Hirt ist derzeit eine Beschwerde beim Regierungsrat hängig. Dabei geht es um jenen Weg, der an der geplanten Überbauung und dem Alterszentrum «Im Grüt» vorbeiführt – der Tägerigerweg.

Auf der einen Seite des Weges besitzt Bächer-Hirt ein Stück Land mit einer grossen Scheune; auf der anderen Seite sollten eigentlich drei Häuser mit bis zu 30 Wohnungen zu stehen kommen sowie der Neubau des Alterszentrums mit 14 Wohnungen.

Im Gespräch stellt Bächer-Hirt gleich klar: «Es ist nicht meine Absicht zu streiten oder jemanden zu plagen.» Der Gemeinderat solle lediglich seine Aufgaben richtig erfüllen, denn dafür sei er vom Souverän gewählt und werde er bezahlt. Sie kritisiert, dass die geplanten Bauten erheblich mehr Verkehr mit sich bringen und der Weg deshalb verbreitert werden muss. «Schon heute weichen die Autos auf den Platz bei der Scheune aus, wenn sie sich queren», sagt sie.

Fehler mit ungeahnten Folgen

Damit nicht genug. Als man vor Jahren Bauzonen in Landwirtschaftszonen umgewandelt hatte, machte man beim Tägerigerweg einen Fehler mit ungeahnten Folgen. Ein Streifen von einem Meter Breite auf der Bächer-Hirt-Seite liegt heute in der Landwirtschaftszone statt der Bauzone. Es ist just jener Streifen, der im Besitz von Bächer-Hirt ist. Der Streifen werde rechtswidrig genutzt, sagt sie.

Doch seit bald 30 Jahren bezahlt die Gemeinde für den Streifen ein Fuss- und Fahrwegrecht. Deshalb kontert Gemeindeammann Bruno Gretener: «Dass wir den Weg rechtswidrig nutzen, stimmt nicht ganz, denn genau deshalb bezahlt die Gemeinde das Fahrwegrecht.» Gegenüber dem «Reussboten» sagte Gretener: Der Gemeinderat werde selbstverständlich im Rahmen der laufenden Gesamtrevision der Zonenplanung versuchen, den rechtmässigen Zustand herzustellen.

Das genügt Bächer-Hirt nicht, denn damit ist ihr Anliegen, den Weg breiter zu machen, noch nicht erfüllt. In ihrer Beschwerde verlangt sie: «Die Verbreiterung hat zulasten der Parzellen im Baugebiet zu erfolgen, und der bestehende Tägerigerweg ist auf der ganzen Parzelle der Landwirtschaftszone zurückzubauen und zu rekultivieren.» Mit anderen Worten: Der Weg soll verschoben werden.

Gemeinde ist anderer Meinung

Die betroffenen Grundeigentümer wären längst einverstanden, dass der Weg zulasten ihrer Grundstücke verschoben wird. «Wir haben das bereits angeboten, als die Beschwerde noch bei der Gemeinde lag», sagt Paul Zürcher. Der Alt-Gemeindeammann besitzt eine der vier Parzellen auf der anderen Seite des Tägerigerweges. Die Gemeinde hatte Bächer-Hirts Beschwerde damals allerdings abgewiesen.

«Wir rechnen nur mit einem geringen Verkehrszuwachs», sagt Gretener. «Die Erschliessung reicht aus, um die vorgesehenen Bauten zu erstellen». Deshalb müsse der Tägerigerweg nicht angepasst werden, so das Fazit der Gemeinde.

Der Weg ist steiniger als gedacht

Die Fronten sind verhärtet. In den kommenden Tagen will der zuständige Sachbearbeiter des kantonalen Baudepartements, Alexander Matter, sich ein Bild vom umstrittenen Weg machen. «Wir werden die Situation mit den beteiligten Parteien prüfen», erklärt er und hofft, «dass wir eine Lösung finden».

Diese Hoffnung hegt auch Paul Zürcher, doch er bleibt realistisch. «Wir gehen eigentlich schon davon aus, dass Frau Bächer-Hirt die Beschwerde ans Verwaltungsgericht weiterziehen wird, sollte der Regierungsrat sie zurückweisen», sagt Zürcher. Sollte es ganz arg kommen, könnte der Bau der Alterswohnungen um Jahre in die Ferne rücken. «Als das Projekt der Alterswohnungen bekannt wurde, bekam ich viele Anfragen, doch inzwischen sage ich den Leuten, sie sollen sich besser anderweitig umschauen», sagt Zürcher.

Bächer-Hirt könnte die Beschwerde bis vor Bundesgericht bringen. Würde sie dort abgewiesen, käme es zu einem Baugesuch. Doch Zürcher geht davon aus, dass immerhin die Möglichkeit bestehe, dass erneut Beschwerden eingereicht werden.

Indes nimmt Thérèse Bächer-Hirt an, dass ihre Beschwerde gutgeheissen wird. «Wir sind schliesslich ein Rechtsstaat und keine Bananenrepublik.» Ob Sie die Beschwerde weiterziehen würde? «Ich weiss es noch nicht, es kommt darauf an, was der Regierungsrat entscheidet.» Dass der Tägerigerweg derart steinig werden könnte, hatte man beim Start des Projektes wohl noch nicht geahnt.

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