Baden

Frau behauptet: «Ich wurde auf dem Polizeiposten geschlagen»

Archivbild

Stadtpolizisten sollen gegenüber einer Frau handgreiflich geworden sein.

Archivbild

Marisa wird nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung auf dem Polizeiposten ins Spital gebracht. Sie behauptet, ein Badener Stadtpolizist habe sie wegen einer verweigerten Unterschrift hart am Arm gepackt und auf den Boden geworfen.

Blaue Flecken und Rötungen zeichnen den Körper von Marisa (Name geändert): an der linken Schulter, am unteren Rücken, am Nacken. Die Handgelenke und die Unterarme sind geschwollen. Marisa zieht den provisorischen Bericht des Kantonsspitals Baden aus ihrer Handtasche und legt ihn vor sich auf den Tisch. Im Dokument ist zu lesen, dass die verschiedenen Kontusionen auf eine «handgreifliche Auseinandersetzung» zurückgehen.

Was der in Baden wohnhaften Frau passiert sein soll, scheint unvorstellbar: Zwei Stadtpolizisten hätten Marisa auf dem Polizeiposten geschlagen, an den Haaren gezogen und auf den Boden geworfen. «Auch Handschellen wurden mir angelegt», sagt sie mit Tränen in den Augen.

Was ist passiert? Wie Marisa erzählt, wurde sie eingeladen, am Montagnachmittag einen Brief bei der Stadtpolizei abzuholen. Sie meldete sich beim Empfang und merkte an, dass sie nicht viel Zeit hat, da ihre Tochter bald von der Schule nach Hause kommt.

Marisa setzte sich mit einem Polizisten an einen Tisch und bekam ein Dokument vorgelegt, das sie hätte unterzeichnen müssen. Um welches Formular es sich handelte, ist unklar. «Ich sagte, dass ich dies nicht tun werde, weil ich nicht gut Deutsch verstehe. Ich spreche nur Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.» Es würde ihrem Prinzip widersprechen, etwas zu unterzeichnen, das sie nicht verstehe.

Als sie dem Polizisten sagte, dass sie nun gehen müsse, weil ihre Tochter zu Hause warte, habe er ihr den Weg versperrt, sie am Arm gepackt und auf den Boden geworfen. Später sei ein zweiter Polizist hinzugekommen. Nach der Auseinandersetzung sei sie mit der Ambulanz ins Kantonsspital gebracht worden.

Wegen Verhalten festgenommen

Hat es sich tatsächlich so abgespielt oder stellt sich Marisa als Opfer dar? Zu Marisas Aussagen wollte sich der Chef der Stadtpolizei Baden, Martin Brönnimann, nicht äussern. Er bestätigt jedoch: «Es gab einen Vorfall.»

Die Frau sei auf eine polizeiliche Vorladung hin auf den Polizeiposten gekommen, wurde aufgrund ihres Verhaltens festgehalten und anschliessend auf ihren Wunsch mit der Ambulanz ins Kantonsspital überführt.

Warum es zur Auseinandersetzung kam, darüber gibt er keine weitere Auskunft. Brönnimann fügt aber an: «Wenn sie sich ungerecht behandelt fühlt, steht ihr ohne weiteres offen, eine Anzeige gegen Mitarbeitende der Stadtpolizei zu erstatten.»

Gibt es Weisungen, in welcher Situation die Ordnungshüter ihren Auftrag handgreiflich durchsetzen sollen? Die polizeilichen Massnahmen müssten stets im Rahmen der Verhältnismässigkeit erfolgen, sagt Brönnimann. Diese werde weitgehend durch das Verhalten der gegenüberstehenden Person (hier Marisa) und die Situation bestimmt. Je nach Eskalationsstufe würden bei einem körperlichen Einsatz zuerst die Hände eingesetzt, in bedrohlicher Lage das Reizstoffsprühgerät (Pfefferspray) und danach der Einsatzstock.

Wenn sich jemand dem polizeilichen Auftrag zu entziehen versuche beziehungsweise fliehen wolle, ist die Polizei angehalten, dies zu verhindern. Werde eine Person zurückgehalten, könne die Situation eskalieren, erklärt Brönnimann. Das reiche von der Beschimpfung bis zur Gegenwehr wie beissen, um sich schlagen und kratzen. Dies erfordere ein entsprechend stärkeres Eingreifen seitens der Polizei.

Der letzte Polizeieinsatz in der Stadt Baden, der heftig zu reden gegeben hatte, erfolgte anlässlich der Fussballweltmeisterschaften 2014 in Brasilien nach dem Sieg der Schweizer Nationalmannschaft. Damals wurde der «Rebstock»-Wirt und heutige SP-Einwohnerrat Markus Widmer auf einer verkehrsgesetzwidrigen Velofahrt auf dem Schulhausplatz von zwei Polizisten zu Boden gerissen. Damals gestand man von Polizeiseite, dass die Situation zu dramatisch eingeschätzt und der Einsatz unverhältnismässig gewesen sei, weil sich Widmer in keiner Weise gegen die polizeiliche Intervention gewehrt hatte.

Marisa: Psychologisch angeschlagen

Marisas Schmerzen haben wenige Tage nach dem Vorfall nachgelassen. Ihr seien mehrere Medikamente verschrieben worden, sagt sie. «Psychologisch geht es mir aber gar nicht gut.» Wie könne sie ihrer Tochter sagen, dass die Polizei für Sicherheit sorgt und Leute beschützt, wenn ihre Mutter selbst von Polizisten geschlagen worden sei? Für sie ist klar, dass sie in den nächsten Tagen Anzeige erstatten wird.

Auch die Stadtpolizei unternimmt weitere Schritte. Martin Brönnimann: «Die Stadtpolizei ihrerseits ermittelt gegen ‹Marisa› wegen Hinderung einer Amtshandlung und wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte.»

Meistgesehen

Artboard 1