Killwangen
«Frau Meier, Ihr Hund hat ja einen Vogel»

In Killwangen gibt es eine ganz besondere Liebe: Eine Taube hat sich mit Hund und Mensch angefreundet. Mittlerweile sind Linda, Gina und Angela Meier unzertrennlich. Und im Dorf ist das Dreiergespann längst bestens bekannt.

Yvonne Lichtsteiner
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Taube Linda und Hund Gina sind unzertrennlich
5 Bilder
Die Taube sass eines Abends vor Angela Meiers Haustür in Killwangen
Angela Meier glaubt fest daran, dass Linda ein kleines Wunder ist
Kuscheln ist angesagt - das macht Linda am liebsten
Taube Linda versteht sich bestens mit Hündin Gina

Taube Linda und Hund Gina sind unzertrennlich

YL

«Schätzchen, wo bist du? Linda, wo hast du dich versteckt?» Angela Meier geht auf ihrem Hof in Killwangen hin und her, öffnet Türen, hebt das Tischtuch auf dem Gartentisch. Vorsichtig trippelt Linda aus ihrem Versteck, wackelt mit ihrem kleinen Kopf und läuft der Coiffeuse entgegen. «Da bist du ja», sagt sie mit einem Strahlen auf dem Gesicht.

Meiers Schätzchen – wie sie Linda liebevoll nennt – ist eine weisse Taube, fliegen kann oder will sie nicht. Und so setzt Meier die Taube auf ihre Schulter – wie ein Pirat seinen Papagei. Kurze Zeit darauf trabt ein schwarzer Labrador auf Meier zu. «Wo Linda ist, ist auch Gina nicht weit», sagt sie und krault der Hündin das Kinn. «Wir drei sind unzertrennlich.»

Gina und Linda verstehen sich gut

Es ist nicht das erste Mal, dass sich eine Taube mit einem Hund anfreundet. In Seon hat sich ein ähnliches Phänomen abgespielt (az Aargauer Zeitung vom 17. Juli). Linda bewegt ihren Kopf wie wild, streicht ihn an Meiers Wange und trifft sie dabei ins Auge. Kein Problem für die Coiffeuse, für sie ist die Taube ein Geschenk. «Letzten November habe ich sie eines Abends vor der Haustür gefunden.» Weil sie Mitleid hatte, brachte sie die Taube in die Wärme. «Mit Gina hat sie sich von Anfang an gut verstanden», erzählt Meier. «Es ist unglaublich, wie zutraulich und verschmust dieses Tier ist.»

Die Taube weiche ihr nur ungern von der Seite, werde gar böse, wenn sie das Haus verlasse. Deshalb nehme sie Linda und Gina manchmal mit, wenn sie durch das Dorf spaziere – dort kennt man sie. «Frau Meier, ihr Hund hat ja einen Vogel», sei die erste Reaktion der Menschen gewesen, als sie das Dreiergespann zusammen gesehen haben.

Am Sonntag das erste Ei gelegt

Meier glaubt, die Taube sei nicht aus Zufall hier. «Vor drei Jahren ist mein Lieblingspferd gestorben. Und zwei Monate vor Lindas Auftauchen, starb mein anderer Hund», sagt sie.

Tiere seien viel schlauer, als man denke. Meier ist überzeugt, dass in Taube Linda die Seele eines ihrer verstorbenen Tiere stecke. «Ich glaube, sie will mir etwas mitteilen und die Leere füllen, die meine geliebten Tiere hinterlassen haben.» Dass sich die Taube auf dem Hof wohlfühle, habe sie letzten Sonntag bewiesen. Sie habe ihr erstes Ei gelegt – direkt in Meiers Hand. «Ich liess es vor Schreck prompt fallen», erzählt sie. Kurze Zeit später habe die Taube bereits ein neues Ei gelegt. Dieses umsorge sie jetzt liebevoll in ihrem aus Ästen gebauten Nest.

«Linda würde mir sehr fehlen»

Sie habe vor kurzem begriffen, dass ihr die Taube sehr am Herzen liege. «Linda war plötzlich nicht mehr da. Auf einer Wiese in der Nähe des Hofes habe ich dann viele weisse Federn gefunden», erzählt Meier. Sie machte sich Sorgen, rechnete mit dem Schlimmsten. «Ich dachte, Krähen hätten sie getötet.» Als Linda mit einer blutigen Verletzung am Hals zurückkehrte, war Meier erleichtert.

Mit einer Hand krault sie den Hals von Hündin Gina, mit der Anderen streicht sie über die weissen Federn der Taube. «Wenn Linda nicht mehr da wäre, würde sie mir sehr fehlen», sagt Meier.