Baden
«Frauen müssen lernen, ihren Lohn besser zu verhandeln»

Morgen ist Equal Pay Day. Die Business & Professional Woman Baden wollen an ihrem Stand an der Badstrasse junge Frauen, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen, für die Zukunft rüsten. Denn Frauen verdienen immer noch schlechter als Männer.

Erna Lang-Jonsdottir
Drucken
Teilen
Die Badenerin Flavia De Biasio ist seit März 2013 Präsidentin der Business & Professional Women Baden. Alex Spichale

Die Badenerin Flavia De Biasio ist seit März 2013 Präsidentin der Business & Professional Women Baden. Alex Spichale

Alex Spichale

Muss Frau Emanze sein, um sich für die Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen einzusetzen? «Nein, absolut nicht. Das Bild der Emanze geistert nur noch in den Köpfen einer älteren Generation herum», sagt Flavia De Biasio und lacht.

Die 50-Jährige vertritt am morgigen Equal Pay Day zum ersten Mal die Badener «Business & Professional Women» (BPW) als Präsidentin. Am Stand an der Badstrasse kämpfen die BPW für die Lohngleichheit: Ansprechen wollen sie junge Frauen, die kurz vor dem Eintritt ins Berufsleben stehen.

«Erfahrungsgemäss befassen sich viele jungen Frauen nicht mit dem Thema Lohngleichheit, obschon sie demnächst Lohngespräche führen werden.» Die Aufklärung der BPW sei ein Rüstzeug für die Zukunft, betont De Biasio. «Frauen müssen lernen, ihren Lohn besser zu verhandeln.»

Equal Pay Day

Der 7. März gilt in der gesamten Schweiz als «Equal Pay Day». So müssen Frauen hierzulande bis zu diesem Datum arbeiten, um für gleichwertige Arbeit denselben Lohn zu erhalten, den Männer schon am 31. Dezember in der Tasche haben. Die Berechnung geht auf die Lohnstrukturerhebung 2010 zurück, gemäss der Frauen in der Schweiz 18,4 Prozent weniger als Männer verdienen.

Der «Equal Pay Day», der ursprünglich aus den USA kommt, wird in der Schweiz und weiteren 22 europäischen Ländern von den Business and Professional Women (BPW) begangen. Ziel der BPW ist die qualitative und finanzielle Gleichstellung, um Wahlfreiheit in der Lebensgestaltung zu haben. Der heutige Anlass in Baden wird unterstützt von unter anderem den Frauen Aargau und der Gewerkschaft Unia. (elj)

Kampf für Mann und Frau

Für sie steht fest: Obschon sich inzwischen viel in Sachen Frauenquote getan hat – was die Themen Lohn und Karriere betrifft, «gibt es immer noch eine Glasdecke zwischen Mann und Frau».

Konkret: Erstens würden Frauen für dieselbe Arbeit immer noch weniger verdienen wie ein Mann. Zweitens sei es für sie schwieriger, Familie und Job unter einen Hut zu bringen. Erfolgreiche Männer müssen meistens 100 Prozent arbeiten, weil es die Gesellschaft und Wirtschaft nicht anders zulasse. «Aus welchen Gründen auch immer», sagt De Biasio.

Deshalb kämpft sie auch für den Mann. «Firmen müssen flexibler werden», sagt sie. Mann müsse nicht 100 Prozent arbeiten, um einen Kader-Job meistern zu können. «Ich arbeite für ein fortschrittliches Architektenbüro. Alle Männer, die Familie haben, arbeiten bei uns 80 Prozent.»

Die Voraussetzung sei natürlich, dass beide Seiten am selben Strick ziehen. «Es sollte ein Miteinander und kein Gegeneinander sein, sei es in der Familie wie auch im Geschäftsleben.» Ihr Traum-Modell: «Ich wünsche mir für die Zukunft, dass beide Geschlechter ein Lebensmodell leben können, bei dem beide ihre Lebensgestaltung frei wählen können und dabei gleichbehandelt werden.»

Lohn im Geschäft diskutieren

Ein erster Schritt in die richtige Richtung ist für De Biasio die Aufklärungsarbeit am Equal Pay Day. Wie üblich verteilen die BPW eine rote Tasche mit Infos.

Junge Frauen sollen lernen, wie sie den Lohnrechner anwenden, und wie sie herausfinden können, wie viel die jeweilige Branche bezahlt. «Wir wollen auch vermitteln, dass im Geschäft über Löhne diskutiert werden sollte.»

Das falle vielen schwer, weil Lohndiskussionen immer noch tabuisiert seien. «Es kann in einer Firma nur Transparenz herrschen, wenn über den Lohn gesprochen wird.» Dass die Geschäftsleitung die Stirn runzelt – darüber sollte sich nach De Biasio niemand Gedanken machen.

«Vielleicht ist es dem Chef erst etwas unangenehm. Die offenen Lohndiskussionen zwingen ihn aber dazu, hinzuschauen.» Und das wiederum helfe, Lohnungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau abzuschaffen.

Aktuelle Nachrichten