Region Baden

Frauenstreik im Aargau: Das sind die Regeln für Mitarbeiterinnen bei Firmen, Gemeinden und Kantonsspital

Frauenstreik: Karikatur

Frauenstreik: Karikatur

Am grossen Frauenstreik in vier Wochen gehen Frauen auf die Strasse, um sich für die Gleichstellung der Geschlechter einzusetzen. Haben streikende Mitarbeiterinnen in der Region Sanktionen zu befürchten? Wir haben nachgefragt.

Der nationale Frauenstreik am 14. Juni polarisiert. Das beweisen nicht nur die immer zahlreicher werdenden Artikel in vielen Medien, sondern auch die unzähligen Kommentare unter den Onlineartikeln. Es ist nach dem Streik 1991 der zweite Frauenstreik, dem die Schweiz entgegensieht. Lohnungleichheit, Diskriminierung und sexuelle Belästigung sind nur einige von vielen Punkten, auf die aufmerksam gemacht werden sollen.

Auch in der Region sind Aktivitäten geplant. Neben Streikmittagessen in Baden und Bad Zurzach finden in Baden auch Aktionen im Laufe des Morgens statt. Um 15.30 Uhr sollen im Aargau alle Frauen die Arbeit niederlegen, als Zeichen der Lohnungleichheit. Wie gehen hiesige Gemeinden und Unternehmen mit streikenden Angestellten um? Der allgemeine Tenor zeigt: Natürlich dürfen die Frauen am Streik teilnehmen, aber sie müssen sich dafür freinehmen oder diese Zeit kompensieren.

In Spreitenbach bedarf es laut Gemeindeschreiber Jürg Müller «einer schriftlichen, frühzeitigen Antragstellung beim Gemeinderat.» Jedoch sei der Frauenstreik bisher sowieso kein Thema gewesen beim Personal. Ähnlich tönt es aus Fislisbach: «Wir gehen nicht davon aus, dass eine ‹Streikwelle› bei den Mitarbeiterinnen ausbrechen wird», so Gemeindeschreiber Donat Blunschi. Sollten diese aber trotzdem ein politisches Zeichen setzen wollen, so dürften sie dies gerne ausserhalb der bezahlten Arbeitszeit tun und müssten sich dazu freinehmen. Ähnlich äussern sich auch Wettingen und Baden. So sagt Badens Verwaltungsleiter Christian Villiger: «Die Teilnahme am Frauenstreik steht unseren Mitarbeiterinnen offen. Als Arbeitgeberin erwarten wir aber, dass die Absenz vorgängig mit dem oder der Vorgesetzten abgesprochen wird.»

Wenn es der Betrieb zulasse, dürfen auch die Mitarbeiterinnen in Obersiggenthal für den Streik freinehmen, sagt Gemeindeammann Dieter Martin (FDP). Logische Schlussfolgerung: «Sanktionen müssen sie nicht erwarten.» Obwohl aktuell eine Forderung der SP Obersiggenthal nach einer Analyse zur Lohngleichheit hängig ist (die AZ berichtete), bekräftigt Martin, dass hier Gleichberechtigung gelebt werde, auch auf die Löhne bezogen. Für die Mitarbeiterinnen würden keine Nachteile gegenüber ihren männlichen Kollegen bestehen.

Engagierte Unternehmen

Dass sich die weiblichen Angestellten für den Frauenstreik freinehmen, verlangen auch die grösseren Unternehmen der Region. Beim Onlinehändler brack.ch in Mägenwil hätten die Mitarbeiterinnen, die am Frauenstreik teilnehmen, «in keiner Form Sanktionen zu befürchten», so Mediensprecher Daniel Rei. Aber auch hier: «Dank unserer flexiblen Arbeitszeiten ist es gut möglich, sich im privaten Rahmen für solche Themen zu engagieren.» Die Teilnahme werde als Ferien- oder Kompensationstag gehandhabt. Ebenso verfährt die ABB: «ABB Schweiz hat ein Arbeitszeitmodell mit flexiblen Arbeitszeiten, das nach Absprache mit der jeweiligen Führungskraft kürzere Absenzen und damit die Teilnahme an Veranstaltungen grundsätzlich möglich macht», heisst es auf Anfrage.

Umfrage: Ist der Frauenstreik bei den Angestellten in Baden auch ein Thema?

Zudem würde sich das Technologieunternehmen seit Jahren mit verschiedenen Massnahmen und Initiativen für die Gleichstellung und Förderung von Frauen im Unternehmen einsetzen. «So engagiert sich ABB Schweiz etwa in der Förderung des weiblichen Nachwuchses im technischen Bereich und in der Förderung weiblicher Führungskräfte», erklärt Frederic Härvelid, Projektleiter Kommunikation. Weiter halte sich ABB Schweiz strikt an den Grundsatz «gleicher Lohn für gleiche Arbeit und wende sich gegen Diskriminierung jeglicher Art innerhalb des Unternehmens».

Ebenso engagiert zeigt sich das Paul-Scherrer-Institut (PSI) in Würenlingen, das 2018 den zweiten Rang im «Diversitiy Index», hinter der Credit Suisse und vor Ikea, belegte. Dieser Index misst die Vielfalt einer Belegschaft. Am PSI gibt es ein «Komitee für Chancengleichheit», eine Gruppe bestehend aus Männern und Frauen, die sich unter anderem für flexiblere Arbeitszeitmodelle und für die Förderung der Frauen in Wissenschaft und Technik einsetzen. «Zudem wird die vollständige Lohngleichheit, eine Kernforderung des Frauenstreiks, durch das PSI bereits umgesetzt», sagt PSI-Kommunikationsleiterin Dagmar Baroke. Wenn die Mitarbeiterinnen trotzdem an externen Veranstaltungen zum Frauenstreiktag teilnehmen möchten, müssen sie sich freinehmen.

Verwaistes Kantonsspital?

Im Kantonsspital Baden, mit einem Frauenanteil von 80 Prozent bei rund 2400 Mitarbeitenden, sollen die Frauen ebenso in ihrer Freizeit am Frauenstreik teilnehmen: «Absenzen müssen bei den Dienstplanungen frühzeitig beantragt werden, damit ein reibungsloser Spitalbetrieb gewährleistet werden kann», so Mediensprecher Omar Gisler. Ausserdem seien «diverse Forderungen der Streikorganisatoren bereits umgesetzt. Es gibt zum Beispiel Anlaufstellen für Opfer von Mobbing und sexueller Belästigung», sagt Gisler. Auch das Kita-Angebot werde kontinuierlich ausgebaut, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern. Und: «Die Löhne am KSB werden geschlechtsunabhängig bestimmt.»

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