Baden

Fredi Beerli (72) umrundete die Schweiz in 15 Tagen

Fredi Beerli auf dem Griespass, dem höchsten Punkt seiner Biketour entlang der Schweizer Grenze

Fredi Beerli auf dem Griespass, dem höchsten Punkt seiner Biketour entlang der Schweizer Grenze

Fredi Beerli aus Baden fuhr mit dem Bike der Landesgrenze entlang und liess sich dabei auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Und jetzt – kurz nach der Rückkehr – plant der Rentner bereits sein nächstes Abenteuer.

Im Wohnzimmer von Fredi Beerli hängt eine grosse Schweizerkarte. Mit rotem Stift ist eine Route entlang der Grenze eingezeichnet. Darüber hängt ein Schild mit der Aufschrift «Tour le long de la frontière Suisse - Gratulation zur Willensleistung». «Das Schild hat meine Frau gemacht», erklärt Fredi Beerli. Trotz seiner 72 Jahre hat er eine sportliche Figur, ist gross und schlank. «Ich brauche Aktivität. Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht Sport treibe», sagt er.

Früher lief der pensionierte Bankangestellte Marathon und Waffenläufe, heute spielt er Tennis, geht Skifahren, macht Berg- und Wandertouren. Ausserdem fährt er seit rund 30 Jahren leidenschaftlich gern Velo. Pro Jahr legt er 8000 bis 10 000 Kilometer auf dem Rad zurück. Dieses Jahr dürfte diese Zahl jedoch um einiges höher sein, denn Fredi Beerli umrundete mit seinem Bike die Schweiz. In den 15 Tagen, die er insgesamt unterwegs war, absolvierte er 1949 Kilometer und erklomm 14 590 Höhenmeter.

Fredi Beerli

Schweiz-Umrunder Fredi Beerli fährt seit 30 Jahren Velo

Ungeplanter Unterbruch

Am 18. Juni startete Fredi Beerli mit seinem Bike von Baden aus Richtung Basel. Alles, was er während seiner Tour brauchte, hatte er in vier Taschen am Velo verstaut. Sie wogen rund 35 Kilo. Trotz des schweren Gepäcks kam Fredi Beerli gut voran. Während sieben Tagen verlief alles nach Plan. Doch im Wallis bekam Beerli starke Schmerzen. «Eine typische Velofahrerkrankheit. Der Arzt, den ich aufsuchte, teilte mir mit, dass ich nicht mehr weiterfahren darf», sagt Beerli. Damit war sein Vorhaben jedoch nicht gescheitert.

Am 5. September setzte er die Umrundung der Schweiz da fort, wo er zuvor aufgehört hatte. «Aufgrund der Hitze und der hohen Auslastung der Hotels wollte ich nicht während der Sommerferien fahren. Deshalb musste ich so lange warten, bis ich weitermachen konnte», erklärt er. Nach weiteren acht Etappen erreichte er schliesslich wieder seinen Wohnort Baden.

Viele spannende Bekanntschaften

Für Beerli war von Anfang an klar, dass er die Fahrt entlang der Schweizer Grenze alleine bestreiten wollte. «So bin ich unabhängig.» Mit seiner Frau hatte er jedoch täglich telefonischen Kontakt. «Sie hatte schon ein bisschen Angst», sagt er.

Diese Angst war unbegründet, wie sich heute zeigt. Ausser einem platten Reifen und einem Sturz, bei dem Beerli Schürfungen davontrug, kam es zu keinen Zwischenfällen. Die positiven Erlebnisse überwogen. «Ich hatte viele schöne Begegnungen», sagt er. Eine davon im Welschland. Da er keine andere Übernachtungsmöglichkeit fand, stieg er in einem Fünf-Sterne-Hotel ab. Die dort logierenden Geschäftsmänner hatten grosses Interesse an dem verschmutzten Biker und halfen ihm in Anzug und Krawatte beim Tragen seines Bikes. Unterwegs traf Beerli immer wieder Leute, die mit ihm gemeinsam ein Stück des Weges zurücklegten. «Zu einigen habe ich noch immer Kontakt», erzählt er.

Neugierde als Motivation

Beerli hat mit dem Velo schon halb Europa erkundet. Auch in der Schweiz hat er viele Touren unternommen. Den Wunsch, die Grenzen seines Heimatlandes abzufahren, hegte er schon lange. «Die Schweiz ist ein schönes Land. Es gibt viel zu sehen und es gibt viele unbekannte Gegenden zu entdecken», sagt er. Sein Ziel war, möglichst nahe an der Grenze entlangzufahren. Im Vorfeld legte er sich eine Route zurecht. Zu viel wollte er jedoch nicht planen. «Überraschungen machen das Ganze erst spannend.»

Fredi Beerli ist noch nicht lange zurück und doch macht er sich bereits wieder Gedanken über neue Projekte. Nur zu Hause herumsitzen ist nichts für den 72-Jährigen. Er sagt: «Reisen bedeutet Spannung, Unterhaltung und Vergnügen. Das ist es, was das Leben interessant macht.»

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